Veranstaltungsberichte

„Korruption ist nicht normal“

Intensivseminar zu Ethik, Rechtsstaat und Politik
Eine einsame Farm mitten in den Bergen Maldonados, ohne Internet und mit 40 Minuten Entfernung zum nächsten Ort. Klingt eigentlich nicht allzu attraktiv für junge Menschen. Trotzdem bot der Ort die besten Bedingungen dafür, dass sich die Teilnehmer des IEC-Diplomados in öffentlicher Verwaltung mit der Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung Uruguay zwei intensive Tage lang über politische Bildung sowie ihre weitere Zusammenarbeit austauschen konnten.

Die Diskussion um Ethik in der Politik sowie die Rolle des Rechtstaates stand im Fokus des ersten Seminartages. Die Leiterin des Regionalprogramms „Politische Parteien und Demokratie in Lateinamerika“, Dr. Kristin Wesemann, begann die Diskussion mit den Worten: „Der Schutz des Individuums durch den Staat und vor dem Staat ist einer der grundlegendsten Werte, die die Konrad-Adenauer-Stiftung fördert“.

Vor allem die vielen Korruptionsfälle in den öffentlichen Ämtern des Staates Uruguay und der damit verbundene Vertrauensverlust in die Politik prägten die folgende Debatte zwischen den Seminarteilnehmern und Gästen. Erst vor kurzem hat Präsident Tabaré Vazquez die Entlassung von drei Direktoren der staatlichen Gesundheitsbehörde (ASSE) angeordnet, die alle wegen Korruption angeklagt sind. Mercedes Vigil, die bekannte uruguayische Schriftstellerin, sprach von einer „Entwertung des ethischen Faktors“. Zugleich wies sie jedoch darauf hin, dass die Korruptionsfälle sehr schnell Öffentlichkeit generieren können und somit stets in der Wahrnehmung der Bürger vorhanden sind: „Wir nehmen die Korruption als normal wahr, aber ich denke, dass sie das nicht ist. Korrupte Politiker sind die Ausnahme, nicht die Regel.“

Für die Mitglieder des IEC stellte sich vor diesem Hintergrund schließlich die Frage, wie das Vertrauen in die Politik in Zukunft wiederhergestellt werden kann. Der uruguayische Journalist Álvaro Díez de Medina sieht hier vor allem eine Schwierigkeit: „Wenn sich der Wohlstand ausbreitet, werden die Leute zufriedener und interessieren sich weniger für die Politik.“ Wichtig sei deshalb, immer wieder darauf hinzuweisen, dass der politische Status Quo nicht selbstverständlich ist, und junge Erwachsene dafür zu gewinnen, sich in der Politik zu engagieren.

Genau mit diesem Ziel vor Augen haben sich die beiden Organisationen am zweiten Seminartag über ihre geplanten Veranstaltungen ausgetauscht. In verschiedenen Formaten möchte das IEC möglichst unterschiedliche politische Themen ansprechen, was den vielfältigen Interessen in einer Gesellschaft gerecht werden soll.

Bericht von Sandra Wahle

Ansprechpartner

Dr. Kristin Wesemann

Dr

Leiterin Regionalprogramm "Parteienförderung und Demokratie in Lateinamerika"

Kristin.Wesemann@kas.de +598 2902 0943 - 108

Über diese Reihe

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