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„Verführung“

von Prof. Dr. Michael Braun

KAS-Altstipendiat Andreas Maier schreibt über Thomas Bernhard

Maiers Lesart der Bernhard’schen Prosa ist bisweilen polemisch, aber exakt. Das Buch, mit dem der Autor promovierte, leistet einen hochinteressanten Beitrag zur Entzauberung des Bildes vom unnahbaren Grenzgänger, skandalumwitterten Wahrheitsfanatiker und „Übertreibungskünstler“ (W. Schmidt-Dengler) und dürfte auch außerhalb der Fachwelt für einigen Diskussionsstoff sorgen.

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Wenn Autoren sich mit Autoren befassen, ist das in der Regel eine Begegnung von besonderem Reiz. So auch in dem Buch Die Verführung des KAS-Altstipendiaten Andreas Maier über Thomas Bernhard.

Maier, der schon in seinen ersten Romanen, Wäldchestag (2000) und Klausen (2002), ironisch und virtuos mit der Sprache und den Motiven Thomas Bernhards gespielt hat, ohne dem Vorbild allzusehr verhaftet zu bleiben, wartet mit einer frappierenden These auf. Bernhards Prosa, so der Autor, verspricht radikale Wahrheitssuche, praktiziert aber permanente Verstellung als Stilprinzip. Minutiös werden die rhetorischen und kompositorischen Strukturen herausgearbeitet, mit denen Thomas Bernhard in seinen Autobiographien und Romanen (von Frost bis Alte Meister) auf ebenso perfekte wie einfache Art den Leser dazu bringt, seinem Werk und seiner Person genau die Bedeutung zuzuschreiben, die er sich zugeschrieben haben wollte: beim Äußersten und Nicht-mehr-Hintergehbaren angekommen zu sein. Der Leser von Bernhards Prosa, schließt Maier, „schaut einer Riege von Figuren zu, die sich dauernd selbst applaudieret .... Sie beglaubigen sich voreinander ständig darin, die größten Mühen und die größten Kämpfe auf sich zu nehmen im unablässigen Kampf um das Höchste. Das ist der rhetorische Kern dieser Texte“. So wird die an Bernhards Büchern oft gerühmte Verführung zum Lesen zur Verführung des Lesers – im doppelten Sinne.

Maiers Lesart der Bernhard’schen Prosa ist bisweilen polemisch, aber exakt. Das Buch, mit dem der Autor promovierte, leistet einen hochinteressanten Beitrag zur Entzauberung des Bildes vom unnahbaren Grenzgänger, skandalumwitterten Wahrheitsfanatiker und „Übertreibungskünstler“ (W. Schmidt-Dengler) und dürfte auch außerhalb der Fachwelt für einigen Diskussionsstoff sorgen.

Michael Braun

Andreas Maier: Die Verführung. Thomas Bernhards Prosa

Göttingen: Wallstein Verlag, 2004

320 Seiten, brosch. 19,- EURO / sFr 34,40

Internet-Links:

http://www.wallstein-verlag.de/Gesamt.html (Biographie und Werke)

www.suhrkamp.de/autoren/maier/laudatio.htm (Laudatio von Ulrich Greiner zum Brentano-Preis)

www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5350 (Rezension von Anette Müller zur Hörbuchfassung des Romans „Klausen“ bei Literaturkritik.de Nr. 10 / Oktober 2002)

www.perlentaucher.de/buch/9757.html (Rezensionsüberblick „Klausen“)

www.zeit.de/2003/03/L-Konjunktiv (Andreas Maier in der „Zeit“ Nr. 3/2003 über den Konjunktiv)

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