Veranstaltungsberichte

AKADEMISCHE ERÖFFNUNGSKONFERENZ 2019: TRANSFORMATION DES LANDES IM DIGITALEN ZEITALTER

Die Eröffnungskonferenz: “Transformation des Landes im Digitalen Zeitalter” wurde von der Universidad del Rosario in Zusammenarbeit mit der Tagezeitung El Tiempo und der KAS Kolumbien organisiert.

Aus den unterschiedlichsten Blickpunkten verschiedener akademischer Disziplinen und Sektoren sollten anhand von Vorträgen, Paneldiskussionen und Expertenrunden die Chancen und Herausforderungen der sogenannten „Revolution 4.0“ diskutiert und analysiert werden. Demnach bestehen Chancen des Digitalen Zeitalters  vor allem in neuen unternehmerischen Ideen, mehr Inklusion und sozialer Verantwortung sowie Erziehung und Ausbildung; als Herausforderungen wurden genannt: die digitale Sicherheit, die Berücksichtigung der Ethik im Bereich der TIC (Informations- und Kommunikationstechniken) sowie der Anpassung gesetzlicher Regelungen. An der Veranstaltung selbst nahmen über 1.300 Personen teil, per Life-Streaming konnten weitere 3.350 Zuschauer erreicht werden.

In seiner Eröffnungsrede meinte der Rektor der Universidad del Rosario, Alejandro Cheyne, dass zwar noch nicht das ganze Ausmaß der “Revolution 4.0” zu übersehen sei, die Transformation jedoch mit besserer Vernetzung, Kommunikation und mehr Effizienz in der Technologie einhergehe. In diesem Sinne forderte er die Teilnehmer auf, zu analysieren wie die Entwicklung zum Dienst der Gemeinschaft genutzt werden könne.

Der Repräsentant der KAS Kolumbien, Dr. Hubert Gehring ging von der Tatsache aus, dass die Geschichte der Menschheit immer von Innovationen begleitet wurde deren Vorteile nicht von der Hand zu weisen seien. Gleichzeitig betonte er, dass die Geschwindigkeit mit der sich die „Revolution 4.0” vollziehe, viele neue Herausforderungen mit sich bringe und daher eine größere Anpassungsfähigkeit verlange damit die Neuerungen einen wirklichen Mehrwert zur Folge haben. Gehring wies auch darauf hin, dass die neuesten Entwicklungen nicht unbedingt immer auch die positivsten seien, weswegen die jeweiligen Umstände berücksichtigt werden müssten. Die „Revolution 4.0” könne zu mehr politischer Partizipation und damit zur Stärkung der Demokratie beitragen, stelle jedoch gleichzeitig auch eine neue Herausforderung für die Arbeit der politischen Parteien dar.    

Der Oberbürgermeister von Medellín, Federico Gutiérrez, erklärte dass sich die Stadt nicht nur in Bezug auf die Infrastruktur verändert habe, sondern auch in sozialer Hinsicht. Es sei unabdingbar, direkt in die Bevölkerung zu investieren, da eine effiziente “Revolution 4.0“ nur in Zusammenhang mit einer Bildungsreform möglich sei. Dafür seien langfristig angelegte  Public Policies und die Definition einer Marschroute notwendig, auf deren Grundlage künftige Stadtverwaltungen weiter arbeiten könnten.  

Gutiérrez bezog sich weiterhin auf die Entscheidung des Weltwirtschaftsforums von Davos, in Medellín ein Zentrum für die „Vierte Industrielle Revolution“ einzurichten. Die Hauptarbeitslinien des Zentrums seien Künstliche Intelligenz, machine learning und blockchain sowie das „Internet der Dinge“; die Einrichtung könne für Kolumbien eine weltweite Anerkennung mit sich bringen und neue Möglichkeiten für das Land schaffen. Das Projekt erfordere jedoch eine größere Investition sowie effiziente und prioritäre politische Strategien zur Überwindung sozialer Unterschiede.

Im ersten Panel diskutierte der Rektor der Universidad del Rosario mit dem  Oberbürgermeister von Medellín über mögliche Fehler bei der Verwaltung der  Stadt; dabei räumte Gutiérrez ein, dass man früher mit entsprechenden Initiativen in Schulen und in der politischen Bildung hätte beginnen müssen.  

Im Anschluss unterstrich der Hohe Berater für Digitale Innovation und Transformation, Víctor Muñoz, die Dringlichkeit eines Gesetzes zur Regelung Informations- und Kommunikationstechnologie TIC und zur Inklusion der 50% der Kolumbianer, die heute noch von der Kommunikationstechnik ausgeschlossen seien. Dabei ging er auch auf die Notwendigkeit ein, digitale Fähigkeiten der Bevölkerung zu fördern um dadurch mehr Effizienz im Arbeitsleben zu erreichen, zum Beispiel durch die Digitalisierung von Behördengängen und den Aufbau einer blockchain im Kampf gegen Korruption.  

Teilnehmer der folgenden Expertenrunde zum Thema „Innovation und Unternehmensentwicklung“ waren die Ministerin für Informations- und Kommunikationstechniken TIC,  Silvia Constaín; der Leiter der Abteilung Partnerships des Kurierdienstes Rappi, Sebastián Jaramillo; die Direktorin von Info Projects und ehemalige Vizeministerin für Informationstechnologie, María Isabel Mejía sowie der Hauptgeschäftsführer von iNNpulsa Colombia, Ignacio Gaitán. Man diskutierte über die Chancen unternehmerischer Initiativen in der aktuellen Situation und kam zu dem Ergebnis, dass der Aufbau neuer Unternehmen immer vom Zugang zu Ressourcen und Informationen sowie von einer detaillierten Planung abhängig sei; nur so könne eine langfristige Nachhaltigkeit erreicht werden. Man kam einerseits zu dem Schluss, dass die Innovation alle Sektoren der Gesellschaft durchdringe und andererseits dass die gesetzlichen Regelungen immer hinter der Innovation hinterherhinken werden. Die Experten forderten entsprechende legale Voraussetzungen für Innovationen.

An der Expertenrunde zum Thema “Soziale Konsequenzen des digitalen Zeitalters” nahmen teil: die Leiterin der Abteilung Armutsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit des UNDP Kolumbien, Lina Arbeláez; die Direktorin für öffentliche und rechtliche Angelegenheiten und Großverbraucher der Telefongesellschaft Telefónica, Natalia Guerra; der Projektleiter von Ruta N, Alejandro Delgado und die Vizepräsidentin für Externe und Legale Angelegenheiten von DIRECTV Lateinamerika AT&T, Ángel Melguizo. Man diskutierte über die Frage wie Menschen auf den Erwerb der notwendigen Kenntnisse über digitale Medien vorbereitet werden können. Weiterhin wurde die Rolle des Menschen im digitalen Zeitalter diskutiert, da einige traditionelle Arbeitsplätze verschwinden werden, während sich gleichzeitig neue Chancen eröffnen.

Der internationale Experte Nicholas Carr hielt einen Vortrag über das Verhältnis Mensch-Maschine im Zeitalter der Automatisierung. Obwohl die Automatisierung neue Arbeitsmöglichkeiten schaffe, sei in letzter Zeit zu beobachten, dass viele hochqualifizierte Experten durch Maschinen ersetzt werden, die ihre Funktionen übernehmen können. Das führe dazu, dass sie oft eher minderwertige und schlecht bezahlte Arbeiten übernehmen müssten. Darin sieht Carr eine Neustrukturierung der Arbeitsaufteilung.

Am Nachmittag wurden drei TED-Talks präsentiert. Den ersten hielten der Professor für Angewandte Mathematik und Computerwissenschaften der Universidad del Rosario, Juan Fernando Pérez und der Experte für Datenlösungen und Künstliche Intelligenz bei Microsoft Kolumbien, Adolfo Guzmán zum Thema “Big Data & Künstliche Intelligenz”. Den zweiten Talk zum Thema “Cibersicherheit, Cryptografie und Blockchain” präsentierten Valérie Gauthier, Direktorin der Abteilung Angewandte Mathematik und Computerwissenschaften der Universidad del Rosario und Diego Samuel Espitia Montenegro, Chief Security Ambassador der Firma Eleven Paths-Telefónica Cyber Security Unit.

Den letzten Vortrag zum Thema “Geografische Informationssysteme und Smart Cities” hielt der Professor des Programms Urbane Verwaltung und Entwicklung GDU, Erick Vergel gemeinsam mit dem Country Manager von Waze Kolumbien, Perú und Zentralamerika, Rodrigo Cortés Arango.

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Über diese Reihe

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