Veranstaltungsberichte

Einheitsdenkmal soll Demokratie erlebbar machen

Architekt weist Kritik an seinem Gewinnerentwurf zurück

Jetzt wird es also doch gebaut: Das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal vor dem neuen Stadtschloss in Berlin spaltet die Kritiker. Für die einen macht es Demokratie erlebbar. Für die anderen ist es banal und sogar gefährlich.

Es war ein langes Hin und Her. Fast 20 Jahre nach der ersten Initiative sprach Bundestagspräsident Professor Norbert Lammert Anfang Februar dieses Jahres ein Machtwort: Das Freiheits- und Einheitsdenkmal soll nun doch gebaut werden. Unions- und SPD-Fraktion im Bundestag korrigierten anschließend einen Beschluss des Haushaltsausschusses, der das etwa 15 Millionen Euro teure Vorhaben aus Kostengründen gestoppt hatte.

Zu banal, zu gefährlich sagen die Kritiker

Bis 2019 soll nun – so denn die Finanzierung geklärt ist – neben dem Stadtschloss in Berlins Mitte der vom Volksmund bereits als „Wippe“ bezeichnete 50 Meter lange Bau auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals fertig gestellt sein, also 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution.

Unterdessen will die von Beginn an laute Kritik an dem Entwurf von Milla und Partner, einer laut Selbstbeschreibung „Agentur für Kommunikation im Raum“, nicht verstummen. Im Gegenteil. Lauter denn je tönt es dieser Wochen in unterschiedlichen Medien, der Bau sei zu banal, zu groß, zu modern, zu unsicher. Und das sind nur die gängigsten und gemäßigten (Vor-?) Urteile.

Mehr über das Denkmal, die Idee dahinter und einen Testbau auf der Webseite von Milla und Partner.

Die Idee: Freude, Gemeinsamkeit, Veränderung

Ein Hintergrundgespräch der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung war daher für den Mit-Erdenker des Entwurfs, Architekt Sebastian Letz, eine gute Gelegenheit noch einmal erklärend auf die Debatte einzuwirken und überzeugend die zentralen Begriffe hinter der Idee darzulegen: Freude, Gemeinsamkeit und Veränderung. Besucher werden erleben, dass jeder in einer demokratischen Gesellschaft die Möglichkeit hat, sein Gewicht einzubringen und etwas zu bewegen. Was für eine wunderbare Allegorie.

“Das Denkmal ist sicher“

Über die Sicherheit und Barrierefreiheit sei „viel Falsches“ berichtet worden, beklagt sich Letz. Das Denkmal werde aber ohne Zweifel „für alle zugänglich, nutzbar und sicher“ sein. Die unter anderem von der FAZ skizzierten Probleme „gibt es schlichtweg nicht“. Zahlreiche Tests hätten zum Beispiel ergeben, dass die Schale trotz teilweise 20 prozentiger Steigung gut zu erklimmen sein wird. Der Belag, eine Art Rauputz, garantiere Standsicherheit, egal ob man nun barfüßig, mit Stöckelschuhen, Turnschuhen oder Rollstuhl unterwegs sei. Eine Umzäunung sowie ein zusätzlich angebrachtes Gitter um die Standfläche verhindere mögliche Quetschungen, wenn das Denkmal in Bewegung komme. „Selbst sedierten oder wahnsinnig voluminösen Menschen ist eine Selbstgefährdung dadurch nicht möglich“, so Letz, dem es ein spürbares Anliegen ist, sich von dem Begriff "Wippe" klar zu distanzieren. Eine Wippe würde sich schnell und abrupt bewegen. Beides treffe auf das Einheitsdenkmal nicht zu.

Eine "soziale Plastik"

Dennoch findet Letz die Diskussionen ganz normal und notwendig. Schließlich beschreite man mit dem Einheitsdenkmal man in Deutschland Neuland. Erinnerungskultur sei bis dato geprägt durch Scham und Trauer, nicht aber durch ein positives Ereignis. Statt einer „Kranzabwurfstelle“ sollen die Menschen Bestandteil des Denkmals sein und aktiviert werden. Letz spricht deswegen auch von einer „sozialen Plastik“, die den Besucher ins Zentrum stellt und nur dann zum Leben erweckt wird, wenn man sie sich zu eigen mache.

„Ich hoffe“, so Betz abschließend, „dass das Denkmal bis 2020 fertig gestellt ist“. Mit Blick auf andere Berliner Baustellen, kann man nur hoffen, dass das kein Freudscher Versprecher war.

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Berlin Deutschland