Bernhard Ludewig

Im Gespräch

"Der Liberalismus und seine Feinde"

von Daniel Feldhaus

Francis Fukuyama zur Deutschlandpremiere seines neuen Buches zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung

Der renommierte Politikwissenschaftler Prof. Francis Fukuyama präsentierte in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung sein neues Buch "Der Liberalismus und seine Feinde" und diskutierte mit Dr. Tobias Endler die Herausforderungen liberaler Gesellschaften in unserer Zeit.

Demokratien stehen weltweit unter Druck. Der Liberalismus und die freiheitlichen Prinzipien des Westens werden zunehmend infrage gestellt. Angesichts von Corona-Maßnahmen, Fake News in sozialen Medien, populistischer Stimmen auf den Straßen und in den Parlamenten und nicht zuletzt einer immer größeren sozialen Spaltung, nimmt der Druck zu. Was freiheitliche Gesellschaften tun können um ihre Grundordnung zu schützen, das diskutierte die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin und dem Verlag Hoffmann und Campe. Zu Gast war der renommierte US-amerikanische Politikwissenschaftler Prof. Dr. Francis Fukuyama. In seinem neuen Buch „Der Liberalismus und seine Feinde“ untersucht er, welche Werte ein echter Liberalismus vertreten muss, inwiefern der Neoliberalismus seinem Ansehen geschadet hat, und wie wir auf die Herausforderungen der Gegenwart antworten müssen, wenn wir unsere Freiheit nicht verlieren wollen.

Zur Begrüßung stellte Prof. Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, Francis Fukuyama als einen der bekanntesten politischen Theoretiker und einen der meist zitierten Intellektuellen vor. Aus dem Vorwort des Buches zitierte er den Befund der Nichtregierungsorganisation Freedom House, dass in den drei Jahrzehnten zwischen 1974 und den frühen 2000er-Jahren politische Rechte und bürgerliche Freiheiten weltweit an Bedeutung gewonnen hätten, in den darauffolgenden rund 15 Jahren bis 2021 ihre Bedeutung jedoch stetig wieder abgenommen habe. Ein offenkundiger Befund, der eine heutige Betrachtung der Liberalismus erforderlich machte.

Im Anschluss würdigte der verlegerische Geschäftsführer von Hoffmann und Campe, Tim Jung, den Autor und das vorliegende Werk als wichtig für die gegenwärtige Zeit. Er begreife diesen Abend und das Publikum als Verfechter und Unterstützer einer liberalen Demokratie. Man möge den Abend wahrnehmen als erhellenden, aber auch verpflichtenden Abend.

Konzentrierte Stille herrschte im Forum der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung als Francis Fukuyama sein neues Buch vorstellte. Er las nicht, wollte lieber diskutieren. Sein Gesprächspartner Dr. Tobias Endler ist ebenfalls Politikwissenschaftler und als Amerika-Experte ein gefragter Kommentator. Beide kennen sich seit Jahren, was man dem entspannten Gespräch jederzeit anmerkte. Endler hielt sich dicht am Buch und interessierte sich für die Bedeutung des Liberalismus in der heutigen Zeit und was dieser modernen Gesellschaften noch zu geben habe. Fukuyama erzählte, dass er mit diesem Buch aufklären wolle. Er habe das Gefühl, dass viele Menschen in liberalen Gesellschaften lebten und gar nicht wüssten, was der Liberalismus sei und wie sehr sie davon profitierten. Man müsse schließlich wissen, wofür man kämpfe.

Denn Kämpfen, das wurde an diesem Abend deutlich, müssten liberale Gesellschaften heutzutage wieder. Die letzten 15, 16 Jahre seien viele Dinge den falschen Weg gegangen und viele liberale Demokratien stünden heute schlechter und umstrittener da als noch vor wenigen Jahren. Eine Menge Arbeit liege vor uns, wenn wir wollten, dass Demokratien bestünden. Fukuyama unterstrich, dass der rechtliche Rahmen maßgeblich sei für die Entfaltung wie auch das Fortbestehen des Liberalismus. Freiheitsrechte seien nur etwas wert sofern sie auch verteidigt würden. Das könne nur der Staat erfüllen. Liberale Gesellschaften seien dadurch gekennzeichnet, dass Gruppen und Individuen sich frei entfalten könnten und es keine übergeordneten Strukturen gebe, die diese unterdrückten. Religion, kulturelle Traditionen, Mehrheitsbefindlichkeiten könnten dies bedrohen, weshalb die Freiheit des Individuums essenziell sei.

Tobias Endler lobte, dass Fukuyama im Buch kritische Positionen des linken und rechten Spektrums berücksichtigt habe. Was könne man dem Vorwurf der Scheinheiligkeit entgegnen, da liberalische Gesellschaften oft an den eigenen Ansprüchen scheitern würden? Fukuyama verwies als bestes Beispiel auf die Geschichte der USA. Trotz des liberalen Fundaments sei es zur Rassentrennung gekommen und sei die US-amerikanische Gesellschaft dem eigenen Bild nicht gerecht geworden. Teile der Gesellschaft würden dem bis heute nicht entsprechen, weshalb die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten für viele ein solches Problem gewesen sei. Liberale Gesellschaften seien allerdings immer reformierbar und darin liege eine der Stärken. Letztlich stehe aber auch das politische System in den USA unter enormem Druck, da für viele Menschen keine Antwort mehr erkennbar sei, wie all die Probleme zu bewältigen seien.

Fukuyama mache besonders nachdenklich, dass seine chinesischen Studenten vor einigen Jahren noch gewollt hätten, dass China sich in Richtung der USA entwickle. Heute würde dies keiner von diesen mehr wollen. Heute würden sie sich einen anderen Weg wünschen und die USA nicht mehr als Vorbild begreifen.

Im Anschluss an die Veranstaltung tauschten sich die Gäste bei einem Empfang über das Gehörte aus. Francis Fukuyama signierte sein Buch und beantwortete noch manche Frage. Die Diskussion wurde auf Deutsch und Englisch live gestreamt und ist auf dem Youtube-Kanal des Internationalen Literaturfestivals abrufbar.

Ein Interview der Politischen Meinung mit Francis Fukuyama können Sie rechts oben über den Link nachlesen.

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Daniel Feldhaus

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Francis Fukuyama Buchcover Verlag Hoffmann&Campe

Über diese Reihe

Zeitschrift mit Berichten aus Bundestag und Bundesländern, Gastbeiträgen, Rezensionen und Presseauswertungen zur aktuellen Kulturpolitik.