Veranstaltungsberichte

FORUM: “GRAN JORNADA DE REFLEXIÓN SOBRE VENEZUELA“POLITISCHE TRANSITION UND WIRTSCHAFTLICHER WIEDERAUFBAU MIT TAGESZEITUNG EL TIEMPO UND UNIVERSIDAD DEL ROSARIO

Die KAS Kolumbien hat gemeinsam mit der Universidad del Rosario und der Tageszeigung El Tiempo das Forum mit dem Titel “Gran Jornada de Reflexión sobre Venezuela: Transición política y reconstrucción económica“ (Große Konferenz zur Reflektion über Venezuela: Politische Transition und wirtschaftlicher Wiederaufbau) organisiert, das am 26. März 2019 im Auditorium Jockey Club der Universidad del Rosario stattfand. Dabei sollt über die Voraussetzungen für den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbau des Landes diskutiert werden.

Der Rektor der Universidad del Rosario, Alejandro Cheyne García, eröffnete die Konferenz. In seinen Grußworten betonte er, dass die Umsetzung des Friedensabkommens sowie die Situation mit der ELN und anderen kriminellen Vereinigungen von der politischen Transition in Venezuela abhängig seien. In diesem Zusammenhang kündigte Cheyne die Gründung einer “Cátedra de Venezuela“ als ständige akademische Einrichtung an. Anschließend stellte der Direktor von El Tiempo, Roberto Pombo die Frage wieviel Zeit die politische Transition in Anspruch nehmen könnte und was die heutigen Wähler im Nachbarland wohl denken.  

Der Repräsentant der KAS Kolumbien, Dr. Hubert Gehring bezeichnete die künftige Entwicklung in Venezuela als große Unbekannte. Unabhängig davon, ob demokratische und pluralistische Wahlen durchgeführt werden können, werde der Wiederaufbau des Landes in jedem Fall kompliziert und schmerzhaft sein und es sollten dabei auch andere Wirtschaftszweige als die Ölindustrie miteinbezogen werden.  

Im Anschluss betonte der kolumbianische Außenminister, Carlos Holmes Trujillo, dass nur durch eine Wiederherstellung der Demokratie die Regierbarkeit und das Funktionieren des venezolanischen Staates garantiert werden könnten. Dabei wies er auch darauf hin, dass „alles was Venezuela zerstöre, auch Auswirkungen auf Kolumbien habe, und alles was zum Wiederaufbau Venezuela beitrage, auch Kolumbien zugutekomme”. Daher sei die Rekonstruktion Venezuelas nicht nur eine Option in der außenpolitischen Agenda Kolumbiens. Trujillo hob weiterhin hervor, dass sich Kolumbien angesichts der Einwanderungswelle von der anderen Seite der Grenze immer legal, verantwortungsvoll und solidarisch verhalten habe. Abschließend äußerte er sich besorgt über die Anwesenheit russischer Militärflugzeuge, die in den letzten Wochen ohne Genehmigung der Nationalversammlung in Kolumbien gelandet seien.

Während des Forums wurde auch ein Video des venezolanischen Interimspräsidenten, Juan Guaidó präsentiert; darin betont er die Notwendigkeit, die Demokratie wiederherzustellen, um so wieder zu mehr Wohlstand in Venezuela beizutragen. Weiterhin müsse eine ausgewogenere Handelsbilanz erreicht und der Terrorismus bekämpft werden, wozu es einer organisierten Mehrheit in der Bevölkerung und der Wiedererlangung der Souveränität des Landes bedürfe.

Nach Ansicht des venezolanischen Botschafters in Kolumbien, Humberto Calderón Berti seien durch die Korruption staatliche Institutionen und zahlreiche Wirtschaftszweige Venezuelas zerstört worden. Der Agrarsektor existiere praktisch nicht mehr und die Elektrobranche sowie die gesamte Industrie stagnierten im Moment. Für Calderón müsse im Zuge eines politischen Übergangsprozesses gerade in diese Wirtschaftszweige investiert werden. Weiterhin bezog er sich auf die ethischen und moralischen Schäden, die das Regime seinen Bürgern zugefügt habe, sowohl durch Korruption als auch durch das negative Vorbild, das es der Bevölkerung gebe; im Moment sei Venezuela ein Land ohne Gesetz und staatliche Institutionen.

Am folgenden Panel zum Thema “Politische Transition in Venezuela” nahmen teil der ehemalige kolumbianische Außenminister und Dekan der Fakultät für Politikwissenschaft, Regierung und Internationale Beziehungen der Universidad del Rosario, Londoño Paredes sowie die Vizedekanin dieser Fakultät und Direktorin des Observatoriums für Venezuela, Francesca Ramos. Man diskutierte über das Verhältnis des Regimes von Nicolás Maduro zu Ländern wie Russland, China und Iran sowie mögliche Szenarien einer politischen Transition und eines wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Eine Möglichkeit sei die Vorherrschaft des Militärs, was eine wirkliche Transition erschweren würde. Eine zweite Möglichkeit sei ein Übergang auf Verhandlungsbasis und eine dritte, der totale Zusammenbruch des venezolanischen Staates.

Im Panel zum Thema “Wirtschaftliche Rekonstruktion”, diskutierten der ehemalige kolumbianische Finanzminister Guillermo Perry; der Repräsentant des Interimspräsidenten Guaidó für den Plan País, Javier Rodríguez; der Entsandte der Delegation der Europäischen Union in Kolumbien, Antonio García sowie der ehemalige kolumbianische Botschafter in Venezuela, Ricardo Lozano. Zunächst wurde erklärt, dass mit Hilfe des Plan País die Hyperinflation und die Verschuldung Venezuelas gestoppt und indirekte Subventionen in direkte Unterstützung umgewandelt werden sollten. Man diskutierte die Frage, wie das Produktionssystem durch mehr Kooperation wiederaufgebaut werden könne und betonte die Bedeutung des Privatsektors und der Arbeitgeberverbände in diesem Prozess. Auch wurde die Notwendigkeit betont, die Rückkehr qualifizierter Fachkräfte nach Venezuela zu fördern, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Abschließend wurde auch darauf hingewiesen, dass Kolumbien von neuen Investitionen in Infrastruktur, öffentliche Dienste, Nahrungsmittelversorgung und Konsumgüter profitieren könne.

Teilnehmer des Panels zum Thema “Erdöl als Grundlage für den Wiederaufbau Venezuelas” waren der Botschafter Venezuelas in Kolumbien, Humberto Calderón Berti und der Präsident der Asociación Colombiana de Petróleo (Kolumbianische Erdölgesellschaft), Francisco José Lloreda; moderiert wurde das Panel vom Herausgeber der Wirtschaftszeitung Portafolio, Edmer Tovar. Man diskutierte darüber, welchen Weg Venezuela und die dortige staatliche Erdölgesellschaft PDVSA einschlagen sollten. Calderón erklärte, dass die Raffinerien in Venezuela momentan nur mit 25% ihrer Kapazitäten arbeiten und dass die PDVSA nie wieder ihre frühere Bedeutung erlangen werde. Auch betonte man die Notwendigkeit eines Gesetzes, das eine Partizipation des Erdölsektors auf nationaler und internationaler Ebene sowie die Privatisierung der PDVSA regele.

Margarita López Maya, Historikerin mit Promotion in Sozialwissenschaften der Universidad Central de Venezuela, hielt einen Vortrag über die Rolle der Militärs in einer möglichen demokratischen Transition. Dabei müssten sowohl zivile als auch militärischer Kräfte in einer Übergangsphase integriert werden. Bei einer Verhandlungslösung sei die Rolle der Militärs entscheidend für die Effizienz des Prozesses. Das Forum schloss mit einem Vortrag des Direktors der Kolumbianisch-Venezolanischen Handelskammer, Germán Umaña, der die Rolle Kolumbiens bei der Stabilisierung Venezuelas auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung aus volkswirtschaftlicher Sicht analysierte. Voraussetzung sei eine gesetzliche Regelung der Wirtschaft und der Investionen, damit die Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen, die Produktivität und der Erdölsektor wiederhergestellt werden können.

El evento contó con una amplia cobertura en los medios de comunicación, a continuación, están los hipervínculos de algunas de las noticias:

https://www.eltiempo.com/politica/gobierno/cual-es-la-realidad-de-venezuela-luego-de-la-presion-diplomatica-341728

https://www.efe.com/efe/america/politica/colombia-considera-una-incursion-militar-la-llegada-de-soldados-rusos-a-venezuela/20000035-3935511

https://www.efe.com/efe/america/politica/embajador-de-guaido-en-bogota-ve-riesgo-que-rusia-instale-bases-su-pais/20000035-3935511

https://www.portafolio.co/internacional/universidad-del-rosario-creo-catedra-sobre-venezuela-527836

https://www.elespectador.com/noticias/el-mundo/los-aviones-rusos-en-venezuela-son-una-incursion-militar-canciller-colombiano-articulo-846919

https://www.cancilleria.gov.co/newsroom/news/situacion-venezuela-no-solo-asunto-politica-exterior-tiene-ver-multiples-aspectos

http://www.redmas.com.co/politica/venezuela-una-mafiocracia-canciller-colombiano/

https://www.portafolio.co/internacional/la-respuesta-de-colombia-a-la-situacion-de-venezuela-ha-sido-la-solidaridad-527837

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