Veranstaltungsberichte

„Das Unternehmen hat eine Seele”

Forum zur Thematik Management und Produktivität des ACDE (Asociación Cristiana de Dirigentes de Empresa)

Zum Forum „Management und Produktivität“ des Christlichen Unternehmerverbands analysierte die Spitzenwirtschaft Montevideos die Herausforderungen, vor denen die Gewerkschaften stehen sowie Empathie in der Unternehmenskultur und die Rolle der Arbeiterfamilie.

Werden Unternehmen in Lateinamerika schlecht geführt? Diese Sorge beschäftigte die Runde zu Beginn der Diskussion. Fehlende Konzepte zur langfristigen Steigerung der Produktivität und Effizienz führen dazu, dass manche Unternehmen ihre Ressourcen nicht sinnvoll einsetzen.

Produktivität und ihre essenzielle Bedeutung für das eigene Unternehmen zu verstehen sei wichtig, betonte der Direktor des uruguayischen Bauunternehmens Saceem, Alejandro Ruibal. Er unterstrich dabei, dass der Einsatz neuester Technologien, die Überwindung ideologischer Barrieren und die richtige Kommunikation die Basis für die Verbesserung der Produktivität seien. Später näherte er sich dem Thema aus einer humaneren Perspektive und sprach sich gegen Missbrauch und Ausbeutung von Arbeitern zwecks Gewinnmaximierung aus. „Die Idee ist, den Arbeiter und seine Familie so stark in das Unternehmen zu integrieren, dass ein starkes Band zwischen beiden entsteht.“

Der Direktor von Fábricas Nacionales de Cerveza, Rubén Ordoqui, ging auf den historischen Kontext des Produktivitätsbegriffs ein: „Vor fünfzig Jahren war in Uruguay bereits von Produktivität die Rede, jedoch in einem anderen Kontext als heute.“ Mittlerweile habe die Produktivität an neuer Bedeutung gewonnen; sie sei liberaler, progressiver und innovativer. „Die Einbeziehung von Technologie wird nicht erst seit gestern praktiziert", sagte Ordoqui und fügte hinzu, dass das tatsächliche Novum darin bestehe, der Ausbildung und Empathie einen Wert zu geben. „Wenn die Unternehmenskultur nicht auf Vertrauen aufgebaut wird, können wir nicht vorankommen.“ Zum Abschluss seines Beitrags betonte er, dass es einen letzten relevanten Schritt gebe: „Ohne Messung gibt es keinen Erfolg." Damit verwies er auf die Notwendigkeit, die Ergebnisse der Produktivität quantitativ zu bewerten.

Der dritte Redner, Martín Dibaboure, Direktor von ANDE (Agencia Nacional de Desarrollo, Behörde für nationale Entwicklung), befürwortete eine praktischere und prägnantere Definition von Produktivität: „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Produktivität folgendes heißt: mehr, besser und neu.“ Effiziente Produktivität ist laut Dibaboure jedoch nicht gleichbedeutend mit Rentabilität oder Kostensenkung. Für ihn ist Produktivität ein öffentliches, soziales Thema und es handle sich um ein „gemeinsames Engagement", das nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft vorangetrieben werden sollte. Am Ende seines Vortrags schlug er vor, gemeinsam und zukunftsorientiert daran zu arbeiten, den Gemeinschaftsgedanken zu stärken und die menschlichen Bedingungen zu verbessern, um die Produktivität zu fördern. „Das Unternehmen hat dann eine Seele“, sagt Dibaboure, „wenn man all diese Punkte berücksichtigt.“

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.