Veranstaltungsberichte

Globale Gasmärkte im Wandel

von Peter Hefele
Internationaler Workshop
KAS RECAP veranstaltete einen internationalen Workshop zur Zukunft des globalen Gasmarkts gemeinsam mit dem Europäischen Zentrum für Energie- und Ressourcensicherheit (EUCERS), London, dem Institut für Energiestudien (ESI), Singapur und dem Atlantic Council, Washington.

Das Gravitationszentrum der globalen Erdgasmärkte bewegt sich nach Osten. Die Asien und der pazifische Raum haben Europa bei den Gasimporten bereits überholt. Die "Revolution" der Schiefergas-Förderung in den Vereinigten Staaten hat ebenfalls zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der globalen Energielandschaft beigetragen. Was bedeutet das für Entscheidungsträger in Energiepolitik und Wirtschaft? Müssen wir strukturelle Änderungen in Energieangebot und -nachfrage, nicht zuletzt wegen technologischer Durchbrüche, erwarten? Wie wird Asiens und Europas Rolle in einem zukünftigen globalen Energiesystem aussehen?

Für seine erste internationale Konferenz in Singapur kooperierte KAS RECAP mit dem Europäischen Zentrum für Energie- und Ressourcensicherheit (EUCERS) London, dem Institut für Energiestudien (ESI) Singapur und dem Altlantischen Rat (Atlantic Council) Washington - alle langjährige und renommierte Partner der KAS in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten. Teilnehmer aus Gasindustrie, Politik und dem akademischen Bereich schufen eine Plattform auf hochrangiger Ebene für den Austausch von Ideen zu den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der zukünftigen Gasmärkte.

Die Diskussion machte deutlich, dass Gasmärkte in mittel- bis langfristiger Perspektive großen Unsicherheiten gegenüberstehen. Wegen steigender Investitionen der Energieeffizienz, geringerer Nutzung fossiler Energiequellen und ambitionierten Klimaschutzprojekten wird sich Europas Bedarf an Erdgas wahrscheinlich in Zukunft verringern. Trotz erheblicher Bemühungen, seine Energiequellen zu diversifizieren, wird Russland der Hauptgasanbieter für Europa bleiben. Da Lagerkapazitäten die Engstelle für eine Steigerung der Nutzung erneuerbarer Energien bleiben, könnte die Umwandlung elektrischer Energie, etwa aus Wind und Sonne, in Gas eine praktikable Option werden.

Die meisten Teilnehmer stimmten überein, dass sich Gas zu einer wichtigen Energiequelle für asiatische Länder entwickeln wird. In der Region werden neue Hubs entstehen und asiatische Märkte werden eine bedeutende Rolle in zukünftigen, vom Ölmarkt abgekoppelten Preisgestaltungsmechanismen innehaben. Im Hinblick auf Sicherheit wurden Vor- und Nachteile eines steigenden Beitrags von Gas zum Energiemix erörtert. Denn seegebundene Gastransportwege sind zwar flexibler, aber auch erheblichen Sicherheitsrisiken, etwa maritimen Terrorismus, ausgesetzt. Deshalb werden auch landgebundene Pipelines in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Aufgrund der Vorteile, die etablierte LNG-Lieferanten wie Qatar genießen, und dem vergleichsweise niedrigen Marktpreis von Flüssiggas, werden neue potenzielle Hersteller wie Australien oder Iran in mittelfristiger Perspektive keine bedeutende Rolle spielen. Investoren werden deshalb gegenüber weiteren Investitionen zurückhaltend bleiben. In Bezug auf Maßnahmen gegen den Klimawandel sollte der Beitrag von LNG nicht überschätzt werden, da Kohle die Hauptquelle für Primärenergie in Asien in den kommenden Jahrzehnten bleiben wird.

EUCERS und KAS werden in den kommenden Monaten ausführlichere Politikempfehlungen formulieren. Alle Partner kamen überein, die Analyse für andere Energiemärkte weiterzuführen. Die nächste gemeinsame Konferenz wird Anfang Mai 2016 in Seoul/Südkorea stattfinden und sich mit der Zukunft von Kohle und Kernkraft befassen.

Ansprechpartner

Dr. Peter Hefele

Dr

Leiter des Regionalprojekts Energiesicherheit und Klimawandel Asien-Pazifik

peter.hefele@kas.de +852 28822245 +852 28828515

Über diese Reihe

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