Veranstaltungsberichte

“Die Jugendlichen wollen diese Form der Ausbildung”

Wie lässt sich der dualen Berufsausbildung in Uruguay zum Durchbruch verhelfen? Am 7. Mai 2019 organisierte das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Montevideo gemeinsam mit dem Instituto Manuel Oribe eine Konferenz zu diesem Thema.

Mit dem Ziel, Erfahrungen zur Umsetzung der dualen Berufsbildung in Uruguay auszutauschen und das deutsche Modell vorzustellen, haben wir mit den beteiligten Akteuren diskutiert. Ivo Runge, Beauftragter für Berufsbildung an der Deutsch-Ecuadorianischen Industrie- und Handelskammer, berichtete über die Erfahrungen mit der dualen Berufsbildung in Deutschland und stellte dar, wie derzeit versucht wird, ein ähnliches System in Ecuador zu etablieren. Begonnen wurde in Ecuador mit 20 verschiedenen Ausbildungsberufen. Heute absolvieren bereits mehr als 11.000 Lehrlinge in 94 Berufen eine Ausbildung. „Dank dem von der jeweils verantwortlichen Institution ausgestellten Zertifikat können die Unternehmen auf die Vergleichbarkeit der Ausbildungsabschlüsse vertrauen.“, hebt Runge einen besonderen Vorteil des Konzepts hervor.

Nachdem Elizabeth Comerio die aktuelle Lage der dualen Berufsausbildung in Uruguay dargestellt hatte, ging José Lestido, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses der AHK Uruguay, näher auf die Fortschritte bei deren Umsetzung ein und beschrieb die Rolle der AHK Uruguay in diesem Prozess. Er betonte, dass die duale Berufsbildung „die Produktivität des Angestellten und des Unternehmens erhöht“. Ein Beweis für den großen Nutzen dieses Konzeptes für alle beteiligten Akteure ist ANIMA, eine Bildungseinrichtung, die duale Berufsbildung anbietet. Ximena Sommer, Gründerin von AMINA, und Felipe Migues präsentierten die 2016 gegründete Institution. Sie gibt den Jugendlichen die Möglichkeit,  zwischen einem auf Verwaltung oder IT spezialisierten Abschluss zu wählen. Aufgrund der begrenzten Platzanzahl können jährlich nur 50 Schüler aufgenommen werden, das Interesse an dieser Ausbildung ist jedoch groß: Jedes Jahr zählt ANIMA mehr als 300 Bewerber.

Das Konzept sieht vor, dass die Auszubildenden theoretische Kenntnisse in der Schule erlernen und diese praktisch in ihrem Ausbildungsbetrieb anwenden. Aus diesem Grund „ist das Unternehmen ein integraler Bestandteil der dualen Berufsausbildung, ohne die Ausbildungsbetriebe wäre dieses Konzept undenkbar“, unterstreicht Migues. Außerdem schätzen die beteiligten Unternehmen den Ansatz von ANIMA als äußerst positiv ein: 98% gaben an, dass sie die Erfahrung an andere Unternehmen weiterempfehlen würden und 93% haben die Kooperation im zweiten Zyklus weitergeführt. Laut Sommer und Migues bringe die duale Berufsbildung Vorteile für die Lehrlinge, die Ausbildungsbetriebe und auch für die Gesellschaft, indem die Arbeitslosenrate unter Jugendlichen gesenkt wird. Und: „Die Jugendlichen wollen diese Form der Ausbildung“, betont Sommer. Dies zeige die große Zahl an Bewerbungen.

Im Namen der organisierten Arbeitnehmer im INEFOP (Nationales Institut für Beschäftigung und Berufsbildung) erinnert Julio Perdigón daran, dass lange Zeit keine Verbindung zwischen der schulischen und praktischen Berufsausbildung existierte. „Heute finden wir jedoch bessere Bedingungen vor“, stellt Perdigón fest. Er erklärt jedoch auch, dass es nicht möglich sei, das Konzept eines Landes – das immer in einem ganz bestimmten Kontext entstanden sei -  zu übernehmen. Daher müsse man ein eigenes Modell für Uruguay entwerfen, in dessen Zentrum die Ausbildung des Lehrlings stehen müsse.

Von diesem Abend geht ein wichtiges Signal für die Zukunft der dualen Berufsbildung in Uruguay aus: Alle beteiligten Akteure haben ihre Bereitschaft erklärt, bei der Umsetzung dieser Idee mitzuwirken. Diese Bereitschaft gilt es zu nutzen! ​​​​​​​

Ansprechpartner

Ruben Alexander Schuster

Ruben Alexander Schuster bild

Leiter des Auslandsbüros Guatemala/Honduras

Ruben.Schuster@kas.de +502 2380 5111 +502 2380 5115
Ansprechpartner

Dr. Sören Soika

Dr

Trainee im Auslandsbüro Uruguay

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Über diese Reihe

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