Als unabhängiger Abgeordneter sitzt Bender heute im Parlament in Bagdad. Von dort reiste er zu politischen Gesprächen nach Berlin und war zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, um über den aktuellen Stand der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung im Irak zu berichten.
Im Fokus des christlichen Abgeordneten stehen die Probleme der geschätzten 500.000 irakischen Christen. Zwar gibt es nicht nur die eng miteinander kooperierenden christlichen Parlamentarier, die sich aktiv zum Wohle der irakischen Nation engagieren, sondern auch einen christlichen Minister, Sargon Lazon Sliwah, der als Mitglied der Assyrischen Demokratischen Bewegung auf der Nationalen Rafidain Liste gewählt wurde und das Umweltressort leitet, aber die allgemeine Lage beurteilt Luis Bender nach wie vor schlecht: „Meinen Sohn, der zurzeit in Schweden ist, rate ich, hier zu bleiben, aber er will wieder in den Irak zurückkehren.“
Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage begrüßt Bender es auch, dass sich Europa, insbesondere Frankreich und Deutschland, zur Aufnahme irakischer Flüchtlinge, darunter auch viele Christen, bereit gefunden haben. Weitere Unterstützung erhofft er sich von Europa in der Frage der Vertriebenen, die teilweise aus Sicherheitsgründen nicht mehr in ihre angestammten Wohngebiete im Irak zurückkehren können. Die Lage hat sich teilweise für die Christen dramatisch verschlechtert, auch wenn die irakische Regierung den Schutz der christlichen Gemeinden und Kirchen in letzter Zeit intensiviert hat. Dennoch ist es an vielen Orten nicht mehr möglich, den christlichen Glauben öffentlich zu leben und Kirchen zu besuchen. Viele Kirchen wurden überdies bei Anschlägen zerstört. Als innerirakische Fluchtalternative, insbesondere für Christen aus der Region Mossul, hat sich die Ninive-Ebene in der Kurdenregion etabliert. Doch viele Christen aus anderen Teilen des Irak möchten von einer Schutzzone, wie sie insbesondere in den letzten Monaten diskutiert wurde, nichts wissen: „Sie möchten ihre Häuser, ihre Arbeit, ihre Gemeinden in Bagdad und anderswo nicht verlassen“, sagt Bender.
Einen Gouverneur eigens für die stärker christlich geprägten Dörfer kann sich der Abgeordnete in der Region Kurdistan aber durchaus vorstellen. Heute gibt es dort bereits ein Gebiet bei Erbil, in dem Häuser und Grundstücke nur an Christen verkauft werden dürfen. Lobend äußert sich Bender über die kurdische Führung. Insbesondere sein Verhältnis zu Barzani ist sehr gut. Aufgrund der Schwäche der christlichen Parteien und der laut Bender oft fehlenden Bereitschaft der Christen, sich in Parteien zu organisieren, ist die Rolle der Kirchen immer noch von besonderer Bedeutung: „Die Menschen gehen zuerst in die Kirche. Die Kirchen müssen daher die Aufgabe übernehmen, die Christen zusammen zu bringen.“
Vor diesem Hintergrund hat die Konrad-Adenauer-Stiftung im Frühjahr 2011 ihre Arbeit im Irak vorangebracht. Gespräche mit der Assyrischen Frauen Organisation, die unter anderem in Kirkuk, Basra und Erbil tätig ist, haben dabei gezeigt, so der von Amman aus für den Irak zuständige Auslandsmitarbeiter Dr. Martin Beck, dass man nicht nur an einer Zusammenarbeit mit der KAS im Bereich der Frauen- und Minderheitenrechte interessiert ist, sondern auch an möglichen Maßnahmen, die dem Exodus der Christen aus dem Irak entgegen wirken.