Veranstaltungsberichte

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Bruno-Heck-Preis der KAS-Altstipendiaten verliehen
„Das ist eine große Ehre und die wichtigste Auszeichnung, die ich bislang bekommen habe“, schwärmt Dr. Daniel Jütte schon vor der Preisverleihung. Und nach den Worten seines Doktorvaters Thomas Maissen, Professor für Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Universität Heidelberg, muss das etwas heißen: In seiner Laudatio bezeichnete er den 27-Jährigen als „Preise-Sammler“ und „Überflieger“. Dieses Mal wird seine Doktorarbeit preisgekrönt: „Die Ökonomie des Geheimen. Juden, Christen und der Markt für Geheimnisse (1400 – 1800)“ hatte die Jury überzeugt.

Der Bruno-Heck-Wissenschaftspreis der Altstipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung wird bereits zum zwölften Mal verliehen. Seit 1989 werden herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern ausgezeichnet, die einen wesentlichen Beitrag zu gesellschaftlich, politisch und historisch relevanten Zeitfragen leisten.

Die Verleihung findet erstmals vor der beeindruckenden Kulisse der ehrwürdigen Aula der Alten Universität Heidelberg stattfindet. Aufwendige Deckenbemalung und verspielte Holzschnitzereien im Stil der Neorenaissance zieren den wichtigsten Repräsentationsraum der Hochschule, die in diesem Jahr ihr 625-jähriges Jubiläum feiert. Rund 120 Gäste nehmen auf den roten Samt-Stühlen Platz. „Ein hervorragendes Forum, um meine Forschung vorzustellen“, freut sich Jütte.

Im Oktober war Bewerbungsschluss, und als über Monate keine Reaktion folgte, hatte der Heidelberger Historiker die Hoffnung schon verloren. „Ich war mir sicher, das ist nichts geworden“, erzählt Jütte. Umso größer war die Überraschung, als Altstipendiatensprecher Markus Zeitzen am Telefon die frohe Botschaft überbrachte. Warum gerade seine Doktorarbeit die beste der über 30 eingereichten Arbeiten war, kann Jütte selbst nicht erklären. Die Erklärung liefert die Verleihung nach.

„Wir haben heute ein Thema, dass ein wenig alt anmutet“, beginnt Altstipendiatensprecher Markus Zeitzen die Verleihung. „1400 bis 1800“, „Historisches Seminar“, „Altstipendiaten“ und dann auch noch „Alte Aula“ zählt er die auf den ersten Blick verstaubt anmutende Mischung auf. „Aber mit Herrn Jütte haben wir einen Preisträger, der ein historisch-gesellschaftliches Phänomen auch auf die heutige Zeit beziehen kann.“ Jüttes Dankesrede steht denn auch unter dem Motto „Von Machiavelli zu Wikileaks. Anmerkungen zu einer Geschichte des Geheimnisses“. Seine Dissertation widmet sich dem frühneuzeitlichen Markt für Geheimnisse. Eine Untersuchung, mit der Jütte eine neue Perspektive in der seit langem geführten Debatte über die Stellung der Juden zur und in der Wissenschaftlichen Revolution eröffnet hat. Damit hat er, so die Überzeugung der Jury des Bruno-Heck-Wissenschaftspreises, „Erhellendes zur Geschichte des Judentums“ beigetragen.

„Mit ihrer Dissertation ist ihnen eine äußerst preiswürdige Arbeit gelungen“, lobt auch der Ehrenvorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Professor Dr. Bernhard Vogel. „Gut ist auch, einen Menschen auszeichnen zu können, der seine Arbeit selbst geschrieben hat, und die der Doktorvater auch selbst gelesen hat“, sagt Vogel mit einem Augenzwinkern. Bei der Laudatio von Doktorvater Thomas Maissen wird deutlich, welches Engagement Jütte in seine Arbeit gesteckt hat. „Akribische Detailforschung in 14 in- und ausländischen Archiven“ hätten zu diesem Ergebnis geführt, das Maissen mit „summa cum laude“ bewertet hatte. „Er ist ein Student, der über seine Professoren hinweg fliegt. Er hat ihr Vertrauen und ihre Anerkennung hoch verdient und wird sie sich auch weiter verdienen“, endet der Heidelberger Professor. Die nächste Station des 27-Jährigen ist die Harvard University, an der er ab August dieses Jahres als Post-Doktorand forscht.

Den Bruno-Heck-Sonderpreis für hervorragende künstlerische Leistungen erhält die Violinistin Alexandra Maria Schuck. Die Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung wird von den Altstipendiaten für „ihre außergewöhnliche Musikalität und virtuose Spielweise“ ausgezeichnet. Die Nachwuchskünstlerin bedankt sich auf ihre Weise: Mit wenigen Worten und dem ersten und zweiten Satz aus der ausdrucksstarken Sonate für Violine und Klavier von César Franck.

Mit Blick in die Zukunft hofft der Altstipendiatensprecher Markus Zeitzen, die diesjährigen Preisträger auf ihren Lebenswegen bestärken zu können. Auch wenn der Bruno-Heck-Preis von den Altstipendiaten verliehen wird: Auf einen Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung sei schon so mancher Karriere-Sprung gefolgt. So erhielt Herta Müller im Jahr 2004 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. 2009 folgte der Literaturnobelpreis.

Die Autorin Stefanie Dodt ist Stipendiatin der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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