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Einzeltitel

Zukunft demokratisch gestalten

von Prof. Dr. Bernhard Vogel

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Gerechtigkeit

Rede zur Konferenz aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums der internationalen Arbeit der KAS.

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(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr verehrter Herr Bundespräsident, meine Damen und Herren,

vor 40 Jahren, am 1. Juli 1962, begann die Konrad-Adenauer-Stiftung ihre internationale entwicklungspolitische Arbeit. Dieses Datum ist für uns der Anlass, eine internationale Konferenz in Berlin durchzuführen. Wir wollen Bilanz ziehen, in Erinnerung rufen, wie wir begonnen haben, was in den vergangenen 40 Jahren aufgebaut und geschaffen wurde. Wir wollen uns aber auch mit den Fragen befassen, die uns heute bewegen und die Zukunft beeinflussen werden. Deshalb das Thema dieser Konferenz: Zukunft demokratisch gestalten - Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Gerechtigkeit.

Es ist für mich eine Freude und Ehre, Sie, Herr Bundespräsident, als Ehrengast in unserem Hause in Berlin begrüßen zu können. Ich danke Ihnen, dass Sie aus dem Urlaub zu uns gekommen sind und auch zu uns sprechen werden. Sie setzen mit Ihrer Teilnahme die gute Tradition Ihrer Amtsvorgänger fort, die bei wichtigen Anlässen die Politischen Stiftungen besucht und deren Arbeit gewürdigt haben. Seien Sie uns herzlich willkommen!

Ich bin sehr dankbar, dass wir uns heute über die Anwesenheit hochrangiger Persönlichkeiten aus vielen Ländern freuen dürfen. Sie, Herr Staatspräsident Stjepan Mesic, sind nicht zum ersten Mal Gast der Stiftung, aber heute dürfen wir Sie als Präsident der Republik Kroatien mit besonderer Freude begrüßen.

Chief Dr. Mangosuthu Buthelezi, der Innenminister der Südafrikanischen Republik, Mitglied der Nationalversammlung und Vorsitzender der Inkatha Freedom Party, ist ein alter Freund der Stiftung. Mit einigen Projekten haben wir Sie in den letzten 20 Jahren auf dem schwierigen Weg zur Demokratie in Ihrem Lande begleitet. Sie haben bedeutende Beiträge geleistet. Herzlich willkommen, Chief Buthelezi.

Lateinamerika gebührt in der entwicklungspolitischen Arbeit der Stiftung ein besonderer Platz. In Lateinamerika begann unsere internationale Arbeit. Chile und Venezuela waren die Länder, in denen 1962 die ersten Projekte durchgeführt wurden. Herausragende Persönlichkeiten aus Lateinamerika sind zu uns gekommen. Ich begrüße Frau Rigoberta Menchú Tum, die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 1992 aus Guatemala, eine mutige Kämpferin für die Menschenrechte und die Rechte ihres Mayavolkes. Ich freue mich sehr, dass Sie wieder bei uns sind.

Aus Chile ist der frühere Präsident und jetzige Senator Eduardo Frei Ruiz-Tagle nach Berlin gekommen. Mit ihm, seinem Vater und der Familie Frei bestehen seit mehr als 40 Jahren besonders herzliche Beziehungen. Ich begrüße einen guten Freund der Stiftung. Wir freuen uns sehr, dass Sie hier sind.

Einen herzlichen Willkommensgruß entbiete ich dem früheren Präsidenten der Republik Costa Rica, Dr. Miguel Angel Rodriguez Echeverria.

Ich begrüße Seine Eminenz Oscar Kardinal Andrés Rodriguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, der Stiftung auch als früherer Präsident der lateinamerikanischen Bischofskonferenz seit vielen Jahren durch gemeinsame Programme verbunden.

Ich begrüße Herrn Vilmar Rocha, Abgeordneter des brasilianischen Parlaments und Präsident der Fundação Tancredo Neves.

Sehr dankbar bin ich, dass Sie, Dr. Ivan Yordanov Kostov, ehemaliger und so erfolgreicher Ministerpräsident der Republik Bulgarien, an unserer Konferenz teilnehmen. Herzlich Willkommen!

Die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichts der Russischen Föderation, Frau Prof. Dr. Tamara Georgijewna Morschtschakowa, begrüße ich herzlich und danke ihr für ihre Mitwirkung an dieser Veranstaltung. Aus dem Senegal begrüße ich die ehemalige Ministerin für die Beziehungen zum Parlament und Abgeordnete der Assemblée Nationale, Frau Dr. Haoua Dia Thiam.

Aus Asien begrüße ich Prof. Dr. Vitit Muntarbhorn, ehemaliger UN-Berichterstatter der UN-Menschenrechtskommission aus Bangkok.

Und Dr. Fan Gang, Direktor des National Economic Research Institute und der China Reform Foundation aus Peking.

Ich begrüße die Abgeordneten der Parlamente, Europaparlament, Bundes- und Landtage. Es ist mir eine Freude, die Damen und Herren Botschafter aus vielen Ländern begrüßen zu können. Ihre Anwesenheit ist für uns ein Zeichen der Verbundenheit und der langjährigen Zusammenarbeit.

Vom Vorstand der Stiftung darf ich besonders meinen Vorgänger im Amt des Vorsitzenden, Prof. Dr. Günter Rinsche, begrüßen. Er ist der internationalen Arbeit seit mehr als 35 Jahren verbunden. Die früheren Leiter der internationalen Arbeit, Dr. Adolf Herkenrath und Dr. Lothar Kraft, sind bei uns. Über Ihre Anwesenheit freue ich mich.

Schließlich möchte ich Sie alle, meine Damen und Herren, die Sie unsere Einladung angenommen haben und heute hier sind, begrüßen: die Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, ehemalige Auslandsmitarbeiterinnen und Auslandsmitarbeiter, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung, vor allem aus dem Bereich der Internationalen Zusammenarbeit.

I. Die Konrad-Adenauer-Stiftung begann am 1. Juli 1962 mit der entwicklungspolitischen internationalen Zusammenarbeit. Peter Molt übernahm die Leitung des neuen "Instituts für Internationale Solidarität". Dieser Name wurde, nach einigen Debatten, gewählt: Es ging um Solidarität als Hilfe für die Schwachen, für die sozial, wirtschaftlich und politisch Benachteiligten. Unsere Arbeit basiert auf dem christlich geprägten Menschenbild. Es ist der Maßstab unseres Handelns. Daraus leiten sich Menschenwürde und Menschenrechte ab. Es ist das Fundament für Freiheit und Verantwortung. Es verpflichtet zum Streben nach Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, zu einer Politik, die dem Wohle aller Menschen dienen soll.

Zunächst mussten Erfahrungen gesammelt, Projekte vorbereitet, politische und administrative Grundlagen für das neue Tätigkeitsfeld geschaffen werden. Hier halfen Kontakte, die mit christlich-demokratischen Bewegungen, Zirkeln, Parteien, Gewerkschaftsverbänden und anderen Institutionen in verschiedenen Entwicklungsländern bereits bestanden. Die Grundidee war klar: Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit zu fördern. Ein Schlüsselbegriff prägte die erste Phase: Gesellschaftspolitik. Es ging um gesellschaftspolitische Programme in der internationalen Zusammenarbeit.

Die Ausgangssituation war schwierig. In den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas gab es offizielle politische Systeme, Mentalitäten und Strukturen, die zur Idee der Demokratie keine oder, wenn überhaupt, eine nur äußerlich formale Beziehung hatten. Vor Ort wurde die Stiftung, die mit ihrem Verständnis von Menschenrechten, Freiheit, Demokratie, Sozialer Marktwirtschaft und Gerechtigkeit moderne Ziele verfolgte, nicht von vornherein akzeptiert und anerkannt. Dennoch wurden in dieser Zeit Prinzipien begründet, die bis heute wirksam und bedeutsam sind. Hilfe zur Selbsthilfe und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Partner wenden sich einander "aufrichtig und aufrecht" zu, so hätte Martin Buber diese "Partnerschaft des Dialogs" beschrieben. Betroffene und die Benachteiligten in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik sollten Hilfe erhalten, um ihre Ideen umsetzen zu können. Die Stiftung wollte nicht eigene Projekte und Programme durchführen, sondern Partner unterstützen, die in ihren Ländern die Ziele selbst bestimmen und die Verantwortung für ihre Projekte übernehmen. Das war eine weitsichtige Entscheidung, trug sie doch wesentlich zur Glaubwürdigkeit und zum Erfolg der Stiftungsarbeit bei. Die Erkenntnis der politischen Ursachen der Unterentwicklung und die Visionen für eine Entwicklung zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit standen im Vordergrund. Diese Themen wurden mit Parteien, Regierungen, Parlamenten, Gewerkschaften, Genossenschaften, Unternehmer-, Frauen- und Jugendverbänden, Universitäten und Medieneinrichtungen diskutiert. Politische Bildung, Beratung und Publikationen waren die Instrumente, die vor allem eingesetzt wurden.

Rückblickend lässt sich festhalten: In den Anfangsjahren (1962-1970) wurden die bis heute wirkenden konzeptionellen und praktischen Grundlagen für die entwicklungspolitische Arbeit der Adenauer-Stiftung gelegt und Erfahrungen gesammelt für ein professionelles Niveau. Diejenigen, die in dieser Pionierphase als erste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Stiftung im Ausland vertraten, haben durch ihr Engagement, ihr Auftreten, ihre Lernbereitschaft und durch den Umgang mit den Partnern die Fundamente für das Ansehen der Stiftung geschaffen. So entstand politisches und menschliches Vertrauen, die "Partnerschaft des aufrichtigen und aufrechten Dialogs".

Von 1970 bis 1980 erweiterte sich die Arbeit kontinuierlich. Neue Länder, Partner und Projekte kamen hinzu. Die Bedingungen für gesellschaftspolitische Programme in den Ländern verbesserten sich im Lauf der Jahre, auch wenn es immer wieder Rückschläge gab: Ein besonders trauriges Beispiel ist Rwanda.

Die Erfahrungen, die die Stiftung in den Entwicklungsländern gesammelt hatte, konnten später für einen neuen Teilbereich der internationalen Arbeit, der seit 1978 hinzu kam, fruchtbar gemacht werden: Der Vorstand schuf das Büro für Internationale Zusammenarbeit. Ziel dieses Büros war es, Außenstellen in den westeuropäischen Ländern und in den USA aufzubauen und die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den westeuropäischen Ländern und mit den USA zu vertiefen. Man spürte, dass die Grundlagen der transatlantischen Zusammenarbeit, die unter Konrad Adenauer unverzichtbar und selbstverständlich gewesen waren, der neuen Generation, die in Deutschland, Europa und Amerika Verantwortung übernahm, neu vermittelt werden mussten. Die Stiftung richtete zu diesem Zweck 1977 in Washington, D.C. ein Büro ein. In den folgenden Jahren (1978-1982) wurden Büros in Rom, Brüssel, Paris und London eröffnet. Mitte der 70er Jahre reagierte die Stiftung auf die veränderte politische Entwicklung in Portugal, Spanien und Griechenland. Auf der Iberischen Halbinsel wurden ab 1974 zuerst einzelne Programme durchgeführt, dann Büros eingerichtet. Jahre später in Griechenland. Nach den politischen Veränderungen, die sich in diesen drei europäischen Ländern ab Mitte der 70er Jahre vollzogen, war es wichtig, sie in die Zusammenarbeit einzubeziehen. Unbestritten ist heute, dass die beiden großen Stiftungen, die Friedrich-Ebert- und die Konrad-Adenauer-Stiftung, in der Phase der Veränderungen in Portugal und Spanien wirkungsvolle Beiträge für die demokratische Entwicklung geleistet haben.

Ein Datum für die Ausweitung der internationalen Arbeit auf Westeuropa war die erste Direktwahl des Europaparlaments 1979. Da wurde deutlich, dass neben der nationalen die europäische Politik verstärkt ein wichtiges Arbeitsfeld für die Stiftung bleiben wird. Durch die bilaterale und die multilaterale europäische Kooperation konnten Kontakte geknüpft und Verbindungen zu Eliten und wichtigen Gruppen der europäischen Politik hergestellt werden. Der Dialog in der Begegnung von Persönlichkeiten aus Regierungen, Parteien, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Kirchen und Medien stand im Vordergrund. Vieles, was sich in der offiziellen Debatte als spannungsreich herausstellte, konnte in Veranstaltungen der Stiftung, auch im Internationalen Begegnungszentrum in Cadenabbia, offen angesprochen werden. Daraus erwuchs Vertrauen für die Zusammenarbeit.

Eine faszinierende neue Aufgabe der internationalen Arbeit kam 1989 hinzu, als die politische Situation sich plötzlich und schnell in Mittel-, Ost- und Südosteuropa änderte. Am 10. November 1989 eröffnete die Stiftung mit einer Veranstaltung im Warschauer Schloss die erste Außenstelle in Mittel- und Osteuropa. Wir wollten den Staatsbesuch von Bundeskanzler Helmut Kohl in Polen nutzen, um ihn und den polnischen Ministerpräsidenten Mazowiecki als unsere Gäste bei der Eröffnung begrüßen zu können. Beide hatten zugesagt. Dann passierte das Unvorhergesehene am 9. November 1989 in Berlin. Helmut Kohl unterbrach seinen Staatsbesuch, um in Berlin zu sein. Wir haben unsere Außenstelle im Warschauer Schloss eröffnet, mussten aber auf Helmut Kohl und Mazowiecki verzichten.

Von 1989 an ging die Stiftung zügig daran, in der Sowjetunion, später Russland, in Ungarn, in der Tschechischen und Slowakischen Republik, in den baltischen Ländern, in Bulgarien und Rumänien und dann in den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien, Büros einzurichten. Ohne Zweifel ist dieser Teil der internationalen Arbeit der Stiftung gegenwärtig von herausragender Bedeutung.

Nicht nur für uns, sondern für alle Politischen Stiftungen sage ich nach 40 Jahren erfolgreicher Arbeit, dass diese Stiftungen im In- und Ausland eine notwendige, anerkannte, einflussreiche Arbeit leisten. Sie fördern das Ansehen Deutschlands in der Welt und gewinnen viele Freunde für unser Land. Für die internationale Rolle unseres Landes ist das, was die Stiftungen tun, unverzichtbar geworden. Das gilt besonders auch für die entwicklungspolitische Arbeit. Politische Stiftungen sind erfolgreiche Akteure für den Schutz von Menschenrechten, für den Aufbau freiheitlicher, demokratischer und rechtsstaatlicher Ordnungen, sind wichtige Akteure für den politischen Dialog und die Völkerverständigung. Sie schaffen durch ihre langjährigen Erfahrungen, durch die Kenntnis über und den Umgang mit fremden Kulturen, Vertrauen mit Persönlichkeiten in vielen Ländern. Das ermöglicht den offenen Umgang miteinander und die Bereitschaft zu einem kritischen und konstruktiven Dialog. Auf diese Weise leisten sie herausragende Beiträge im Dienst von Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden. Sie sind kompetente Partner des Dialogs, politisch, aber unbeschwert von den Zwängen politischer Entscheidungen und Interessen.

II. Bei der Würdigung dieser internationalen Arbeit darf, nach 40 Jahren, der Dank nicht fehlen. Es waren viele, die an der erfolgreichen Arbeit mitgewirkt haben. An erster Stelle möchte ich den langjährigen Vorsitzenden der Stiftung, Dr. Bruno Heck, nennen, der die gesamte Stiftungsarbeit von Anfang an gestaltet hat. Er war schon 1955 der Initiator der politischen Bildungsarbeit in Eichholz, der ersten Stätte der Stiftung. Der internationalen Arbeit hat er seit 1962 bis zu seinem Tode im Jahr 1989 höchste Aufmerksamkeit geschenkt. Ihm verdanken wir eine weitsichtige, kluge und konsequente Politik. Seine Grundsätze, Ideen und Konzepte bilden noch heute das Gerüst für unsere Arbeit. Er hatte Ansehen bei Freunden und Partnern, Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Prof. Dr. Günter Rinsche gehört dem Vorstand der Stiftung seit 1968 an. Schon als junger Bundestagsabgeordneter hat er sich mit entwicklungspolitischen Fragen befasst. Später waren es die europapolitischen Themen, die ihn als Abgeordneten des Europäischen Parlaments beschä ftigten. Seine Empathie für Menschen, Kultur und Länder in Asien wurde dadurch nie beeinträchtigt. Die Stiftung hat damit immer gewonnen - bis heute. Ich möchte Ihnen, lieber Herr Rinsche, dafür herzlich danken.

Dank und Anerkennung gebührt auch den Leitern der Internationalen Arbeit. Prof. Dr. Peter Molt war von 1962 bis 1966 derjenige, der die schwierige Aufbauphase gestaltete und wichtige, bis heute geltende Grundsätze definierte. Er hat das partnerschaftliche Prinzip als die richtige Form der Zusammenarbeit geprägt. Obwohl er 1966, nach vier Jahren, eine andere Aufgabe übernahm, hat er die Arbeit bis heute durch Rat und kluge Kritik begleitet. Er gilt als Gründungsvater der internationalen Arbeit der Stiftung.

Adolf Herkenrath hat danach, von 1966 bis 1973, die Arbeit ausgebaut: Neue Projekte, Verfahren und Strukturen entstanden in dieser Zeit. Die Zahl der Mitarbeiter und Projekte nahm zu. Administration und Professionalität entwickelten sich weiter.

Lothar Kraft war dann der erste, der zuvor Auslandsmitarbeiter war, in Brasilien, bevor er von 1974 bis 1984 das Institut leitete. Die praktische Erfahrung, die er aus seinem zur zweiten Heimat gewordenen Brasilien mitbrachte, war besonders nützlich. Ihm gelang es, eine außerordentlich dynamische Phase der Entwicklung kreativ, konzeptionell, organisatorisch und politisch-strategisch zu gestalten. Das ist ihm erfolgreich gelungen. Ihm, wie auch seinem Nachfolger, stand die leider zu früh verstorbene Silke Krieger zur Seite, die mit hoher Kompetenz, Bildung und Persönlichkeit von 1970 bis 1996 die internationale Arbeit der Adenauer-Stiftung stark beeinflusste.

Als Lothar Kraft Hauptgeschäftsführer wurde, folgte ihm Josef Thesing in der Leitung des Instituts, der seit 1965 in der Stiftung tätig ist, von 1966 bis 1973 in Guatemala und Kolumbien arbeitete, nach Rückkehr leitende Aufgaben in der internationalen Arbeit übernahm und von 1978 bis 1984 als Leiter des Büros für Internationale Zusammenarbeit die Außenstellen der Stiftung in den USA und Europa aufbaute. 1985 wurde dieser Teil mit dem entwicklungspolitischen Institut zu einem Internationalen Institut zusammengefasst. Thesing leitete die internationale Arbeit von 1984 bis 2000. In diese Zeit fällt die Erweiterung der Arbeit nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

Ihnen allen danke ich für erfolgreiche und prägende Arbeit. Sie haben - jeder auf seine Weise - Zeichen gesetzt und das hohe Ansehen, das die Stiftung im Ausland genießt, gestaltet.

Ich vergesse nicht unsere Partner, die uns die Zusammenarbeit ermöglicht haben. Sie halfen uns, die Kultur ihrer Länder kennen zu lernen, unser Wissen und Verständnis für andere Menschen, andere Wirklichkeiten, zu erweitern. Sie haben uns oft Rat gegeben, der uns vor Fehlern bewahrte. Nach vielen Jahren sind zwischen Menschen und Institutionen aus vielen Ländern - die Stiftung arbeitet in 120 Ländern - dauerhafte Freundschaften und Beziehungen entstanden. Dafür sind wir dankbar. 40 Jahre internationale Zusammenarbeit: das bedeutet auch: Freundschaft, Netzwerke, gemeinsames Lernen und Erkennen, Gastfreundschaft, gemeinsam erfahrene Rückschläge, Gefahren, Chancen und Erfolge. Auch als Ehestifter hat die Stiftung Erfolge zu vermelden.

Herzlich bedanke ich mich bei den Damen und Herren, die für die Stiftung im Ausland tätig waren und noch sind. Sie waren und sind es, die durch ihre Arbeit vor Ort, durch die Art, wie sie mit den Partnern arbeiten, die Vertrauensbasis schaffen. Herr Thesing hat, aus Anlass der 40 Jahre internationaler Arbeit der Stiftung, ein Buch herausgegeben, in dem 30 ehemalige Auslandsmitarbeiterinnen und Auslandsmitarbeiter ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen, die sie in ihren Ländern gemacht haben, schildern. Die Lektüre ist beeindruckend. Sie haben sich in fremde Mentalitäten, Denkweisen, Erfahrungswelten hineinversetzt, dieses Wissen und das Gelernte weitervermittelt. Auf diese Weise haben sie Brücken des Vertrauens gebaut. Das war wichtig in der Vergangenheit - heute ist es in einer Zeit der Umbrüche und der zunehmenden Intoleranz und Ungeduld zwischen Kulturen noch wichtiger geworden. Ich danke auch den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Inland, in der sogenannten "Zentrale", die Arbeit vor Ort betreuten und koordinierten.

Alle Bundesregierungen und das Parlament haben die internationale Arbeit der Stiftungen unterstützt. Das erkennen wir mit Dankbarkeit an. In besonderer Weise waren und sind wir dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Auswärtigen Amt verbunden. Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen dem BMZ und den Stiftungen ist geprägt durch eine zuverlässige, konzeptionelle, politische und administrative Ehrlichkeit und Fachkompetenz. Deshalb möchte ich den Damen und Herren des BMZ ein persönliches Wort des Dankes und der Anerkennung sagen, für die Gründerjahre stellvertretend für alle die Herren Karl Osner und Winfried Böll.

Das Lob gilt auch für das Auswärtige Amt. Heute ist es so, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung in ihren Einsatzländern vertrauensvoll und gut mit den deutschen Botschaften zusammenarbeiten. Für beide Seiten ist das von Vorteil. Auch vom Auswärtigen Amt erhält die Stiftung für Programme und Projekte in den USA und Europa guten Rat und Unterstützung. BMZ und AA sind Dialogpartner, wir danken für die gute Zusammenarbeit.

III. Über die zukünftige Arbeit möchte ich noch einige Überlegungen ergänzen:

Unbestritten ist, dass durch das, was Globalisierung genannt wird und Globalität schon ist, und durch die Ereignisse des 11. Septembers 2001 in New York und Washington eine neue Herausforderung für die internationale Arbeit entstanden ist. Die globale Welt und ihre Bedrohung, z.B. durch Terrorismus, sind Tatsachen, die die internationale Politik und auch die Stiftungsarbeit bestimmen.

  1. Das gilt vornehmlich für die entwicklungspolitische Arbeit. Auf der einen Seite wird die Forderung an uns herangetragen, durch Programme und Projekte zur Minderung der Ursachen des Terrorismus beizutragen. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass nach dem 11. September 2001 die sicherheitspolitischen Interessen stärker in den Vordergrund treten. Unter den Erfordernissen der weltweiten Antiterrorkoalition rücken die langfristigeren entwicklungspolitischen Ziele und Programme oft in den Hintergrund. Zur Erreichung kurzfristiger politischer Ziele verlieren Menschenrechte, Demokratie, verantwortliche Marktwirtschaft, Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung, Umweltschutz ihre Priorität. Für die Stiftung wirkt sich das insofern aus, als in einer Zeit, in der eher mehr Programme gemacht werden müssten, die finanziellen Mittel abnehmen. Die politischen Zielvorstellungen müssen wir nicht verändern.

    Der Durchbruch der demokratischen und rechtsstaatlichen Ideen, den wir seit Mitte der 70er Jahre in Südeuropa, seit Mitte der 80er Jahre verstärkt wieder in Asien und Lateinamerika und schließlich seit 1989 in Mittel-, Ost- und Südosteuropa erlebt haben, ist die wichtigste internationale Entwicklung seit langem. Sie entspricht unseren politischen Visionen, die wir mit unseren Partnern teilen.

    In vielen Ländern der Welt, zum Beispiel auch in Lateinamerika, besteht die Gefahr, dass Demokratie durch Armut und soziale Ungerechtigkeit gefährdet bleibt. Demokratie braucht für ihre Akzeptanz und Stabilität wirtschaftlichen Erfolg und mehr soziale Gerechtigkeit. Gelingt die Absicherung nicht, ist die Demokratie in der Gefahr, vielleicht den Kampf gegen Diktatoren und Autoritarismus zu gewinnen, aber den Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit zu verlieren. Das darf aber nicht geschehen. Deshalb wird die Stiftung Programme in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützen, die eine an Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Sozialer Marktwirtschaft und Gerechtigkeit orientierte politische und gesellschaftliche Ordnung zum Ziele haben, als Voraussetzung für eine dauerhafte Friedensordnung, für wirtschaftlichen Erfolg und für die Lösung sozialer und ökologischer Probleme.

  2. Für die Stabilität und Glaubwürdigkeit der Demokratie ist ein in der Praxis funktionierender Rechtsstaat entscheidend. Macht muss durch Recht bestimmt sein. Die Stabilität der Demokratie wird davon abhängen, ob es gelingt, den Rechtsstaat als bestimmenden Normgeber, als Institution, unabhängig von politischer Willkür, dauerhaft zu festigen. Die Stiftung hat in den letzten Jahren auf diesem Gebiet weltweit erfolgreiche Programme gemacht.

  3. Nach dem 11. September 2001 ist vielen Menschen deutlicher noch als zuvor bewusst geworden, dass es einen Bedarf an Wissen über andere Religionen und Kulturen gibt. Es ist wohl eine der beklagenswerten Tragödien unserer Zeit, dass Mullahs, Rabbis und Priester offensichtlich nicht genug taten, um ihre Gläubigen zu Toleranz und Verständnis gegenüber anderen Religionen und Kulturen zu bewegen und zu erziehen. In den Religionen gibt es, bei vielen Menschen, eine feindselige Haltung gegenüber Andersgläubigen. Die Menschheit braucht aber mehr Geistliche, Lehrer, Publizisten, Schriftsteller, Politiker, die in ihren Kulturen die Menschen zu Respekt und Toleranz gegenüber anderen Religionen und Kulturen erziehen. Freiheit der religiösen Bekenntnisse, religiöse Toleranz, sind Werte und Haltungen, die über Frieden zwischen Menschen und Völkern entscheiden können. Völker und Kulturen müssen voneinander wissen. Ohne gegenseitiges Wissen gibt es kein Verständnis. Ohne Verständnis existiert weder Respekt noch Vertrauen. Deshalb wird die Stiftung ihre seit Jahrzehnten bewährten Programme des kulturellen und religiösen Dialogs fortsetzen. Das Miteinander von Religionen, Kulturen und philosophischer Reflexion ist die Herausforderung unserer Zeit. Deshalb ist der kulturelle Dialog wichtig. Politik muss ihn fördern und sich an ihm beteiligen.

  4. Für Konrad Adenauer waren europäische Einigung und nordatlantische Zusammenarbeit Grundpfeiler für die Eingliederung der Bundesrepublik Deutschland in die internationale Gemeinschaft nach 1945. Die westliche Wertegemeinschaft war Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Staaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Heute stehen wir vor anderen Entwicklungen. Das atlantische Bündnis muss sich nach dem 11. September 2001 besonderen sicherheitspolitischen Herausforderungen stellen. Daraus entstehen neue Themen, die mit den USA besprochen werden müssen. Auch die Stiftung, seit 1977 in Washington vertreten, stellt sich diesen Veränderungen. Programme mit Führungskräften aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und den Medien werden fortgesetzt und durch neue sicherheitspolitische und wirtschaftspolitische Themen ergänzt.

    Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union: das ist das Thema der europäischen Politik. Die Schaffung einer Verfassungsgrundlage steht im Vordergrund. Die Stiftung fördert über das Europabüro in Brüssel den politischen Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, über die immer komplexer werdenden Sachprobleme. Die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik ist ein Schwerpunkt. Die Zusammenarbeit mit der in der Europäischen Volkspartei zusammengeschlossenen nationalen Parteien ist ein ständiges Anliegen. Und schließlich wollen wir dazu beitragen, dass die Europäische Integration den Bürgern in den einzelnen Ländern vertrauter wird.

    Die Stiftung wird die bisherige erfolgreiche Arbeit in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropa fortsetzen. Wir wollen die Transformationsprozesse unterstützen zum Aufbau demokratischer, rechtsstaatlicher, marktwirtschaftlicher und sozial gerechterer Strukturen. Der Beitritt neuer Länder zur Europäischen Union ist ein Schritt, der mit Unsicherheit verbunden ist. Das muss überwunden werden.

Ich habe Schwerpunkte genannt, die unsere internationale Arbeit bestimmen. Dabei weiß ich, dass die Stiftung nur kleinere Beiträge leisten kann. Wir beschränken uns auf das, was wir können. Übernehmen wollen wir uns nicht. Aber die 40 Jahre, die wir international tätig sind, haben gezeigt, dass die Stiftung doch einiges kann. Das gibt Mut, uns den Herausforderungen zu stellen.

Die Stiftung hat Erfahrung, Kompetenz und ein internationales Netzwerk. Sie hat über Grenzen hinweg eine Kultur des Dialogs und Erfahrungsaustausches geschaffen, die für alle Beteiligten gut und nützlich ist.

Sie ist Partner des Dialogs, eines internationalen Gesprächs über die gemeinsamen Werte des Zusammenlebens: über Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden.

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