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Einzeltitel

Klimaschutz und Energieeffizienz

von Dr. Hartmut Grewe

Gegensätzliche Antworten auf das „Energiepaket“ der EU

Frankreich kann dank des hohen Anteils an Atomenergie die ehrgeizigen Klimaschutzzieleschon heute sehr viel leichter erreichen als Deutschland mit seinemhohen Anteil an Stromerzeugung aus Kohle. Da Kohlekraftwerke weltweit den Löwenanteilan der Energieproduktion haben, kommt es auf die Forcierung klimaschonenderTechnologien an. Mit gemeinsamem europäischen Handeln ist vorerst nicht zu rechnen.

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Die Beschlüsse des Europäischen Rates der

Staats- und Regierungschefs vom 9. März 2007

zur Klima- und Energiesicherheit müssen nun

von den nationalen Regierungen zügig umgesetzt

werden. In Deutschland fand nach einer Reihe

von Energiegipfeln im Kanzleramt am 23. und 24.

August 2007 eine Klausurtagung des Kabinetts in

Schloss Meseberg (in der Nähe von Berlin) statt,

die sich mit dem Thema beschäftigte und ein Maßnahmenpaket

verabschiedete. Frankreich überraschte

nach dem Regierungswechsel mit einem

mehrmonatigen Dialogprozess, genannt „Grenelle

de l’Environnement“, der am 24. Oktober mit

einem spektakulären Umweltgipfel in Paris abgeschlossen

wurde. Nun gilt es, die politischen Absichtserklärungen

in Form von Gesetzen und Verordnungen

den nationalen Parlamenten zur Beschlussfassung

vorzulegen. Auch auf internationaler

Ebene wollen beide Regierungen in einer

selbst gewählten Vorreiterrolle „Flagge zeigen“

und für einen globalen Klimaschutz werben.

Europäische Energiepolitik?

Die europäische Handlungsebene war über viele

Jahrzehnte wenig relevant für die nationale Energiepolitik,

obwohl die Anfangsjahre der Europäischen

Gemeinschaft in starkem Maße durch Institutionen

wie die Montanunion (für Kohle und

Stahl) und Euratom (zur Förderung der Kernenergie)

geprägt waren. Das hat sich erst Mitte der

1990er Jahre nach den dramatischen Umbrüchen

in der Weltpolitik (Mauerfall, Wiedervereinigung

Deutschlands und Zusammenbruch des sowjetischen

Imperiums) und der sich dadurch beschleunigenden

Prozesse von Globalisierung und Liberalisierung

verändert. Die Europäische Kommission

ergriff im Rahmen der Binnenmarktentwicklung

die Initiative zur Öffnung der Energiemärkte

für Strom und Gas, mit unvorhersehbaren Konsequenzen.

Die nationalen, staatlich protegierten

Versorgungsmonopole gerieten ins Wanken, doch

statt zu einem vermehrten zwischenstaatlichen

Wettbewerb von Energieanbietern und zu fallenden

Energiepreisen kam es zu einer Welle von Unternehmensfusionen

und steigenden Preisen für

Strom und Gas. Die Energiekonzerne stellten sich

auf nationaler und europäischer Ebene neu auf,

um den jetzt expandierten gemeinsamen Markt

besser bedienen zu können und Profite zu machen.

In Deutschland spricht man bei den vier großen

Energieversorgern (E.ON, RWE, EnBW und

Vattenfall) von einem Anbieter-Oligopol, das mit

rund 80 Prozent Anteil bei der Stromerzeugung

und einem Monopol bei der Stromverteilung über

eigene Netze den Markt beherrscht und in abgesteckten

Versorgungsgebieten unter sich aufgeteilt

hat. Das hat Konsequenzen für den Wettbewerb

und die Preisgestaltung, was zu heftigen Kontroversen auf nationaler und europäischer Ebene geführt

hat. Die auf Druck von Brüssel gegründete

Bundesnetz-Agentur als nationale Kontrollbehörde

für den geregelten Netzzugang und die Höhe

der Netzgebühren für andere Anbieter von Strom

und Gas sowie die Forderung der Kommission

nach einer eigentumsrechtlichen Trennung von

Erzeugung und Vertrieb („ownership unbundling“)

sind Ausdruck dafür. Die Bundesregierung

widersetzt sich bislang diesem Begehren aus Brüssel,

erwägt aber monopolrechtliche Schritte gegen

die Energiekonzerne, um die galoppierenden

Energiepreise auch nach Aufhebung der staatlichen

Preiskontrollen in den Griff zu bekommen.

In Frankreich ticken die Uhren etwas anders als

in Deutschland, vielleicht auch nur langsamer.

Die staatlichen Energiekonzerne, der Strommonopolist

Electricité de France (EDF) und die Gasversorger

Gaz de France und Suez, stehen zwar am

Anfang einer Privatisierung, werden

aber weiterhin vom französischen

Staat protegiert und unter

seiner Ägide zu nationalen „Champions“

fusioniert. Mit der erst kürzlich

verkündeten Fusion von beiden

Gaskonzernen soll ein Gegengewicht

zum russischen Energieriesen Gazprom

geschaffen werden. Staatspräsident Sarkozy führt

damit die industriepolitische Tradition seiner Vorgänger

Mitterrand und Chirac fort. Der Staat wird

am neuen Unternehmen 35 Prozent der Aktien

halten. Damit ist das Land zwar beim Einkauf von

Rohstoffen gut positioniert, aber für den innereuropäischen

Wettbewerb verheißt diese Entwicklung

wenig Gutes. Ob Europa künftig in der Energieaußenpolitik

mit einer Stimme sprechen und

gemeinsam auftreten wird, wie von der Kommission

und dem Europäischen Parlament gefordert

wurde, ist angesichts vieler nationaler Alleingänge

in diesem Feld fraglich. Auch das in Planung befindliche

deutsch-russische Projekt einer Gaspipeline

durch die Ostsee wird in den neuen Mitgliedstaaten

der EU in Osteuropa, vor allem in Polen

und den baltischen Staaten, kritisch gesehen.

Inzwischen haben sich aber auch andere europäische

Partner aus den Niederlanden und Großbritannien

dem Konsortium angeschlossen.

Die Frage des Energiemixes ist nach der Beschlusslage

in Brüssel weiterhin den nationalen Regierungen

überlassen. Jedes Land kann selbst bestimmen,

welche Energieträger es zur eigenen Energieversorgung

einsetzen will. Insbesondere die Rolle

der Kernenergie ist dabei umstritten, und Deutschlands

mittelfristiger Ausstieg aus dieser Technologie

wird von der Mehrzahl der europäischen

Nachbarn nicht verstanden und nicht gutgeheißen.

Sowohl die Kommission als auch das Europäische

Parlament haben sich für eine Beibehaltung

dieser CO2-freien, energiepolitischen

Option ausgesprochen, gerade vor dem Hintergrund

der aktuellen klimapolitischen Erfordernisse.

Die französische Haltung unterscheidet sich

hier fundamental und steht in krassem Widerspruch

zur deutschen Beschlusslage. Beim westlichen

Nachbarn spielt die Kernenergie eine herausragende

Rolle, und in Politik und Wirtschaft denkt

niemand ernsthaft daran,

eines der 58 Atomkraftwerke

vorzeitig abzuschalten,

obwohl auch

dort das Problem der

Endlagerung radioaktiver

Abfälle noch ungelöst

ist. Es werden sogar Vorbereitungen in Flamanville

in der Normandie getroffen für den Bau

eines in Frankreich entwickelten neuen Reaktortyps

EPR, wie er zurzeit in Finnland gebaut wird.

Die Frage der Versorgungssicherheit und des Klimaschutzes

wird nach Einschätzung vieler Franzosen

exemplarisch durch die Kernkraft beantwortet.

Trotzdem haben auch die erneuerbaren

Energien einen hohen Stellenwert in Frankreich

und schon immer gehabt, denn die große Wasserkraft

wird schon seit Jahrzehnten intensiv zur

Stromerzeugung herangezogen. Das Land sieht

sich in Europa führend in diesem Bereich, entgegen

der externen Wahrnehmung.

International gilt Deutschland als das führende

Land bei der Einführung von erneuerbaren

Energien, insbesondere beim massiven Ausbau

der Windenergie, durch seine Förderpraxis nach

dem EEG. Dieses Gesetz ist mit seinem System

von Einspeisungstarifen auch in vielen Staaten kopiert

worden. Doch die Windenergie führt wegen

der fluktuierenden Einspeisung in das nationale Stromnetz zu gravierenden Problemen bei der

Netzstabilität. Ein weiterer Netzausbau ist nach

Meinung der Experten dringend erforderlich, um

den vorwiegend im Norden und Osten des Landes

produzierten Strom in die Verbrauchszentren im

Westen und Süden Deutschlands zu transportieren.

Außerdem müssen kostspielig konventionelle

Kraftwerke zur Verfügung gehalten werden, um

Verbrauchsspitzen abdecken zu können, was den

Strompreis weiter verteuert. Michel Deshaies hat

ausgerechnet, dass die Installierte Gesamtkapazität

der deutschen Windkraftanlagen zwar die aller

deutschen Kernkraftwerke zusammen beträgt,

die tatsächliche Leistung aber kaum der von drei

Reaktoren entspricht.

Die Kohle hat in Deutschland eine wesentlich

bedeutendere Rolle als Energieträger gespielt als in

Frankreich, wo die letzte Zeche 2004 geschlossen

wurde. Zwar wird die subventionierte deutsche

Steinkohleförderung bald auslaufen,

doch preiswerte Steinkohle wird

weiterhin importiert und zusammen

mit der heimisch geförderten

Braunkohle in Kraftwerken verfeuert.

Das erklärt auch die vergleichsweise

hohen deutschen CO2-Emissionen.

Diese sollen drastisch reduziert werden,

unter anderem durch den Neubau von effizienteren

Kraftwerken, vorzugsweise mit dem Brennstoff

Gas, und mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

kombiniert. Gas muss jedoch in zunehmendem

Maße und bei rasch steigenden Preisen aus Russland

und Norwegen importiert werden, so dass

die Kostenkalkulationen der Investoren hohe Risiken

beinhalten. So bleiben neue Kohlekraftwerke

mit höherem Wirkungsgrad und niedrigen

Emissionen als Ersatz für die bis 2021 sukzessiv

abzuschaltenden deutschen Atomkraftwerke. Ob

dann schon die erhoffte CCS-Technologie, mit

deren Hilfe das Kohlendioxyd von der Kohle abgetrennt

und unterirdisch gespeichert werden soll,

zur Verfügung stehen wird, ist fraglich. Es könnte

zwischenzeitlich in Deutschland aber veränderte

politische Mehrheitsverhältnisse geben, die die

Frage einer möglichen Laufzeitverlängerung von

Atomkraftwerken positiv beeinflussen. In anderen

EU-Staaten, wie Belgien und Schweden, sind jedenfalls

politisch motivierte Ausstiegsbeschlüsse

angesichts neuer Verhältnisse zwischenzeitlich revidiert

worden.

Die Europäische Kommission hat in den letzten

Jahren immer wieder von ihrem Initiativrecht

Gebrauch gemacht und Vorstöße unternommen,

um die Regierungen der Mitgliedstaaten von der

Notwendigkeit und den Vorteilen einer gemeinsamen

Energie- und Klimapolitik zu überzeugen.

Dies geschah mit Hilfe von so genannten „Grünbüchern“,

das sind wissenschaftlich fundierte Studien,

verknüpft mit politischen Empfehlungen,

zu Themen wie Versorgungssicherheit, Energieeffizienz

oder Klimaschutz. Letztlich obliegt es

aber dem Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs

der mittlerweile 27 Mitgliedstaaten

darüber (noch) einstimmig zu befinden, ob und

wie diese Empfehlungen der Kommission politisch

umgesetzt werden sollen. Davor geschaltet ist in

der Regel aber ein oftmals langwieriger zwischenstaatlicher

Konsultationsprozess,

bevor es zur entscheidenden

Sitzung kommt. Der Ratspräsidentschaft

kommt dabei

eine ganz entscheidende Führungsrolle

zu, denn die jeweilige

Regierung kann den Gang

der Dinge mit diplomatischen Mitteln befördern

und auch auf bilateralem Wege mögliche Hindernisse

im Vorfeld aus dem Wege räumen. Die

deutsche Bundesregierung hat diese Chance im

Frühjahr 2007 effektiv genutzt, um alle Regierungen

von der Notwendigkeit eines gemeinsamen

Zielkatalogs zur integrierten Klima- und

Energiepolitik der Europäischen Union zu überzeugen.

So soll der CO2-Ausstoß bis 2020 europaweit

um mindestens 20 Prozent gegenüber dem

Stand von 1990 reduziert werden, um das vom

Weltklimarat (IPCC) für notwendig erachtete

Zwei-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung

nicht zu gefährden. Ferner soll der Anteil

der erneuerbaren Energien an der Primärenergieversorgung

Europas im gleichen Zeitraum von

derzeit 6,5 Prozent auf 20 Prozent aufgestockt

werden. Für den Einsatz im Verkehrssektor wird

ein zehnprozentiger Anteil von Biokraftstoffen

angestrebt. Zentral ist auch die Aufforderung an

alle europäischen Staaten, dafür zu sorgen, dass

die Energieeffizienz allgemein um 20 Prozent gesteigert wird. Damit will Europa ein Zeichen setzen

für den Rest der Welt, denn viele andere

Staaten müssen mitziehen, damit globale Wirkung

erzielt werden kann. Die EU-27 ist gerade

mal für ein Siebtel der weltweiten Emissionen verantwortlich

und Deutschland trägt selbst nur einen

Anteil von 3,2 Prozent bei, Frankreich sogar

nur einen weltweiten Beitrag von 1,6 Prozent.

Nun geht es aber darum, die einmal getroffenen

Vereinbarungen auch auf europäischer und

nationaler Ebene umzusetzen. So findet hinter

den Kulissen in Brüssel schon seit Monaten ein zäher

Kampf der Experten um die Aushandlung des

so genannten „Lastenausgleichs“ innerhalb der

EU statt, zur Festsetzung der jeweiligen Anteile,

die ein Land angesichts unterschiedlicher Ausgangslagen

und Voraussetzungen an den pauschalen

Quoten erfüllen soll. Wer letztlich wie viele

Prozent CO2-Minderung leisten muss, oder in

welchem Umfang erneuerbare Energien einsetzen

und die Energieeffizienz steigern soll, das alles

muss mühsam multilateral ausgehandelt werden.

Die „Hausaufgaben“ folgen der Lobby-Arbeit in

Brüssel. Jedes Land muss dann im zweiten Schritt

für sich entscheiden, mit welchen Instrumenten

es die jeweiligen Zielvorgaben erreichen will.

Deutschland und Frankreich haben hier ihre

selbst gewählte Vorreiterrolle mit mehr oder weniger

konkreten nationalen Programmen ausgefüllt.

„Meseberg“ und „Grenelle“ sind dafür die jeweiligen

Stichworte.

„Vorreiter“ in Europa?

Die deutsch-französische Achse war über viele

Jahrzehnte die treibende politische Kraft in der

Europäischen Gemeinschaft. Trotz der regelmäßigen

und engen zwischenstaatlichen Konsultationen

sind beide Partner in einer stark vergrößerten

Staatengemeinschaft nicht mehr in der Lage, einen

ähnlich bestimmenden Einfluss auszuüben,

wie das früher der Fall war. Abgesehen davon sind

die Ausgangs- und Interessenlagen in energie- und

klimapolitischer Sicht doch sehr unterschiedlich.

In dem Beitrag von Michel Deshaies in diesem

Dossier wird ja ausgeführt, wie sich die Energiepolitik

beider Staaten seit Ende der 1980er Jahre

(nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl)

zunehmend auseinander entwickelt hat. Ob sich

unter dem von Brüssel ausgehenden politischen

Druck die Staats- und Regierungschefs der EUMitgliedstaaten

wirklich zu einer gemeinsamen

Energiepolitik verständigen werden, bleibt abzuwarten.

Der Handlungsdruck wächst mit der Bedrohung

durch den Klimawandel.

Deutschland hatte in diesem Jahr die einmalige

Chance zu einer doppelten internationalen

Führungsrolle mit dem Vorsitz im Ministerrat der

Europäischen Union während des ersten Halbjahrs

und dem ganzjährigen Vorsitz in der G8-

Runde. Die Bundesregierung hat Verantwortung

übernommen und sich bei ihren Partnern unter

anderem für einen globalen Klimaschutz eingesetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist es im

März 2007 gelungen, die Staats- und Regierungschefs

der EU-Staaten zur Verabschiedung eines

ambitionierten Klima- und Energiepakets zu bewegen.

Das Bundeskabinett hat auf seiner Klausurtagung

im August 2007 in Meseberg schnell gehandelt

und ein Maßnahmenpaket mit 29 Eckpunkten,

das so genannte „Integrierte Energie- und Klimaprogramm“

verabschiedet. Passend zum Auftakt

der Bali-Konferenz soll das Kabinett am 5.

Dezember ein umfassendes Gesetzespaket beschließen.

Wichtige Teile des Maßnahmenpakets

sind die Verschärfung der Gebäudesanierung, die< p>Umstellung der Kfz-Steuer auf die CO2-Basis und

der Ausbau erneuerbarer Energien im Strom- und

Wärmebereich. Damit soll der CO2-Ausstoß in

Deutschland bis 2020 um rund 35 Prozent gegenüber

1990 gesenkt werden; erreicht sind schon 18

Prozent, vor allem aber wegen des Umbaus der

Energiewirtschaft und der Industrie im Osten

Deutschlands. Strittig war bis zuletzt die Kostenfrage.

Die Mittel für den Klimaschutz werden von

bislang 700 Millionen Euro auf 2,6 Milliarden

Euro aufgestockt. Daneben werden auch die Verbraucher

zur Kasse gebeten, denn die zusätzlichen,

staatlich veranlassten Kosten werden von

den Produzenten über höhere Energie- und Produktpreise

abgerechnet. Dadurch soll ein Anreiz

zum vermehrten Energiesparen geschaffen werden,

was unter dem Strich als kostenentlastend

und klimaschonend betrachtet wird. Eine KostenNutzen-Rechnung der einzelnen Maßnahmen steht

noch aus, ist aber in Aussicht gestellt. Pauschal

wird vom Umweltministerium behauptet, dass

den Kosten des Programms von rund 8 Milliarden

Euro Einsparungen von 13 Milliarden Euro gegenüber

stünden. Ergebnisse und Kosten sollen

alle zwei Jahre überprüft werden.

In Frankreich gibt es einen offiziellen Klima-

Plan, mit dem die Vorgaben des Kyoto-Protokolls

bis 2010 erfüllt werden sollen. Das Land hatte

sich 1997 verpflichtet, seine Emissionen auf den

Stand von 1990 zu halten, ein Ziel, das dank einer

Steigerung der Energieproduktivität und nicht

zuletzt wegen der intensiven Nutzung der CO2-

neutralen Kernenergie noch weit unterboten wird

(minus neun Prozent). Nun ist die französische

Politik ehrgeiziger geworden und will die EUVorgaben

noch übertreffen. Mit konkreten Maßnahmen

will die Regierung den CO2-Ausstoß reduzieren

und den Folgen des drohenden Klimawandels

begegnen. Die Produktion

von Biokraftstoffen wird stark

gefördert, aber auch die Kernenergie

soll weiter ausgebaut werden. Daneben

gibt es ein nationales Programm

zur Verbesserung der Energieeffizienz.

Eigentlich steht das Land

beim Klimaschutz ganz gut da: Es produziert weniger

Kohlendioxyd pro Kopf der Bevölkerung als

Deutschland, und seine CO2-Emissionen betragen

insgesamt nur die Hälfte des Nachbarn, nicht

zuletzt dank der massiv eingesetzten Kernenergie

bei der nationalen Stromproduktion.

Umso mehr überraschte der neu gewählte französische

Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Öffentlichkeit

mit seinen Ankündigungen zum

Abschluss des „Grenelle“-Umweltdialogs. Frankreich

plant eine „grüne Revolution“, titelten die

Zeitungen und Medien. Im Beisein von EUKommissionspräsident

Barroso und dem amerikanischen

Friedensnobelpreisträger Al Gore kündigte

der Staatspräsident ein umfangreiches nationales

Programm zur Nachhaltigkeit an. Sarkozy

will das Thema nachhaltige Entwicklung zu einer

der Prioritäten der französischen EU-Präsidentschaft

in der zweiten Jahreshälfte 2008 machen.

Damit reklamiert er eine Vorreiterrolle für Frankreich

in Europa. In den nächsten vier Jahren soll

verstärkt in die Bereiche Energie, Biodiversität,

Umwelt und Gesundheit investiert werden. Was

den Energiesektor anbelangt, so soll das europäische

Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien

bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern, sogar noch

übertroffen werden. Außerdem soll ein umfangreiches

energetisches Sanierungsprogramm für Altbauten

aufgelegt werden. Damit verspricht er dem

Land auch einen wirtschaftlichen Aufschwung

und neue Arbeitsplätze. Im Verkehrs- und Transportsektor

soll umgesteuert werden zu Lasten des

Straßenverkehrs und zu Gunsten von Eisenbahnund

Seeverkehr. Der LKW-Transitverkehr soll

von der Straße auf die Schiene verlagert und stärker

besteuert werden. Die Absicht, eine „Ökosteuer“

einzuführen, steht weiter im Raum, während

eine geplante CO2-Steuer am Widerstand der französischen

Wirtschaft scheiterte. Überhaupt stellt

sich die Frage, wie viele dieser Reformpläne sich

letztlich umsetzen lassen gegen zu erwartende

Widerstände und Proteste von

mächtigen Interessengruppen. So

äußern sich viele Kommentare

skeptisch über die Umsetzungschancen,

zitieren aber Al Gore mit

den Worten, Sarkozy habe viel

für einen Bewusstseinswandel in

Frankreich getan. Wenn in Frankreich wirklich

eine veränderte Einstellung zu Themen wie Umweltverhalten

und Energieverbrauch zu beobachten

ist, so wäre schon viel gewonnen.

Die deutsche und europäische Klimadiplomatie

hat noch viele Herausforderungen zu meistern. Die

eigene Vorreiterrolle in Bezug auf eine radikale

Energiewende durch verstärktes Energiesparen und

erhöhte Energieeffizienz sowie den Ausbau von

Erneuerbaren Energien muss auch international

glaubwürdig durch eigene Vorleistungen und Erfolge

unterstrichen werden. Die Unterstützung der

anderen Mitgliedstaaten in der EU ist unabdingbar,

häufig aber schwierig einzufordern. Das Problem

ist, dass die Interessen und Meinungen der 27 Mitgliedstaaten

zu weit auseinander gehen, außerdem

blockieren schwerfällige Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse

die Formulierung einer gemeinsamen

Politik gegenüber wichtigen Drittstaaten,

wie zum Beispiel Russland, den USA oder China.

Ausblick: die Bali-Klimakonferenz

Bei der zu Redaktionsschluss kurz bevorstehenden

Klimakonferenz in Bali vom 3. bis 14. Dezember

2007geht es nun in erster Linie darum, bis 2009

einen verbindlichen Fahrplan zur Aushandlung

eines Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll,

das Ende 2012 auslaufen wird, zu vereinbaren.

Dabei müssen die bisher abseits stehenden

Industrienationen USA und Australien sowie die

aufstrebenden Schwellenländer wie China und

Indien ins gemeinsame Boot geholt werden. Ob

die von der Bundeskanzlerin angebotene Formel

einer Pro-Kopf-Zuteilung von Emissionsrechten

unter dem Gebot der globalen Gerechtigkeit von

allen Staaten anerkannt wird und zu einem Durchbruch

bei den Verhandlungen führt, bleibt abzuwarten.

Gleiche Emissionsrechte bedeuten für Industrienationen

einen drastischen Umbau ihrer

Energie- und Wirtschaftssysteme. Für die Entwicklungs-

und Schwellenländer bedeutet dieses

Zugeständnis einen erweiterten nationalen Entwicklungsrahmen

mit mehr Wirtschaftswachstum

und Energieverbrauch, aber auch Einkommen

für nicht selbst benötigte und ans Ausland

veräußerbare Emissionsrechte. Das alles setzt die

Entwicklung eines globalen Marktes für Emissionsrechte

voraus, den es bislang erst in Ansätzen

in Europa und Teilen Nordamerikas gibt. Auch

von CDM-Maßnahmen würden Entwicklungsländer

profitieren, wenn ausländische Unternehmen

aus Industrieländern in Aufforstungsprojekte

und klimaschonende Energietechniken investieren.

In einem zu vereinbarenden Klimaabkommen

sollte ein effektiver Wald- und Meeresschutz

neu bewertet werden, um auch die Nichtausbeutung

von Naturressourcen finanziell zu honorieren.

Trotz des von manchen Ländern ausgesprochenen

Bekenntnisses zu einer Energiewende werden

die fossilen Energieträger, insbesondere die Kohle,

auch in den nächsten Jahrzehnten bei weltweit

steigender Nachfrage voraussichtlich noch den

Löwenanteil (zur Zeit 80 Prozent) der globalen

Energienutzung stellen. Deshalb ist die Entwicklung

von klimafreundlichen Kraftwerkstechnologien,

wie die Abtrennung und Deponierung von

Kohlendioxyd aus Kohle und Gas (CCS), von

großer Bedeutung für Wirtschaft und Politik. Auf

diesen Technologiepfad setzen die USA und andere

Industriestaaten in Europa und Asien. Hier bietet

sich auf internationaler Ebene eine Brücke zur

Kooperation in Forschung und Entwicklung zum

Wohle aller Staaten , wenn diese Erkenntnisse und

Erfindungen auch den Schwellen- und Entwicklungsländern

zur Verfügung gestellt werden.

Eine internationale Einigung auf das so genannte

Zwei-Grad-Ziel bei der Erderwärmung ist

insofern wichtig, als sich daraus eine große Anzahl

von Unterzielen und Maßnahmen zur Reduzierung

von Treibausgasen ableiten lassen. Es muss

endlich auch der finanzielle und technische Rahmen

für die erforderlichen Anpassungsmaßnahmen

an den Klimawandel in den am stärksten betroffenen

Regionen, häufig in armen Entwicklungsländern,

gesetzt werden. Dass der Klimawandel

enorme sicherheitspolitische Risiken wie

durch Umwelt- und Wetterkatastrophen verursachte

Flüchtlingswellen verursachen kann, ist in

einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats

der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen

(WBGU) erst kürzlich betont worden.

Schon in unserem eigenen nationalen Interesse ist

entschiedenes Handeln angesagt. Besser sind natürlich

international koordinierte Maßnahmen.

Deutschland und die EU-Staaten leisten beim

Klimaschutz eine wichtige Vorreiter-Funktion.

Diese kann aber nur dann glaubhaft erfüllt werden,

wenn auch die politisch vereinbarten oder

selbst gesetzten Ziele größtenteils erreicht werden.

Fazit: Klimaschutz ist nicht zum Nulltarif zu

haben. Er kostet alle Bürger und die Wirtschaft

viel Geld, rechnet sich aber unter dem Strich, wie

viele Studien und Gutachten belegt haben. Die

Kosten- und Nutzenfrage wird immer wieder gestellt

und muss von Wirtschaft und Politik beantwortet

werden. Denn letztlich geht es auch um die

gesellschaftliche Akzeptanz und politische Durchsetzbarkeit

von bestimmten Maßnahmen zum

Klimaschutz. Dafür ist eine öffentliche Klimadebatte

– ebenso wie die Energiedebatte – in Demokratien

unerlässlich. Die versöhnlichen Töne

von Seiten der deutschen Wirtschaft spiegeln einen

neuen Geist in vielen Branchen wider: Aufbruchstimmung.

In Frankreich ist – abgesehen

von der politischen Rhetorik – in der Wirtschaft

davon bislang noch wenig zu spüren.

Mit freundlicher Genehmigung von DOKUMENTE

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