Veranstaltungsberichte

Youth Dialogue 2019

Stand Up for Human Rights

Am 8. Juni 2019 veranstalteten die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), das Centre for Constitutional Rights (CFCR) und The Justice Desk gemeinsam eine interaktive Bildungsveranstaltung zum Kennenlernen der Verfassungsrechte.

Die Veranstaltung ist Teil eines jährlichen Jugend-Dialogs - in diesem Jahr stand der Aktivismus für Menschenrechte und die Stimme der Jugend im Mittelpunkt.

Christine Botha, die Direktorin des Centre for Constitutional Rights, begrüßte das Publikum, welches aus freiwilligen Schülern zehn Schulen in und um Kapstadt bestand aus verschiedenen Kultur-und Einkommensklassen. Sie begann mit der Vorstellung der Arbeit des CFCR. Das Centre überwacht Geschehen, die sich auf die Verfassung auswirken könnten, und veröffentlicht wöchentlich Texte zu verschiedenen Themen. Es beteiligt sich auch an Fallstudien oder reicht Submission gegen Verfassungsbrüche im Parlament ein. Mit der Ausrichtung des Jugenddialogs möchte das CFCR einen Beitrag zur Bildung aktiver Bürger leisten und den Jugendlichen eine Plattform bieten, auf der sie ihrer Stimme Gehör verschaffen können. Um den Einfluss der Stimme der Jugend zu veranschaulichen, zeigte Botha anschließend einen Videoclip über die Schüler-Bewegung „March for Our Lives“. Die Bewegung wurde nach einer Schießerei an einer Schule in Florida gegründet und protestiert gegen Waffengewalt in den Vereinigten Staaten. Für ihre Bemühungen wurde sie mit dem Internationalen Kinderfriedenspreis 2018 ausgezeichnet.

Als nächstes sprach Christiaan Endres, Projektleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, eine Begrüßung aus. Er erläuterte die Arbeit der KAS und ihre Rolle bei dieser Veranstaltung. Dabei knüpfte er an die deutsche Geschichte und stellte dar, wie die schrecklichen Erfahrungen des Holocaust in Deutschland den Wunsch geweckt habe, die Werte der Verfassung und die Menschenwürde in der ganzen Welt zu fördern, um zu verhindern, dass eine solche Katastrophe jemals wieder vorkommt. Endres ging außerdem auf den Übergang Südafrikas von einer parlamentarischen Demokratie zu einer konstitutionellen Demokratie ein und erklärte die Unterschiede. Er beendete seine Begrüßung, indem er die Bedeutung der Stimme der Jugend hinwies, da das Eintreten für Werte darf nicht nur auf Erwachsene beschränkt sein.

Nachdem Ignatius France von The Justice Desk das Publikum durchgemischt hatte, um sicherzustellen, dass es nicht mehr nach Schulen sortiert war, erläuterte er die Arbeit seiner Organisation. Der Desk arbeitet international, unter anderem in Sambia, Simbabwe und Südafrika. Ihr Ziel ist es, die Menschen mit Wissen über Menschenrechte auszustatten, denn die Existenz verfassungsrechtliche Begebenheiten garantiert nicht unbedingt die Möglichkeit des Zugangs zu diesen Rechten.

Anschließend involvierte France das Publikum, indem er simple Fragen zum Thema, wie: „Was ist ein Mensch?“, „Was ist ein Menschenrecht?“, „Was ist soziale Ungerechtigkeit?“ und „Was sind Menschenrechtsverletzungen?“ stellte. Als nächstes erklärte er entscheidende, aber oft nicht erkannte Unterschiede zwischen Aktionen, die von a) Wohltätigkeit und b) sozialer Gerechtigkeit getrieben werden. Wohltätigkeit ist persönlich, individuell, unmittelbar, unbeständig und repräsentiert eine Machtbeziehung zwischen dem Geber und dem Empfänger. Im Gegensatz dazu ist soziale Gerechtigkeit systemisch, öffentlich, langsam, dauerhafter und stellt einen unpersönlichen, aber alles durchdringenden Gesellschaftsvertrag dar. France kam zu dem Ergebnis, dass Wohltätigkeit wichtig sei, aber dass Aktivismus sich um soziale Gerechtigkeit und nicht um Wohltätigkeit dreht. Viele aufschlussreiche Beiträge des äußerst engagierten und gut informierten Publikums lösten im Folgenden einige tiefe Überlegungen zu den Fragen aus.

Die nächste Rednerin, Kayla Brittain, die Operations Managerin des Justice Desk, stellte einige praktische Möglichkeiten vor, wie sich die Zuhörer für die Menschenrechte einsetzen können. Sie stellte ihr Verständnis vor, was es bedeutet, Aktivist zu sein. Ihr erster Punkt war, dass Aktivismus normalerweise als wütende oder sogar gewalttätige Demonstration und Protest missverstanden wird.

Ein erfolgreicher Aktivismus wird in ihrem Verständnis jedoch nicht durch Wut, sondern durch Leidenschaft bestimmt. Angesichts der vielen Missstände auf der Welt ist es die Leidenschaft, die es einem ermöglicht, seine Anstrengungen aufrechtzuerhalten und zu fokussieren. Anstelle einer Demonstration oder eines Marsches ist erfolgreicher Aktivismus durch Planung, vor und nach einer Demonstration gekennzeichnet. Um die Lösung eines Problems zu bewirken, ist lange, oft anonyme Arbeit erforderlich, die einen präzisen und kontinuierlichen Druck auf die Problemstellung gewährleisten.

Brittain erklärte, dass Aktivismus auch ein Art Abstimmen ist. Abstimmungen sind nicht nur alle fünf Jahre bei den Wahlen möglich, sie finden jeden Tag in unserem normalen Leben statt. Sie glaubt, dass wir bei jeder Handlung entweder für oder gegen etwas stimmen. Das bedeutet, dass wir die Sprache, die wir verwenden, die Produkte, die wir konsumieren und unser tägliches Verhalten hinterfragen müssen, um sicherzustellen, dass unser Handeln mit unseren Überzeugungen und Moralvorstellungen übereinstimmt. Soziale und politische Veränderungen vollziehen sich in kumulativen kleinen Verhaltensänderungen. Brittan beendete ihre Rede mit einem Zitat von Malcolm Bane:

“If you wait

until you can do everything for everybody

instead of something for somebody,

you’ll end up

not doing anything for anybody”.

Anschließend organisierten Brittain und France ein Quizspiel für die Schüler, in dem das Publikum bemerkenswerte Kenntnisse in den Bereichen Menschenrechte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kinderrechte und soziale Gerechtigkeit zeigte.

Der letzte Sprecher des Nachmittags war Thembalethu Seyisi, ein LLB-Student der Universität Stellenbosch. Als junger Mensch konnte er die Rolle der Jugend in Südafrika aus einer anderen Perspektive betrachten. Er erklärte, dass es im Land schwerwiegende Probleme in Bezug auf Ungleichheit, Jugendarbeitslosigkeit und Diskriminierung gibt. Dabei ist er jedoch der Ansicht, dass die Jugend dazu beitragen kann, diese Probleme zu ändern und zu lösen. Dies veranschaulichte er mit einem Beispiel, in welchem er selbst in der Lage war eine Submission gegen einen Verstoß der Verfassung erfolgreich an das Parlament zu reichen. Er glaubt, dass die Jugend von 2019 heute vor ähnlichen Herausforderungen wie von 1976 steht. Der Kampf um Bildung wurde zum Kampf um freie Bildung und der Kampf um Gleichberechtigung, ist heute der Kampf um Geschlechtergleichheit. Es ist deshalb wichtig, dass diese Jugend teilnimmt. Dass sie Probleme in ihren Gemeinden identifizieren, dass sie wählen gehen oder dass sie protestieren.

Rebecca Sibanda vom CFCR beendete die Veranstaltung mit einem Dank an die Partner und dem Publikum für ihre engagierte Teilnahme.

 

Ansprechpartner

Christiaan Endres

Christiaan Endres

Programmbeauftragter (Büro Kapstadt)

Christiaan.Endres@kas.de +27 (21) 422 1796 +27 (0) 21 422 1733

Über diese Reihe

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