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„Demokratie lebt davon, dass sich alle engagieren“

von Helge Fuhst

Interview mit dem Stiftungsvorsitzenden Prof. Dr. Bernhard Vogel

Am Rande der Alumni-Jahrestagung 2007 der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hannover hat der Stiftungsvorsitzende Prof. Bernhard Vogel in einem Interview zu mehr bürgerlichem Engagement aufgerufen.

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Was macht Ihnen am meisten Spaß an der Arbeit als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung?

Prof. Bernhard Vogel: Am meisten Spaß macht mir, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung die Aufgabe hat, darüber zu wachen, dass die Idee der christlichen Demokratie zeitgerecht neu ausgesagt wird, sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch und in allen anderen Arbeitsbereichen der Stiftung.

Welche jungen Menschen möchten Sie als Stipendiaten in der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert sehen?

Prof. Bernhard Vogel: Als Stipendiaten möchte ich Leute, die erstens einen guten Schulabschluss vorweisen können. Zweitens: Leute, die sich sozial engagiert haben, die zeigen, dass sie Interesse für ihre Mitbürger und ihre Umwelt haben. Und drittens Leute, die grundsätzlich bereit sind, sich auch politisch zu engagieren.

Was bringt jungen Menschen ein solches Stipendium?

Prof. Bernhard Vogel: Ein erfolgreicher Adenauer-Stipendiat hat bei allen Bewerbungen, die er während seines Lebens einreicht, ein Gütestempel, der ihm nützt. Zweitens, man erkennt daraus, dass er sich eine eigene Auffassung und Position erworben hat und sich zu dem, was mit dem Namen Adenauer verbunden ist, bekennt. Und drittens, dass er zu dem ganz, ganz kleinen Prozentsatz von Studenten gehört, die in ein solches Förderprogramm aufgenommen worden sind. Das sind zurzeit noch weniger als ein Prozent aller Studenten, die in eines der elf Förderwerke aufgenommen wurden. Und das ist in der Tat eine Hervorhebung.

In Ihrem Buch „Deutschland aus der Vogel Perspektive“ rufen Sie die junge Generation dazu auf, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Haben sich früher mehr Menschen aktiv an unserem Alltag beteiligt?

Prof. Bernhard Vogel: Es gibt zu wenige Menschen, die sich aktiv beteiligen. Aber das war früher nicht anders. Eine Demokratie lebt davon, dass sich alle engagieren. Ich habe dazu in meinem Buch aber nicht aufgerufen, um zu sagen, früher war alles besser, sondern um ausdrücklich Mut zu machen, sich in die Gesellschaft einzubringen! Mein Bruder und ich finden nach einem langen Leben in der Politik, es hat sich gelohnt und es lohnt sich auch in Zukunft sich zu engagieren.

Die sinkenden Mitgliederzahlen der Parteien sind aber erschreckend. Wieso ist es heute so unattraktiv, sich in einer Partei zu engagieren?

Prof. Bernhard Vogel: Natürlich ist es hoch bedauerlich, dass die Mitgliederzahlen aller Parteien gegenwärtig rückläufig sind. Aber dennoch hat die CDU heute noch mehr als doppelt so viele Mitglieder als zu Amtsantritt Helmut Kohls als Parteivorsitzender. Wir beobachten aber jetzt eine gewisse Zurückhaltung vor allem junger Menschen, sich in eine festere Bindung zu begeben. Auch die Mitgliederzahlen vieler Verbände und Vereine nehmen drastisch ab, sogar die Kirchen verzeichnen einen Rückgang an Mitgliedern. Wir haben eine Tendenz zur Individualisierung. Das geht an den Parteien leider nicht ganz ohne Schaden vorbei, aber das muss nicht so bleiben.

Auch die CDU verliert Mitglieder. Ist die Union zu altmodisch?

Prof. Bernhard Vogel: Nein, im Gegenteil! Denn ich beobachte in letzter Zeit eher eine Zuwendung der jungen Generation zu konservativen Überlegungen. Doch die Tatsache, sich nicht frühzeitig eng binden zu wollen, die muss auch die CDU berücksichtigen.

Heute gibt es dafür immer mehr zeitlich begrenzte Bürgerinitiativen. Brauchen wir trotzdem noch Parteien?

Prof. Bernhard Vogel: Ja, vor allem, weil die meisten Bürgerinitiativen gegründet werden, um etwas abzuwehren. Die wenigsten Bürgerinitiativen werden gegründet, um etwas zu bewegen.

Ihr Bruder, Hans-Jochen Vogel (SPD), erkennt in Ludwig Erhards Wirtschaftspolitik mit der Union im Rückblick eine mutige Politik. Wer ist Ihr Lieblingspolitiker in der SPD?

Prof. Bernhard Vogel: Ich glaube nicht, dass mein Bruder Ludwig Erhard als seinen Lieblings-CDU-Mann bezeichnet, sondern er lässt ihm nur faire Gerechtigkeit widerfahren, und das verdient hohe Anerkennung. Ich kann ähnliches über Johannes Rau sagen, mit dem ich viele Jahre zusammen in der Politik tätig war. Ich habe ihn menschlich wie in mehreren politischen Bereichen schätzen gelernt. Ich würde Johannes Rau nicht zu meinem Lieblingssozialdemokraten ernennen, aber zu einem der Politiker in einer anderen Partei, dem ich großen Respekt entgegenbringe.

Können Sie leichter SPD-Ansichten verstehen als die meisten CDU-Politiker aufgrund Ihrer Nähe zu Ihrem Bruder?

Prof. Bernhard Vogel: Nein, denn ich habe mich ja nie in die Irrungen und Wirrungen der internen Gänge der Sozialdemokratie begeben. Ich kann lediglich sagen, meine Überzeugung, dass sich mein Bruder in der falschen Partei engagiert hat, ist gepaart mit Hochachtung, dass er sich dort sehr achtenswert geschlagen und seine Aufgaben immer pflichtbewusst erfüllt hat.

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