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kurzum

Der Pariser Salon de l’Agriculture

von Clara Kubler, Nino Galetti
Die Internationale Landwirtschaftsausstellung – Salon de l’Agriculture – öffnete vom 22. Februar bis zum 1. März ihre Tore. Das Pariser Pendant zur Berliner „Grünen Woche“ ist ein Schaufenster für die französische Landwirtschaft zwischen „Terroir“ und Technologie.

Der Salon in Zahlen

Seit seiner Gründung im Jahr 1964 ist der Salon de l‘Agriculture eine jährliche Messe und Ausstellung, die Fachleute aus dem Agrarsektor in Paris zusammenführt. Jedes Jahr findet hier der allgemeine landwirtschaftliche Wettbewerb – Concours Général Agricole – statt, der Fachleute aus Handwerk, Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie auszeichnet.


In Zahlen ausgedrückt, brachte die Messe 2020 mehr als 1.400 Landwirte und mehr als 1.000 Aussteller aus der ganzen Welt zusammen. (1)


Die Sorgen der französischen Landwirte

Wie in vielen Teilen Europas befindet sich auch in Frankreich der Agrarsektor im Umbruch. Der Beruf des Landwirts verliert an Attraktivität. Neben den Skandalen der Lebensmittelindustrie und der schlechten Bezahlung in der bäuerlichen Landwirtschaft steht die „Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union“ (GAP) auf dem Prüfstand. Die Durchschnittsrente von Bauern liegt in Frankreich derzeit bei knapp 600 bis 750 Euro.(2)


Von den rund 450.000 Bauern in Frankreich sind die Kleinproduzenten am stärksten von Armut bedroht. Aufgrund des Preisdrucks der Lebensmittelindustrie bleibt oft nur wenig finanzieller Spielraum zur Modernisierung der Betriebe. Daher geben viele Landwirte auf: Seit 2008 ist die Zahl der Bäuerinnen und Bauern jährlich um rund 50.000 zurückgegangen.(3) Bis 2030 werden 50% der heute aktiven Landwirte in den Ruhestand gehen.(4)


Die Antworten von Präsident Emmanuel Macron

Am Vorabend der Eröffnung des Salon gab Staatspräsident Macron ein Interview zur Zukunft der französischen Agrarpolitik und setzte folgende Schwerpunkte (5):

  • Das geplante vollständige Verbot des Einsatzes von Glyphosat bis 2021 wird nicht kommen, da in diesem Zeitfenster eine Umsetzung „auf allen landwirtschaftlichen Betrieben nicht möglich“ sei.
  • Aufgrund eines Gesetzes von 2018, das den Unterbietungswettbewerb von Großhändlern um landwirtschaftliche Erzeugnisse unterbinden soll, seien bereits 4 Millionen Euro an Bußgeldern verhängt worden. Der Präsident lobt ausdrücklich in diesem Zusammenhang die Bemühungen von Lidl in Bezug auf die transparente Vertrags- und Preisgestaltung.
  • Null Toleranz gegenüber militanten Aktivisten, die den Berufsstand des Landwirts verunglimpfen und zu kriminalisieren versuchen. „Wir können diese Form des gewalttätigen Aktivismus nicht akzeptieren“, so Macron. Laut einer aktuellen Umfragen haben 88% der Franzosen eine gute Meinung von den Landwirten.(6)

Der Besuch Macrons auf dem Salon dauerte ​12 Stunden, in dieser Zeit sprach er u.a. persönlich mit den besorgten Bauern. Nun erwarten die großen Agrargewerkschaften von ihm, dass er in Brüssel das französische Budget von 9 Milliarden Euro aus der GAP verteidigt.


„Politik des Gehörtwerdens“ für die französische Landwirtschaft

Anlässlich des Salon startete die Nationale Kommission für öffentliche Debatten (Commission national du débat public, CNDP) eine öffentliche Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft ein, die vom 23. Februar bis zum 31. Mai 2020 dauern wird. (7)


Das CNDP ist eine unabhängige und neutrale Behörde, die sich an der Sammlung von Bürgermeinungen zu politischen Fragen beteiligt. Die gesamte französische Bevölkerung ist zur Teilnahme eingeladen. In Frankreich werden während der Umfrageperiode 30 Workshop-Debatten organisiert und zur Sammlung von Meinungen wurde bereits eine eigene Website erstellt. Ziel ist es, so viele Beiträge wie möglich zu erhalten, um die Hauptlinien der Agrarpolitik für das nächste Jahrzehnt zu modellieren. Am 31. Juli wird die unabhängige Kommission ihren Bericht dem Landwirtschaftsminister vorlegen. Die Regierung muss dann die ausgewählten Maßnahmen im September offiziell kommunizieren.


Die Zukunft der französischen Landwirtschaft

Im Jahr 2018 waren 70% der Berufseinsteiger in landwirtschaftlichen Betrieben unter 40 Jahre alt. Ein neues Phänomen ist zu beobachten: Immer mehr Frauen entscheiden sich für die Aufnahme einer landwirtschaftlichen Tätigkeit (8% im 1970, 27% im Jahr 2013).(8) Rund ein Drittel der neuen Landwirte hatte zuvor keine Verbindung zur Landwirtschaft. Für sie wurden durch das nationale Netzwerk RENETA, das eine Anschubfinanzierung der EU erhielt, etwa fünfzig Testflächen oder „Inkubatoren“ eingerichtet. Diese Inkubatoren sind Teil eines nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Ansatzes – im Gegensatz zu den großen Strukturen, die die Agrar- und Nahrungsmittelindustrie derzeit liefert.  Ziel ist es, die Gebiete zu valorisieren, eine fortschreitende Verarmung der landwirtschaftlichen Flächen durch den Städtebau zu vermeiden und die sich ändernde Verbrauchernachfrage zu befriedigen. Im Jahr 2018 waren 41.600 Betriebe als „biologischer Landbau“ zertifiziert, d.h. 13% mehr als im Jahr 2017. (9)

 

 

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(1) www.salon-agriculture.com
(2) Le Figaro, 22. Februar 2020.
(3) AFP, 29. Januar 2019.
(4) Ouest France, 25. Februar 2020.
(5) France TV Info, 20. Februar 2020.
(6) Le Figaro, 22. Februar 2020.
(7) https://impactons.debatpublic.fr/
(8) Ministère de l’Agriculture et de l’Alimentation.
(9) Ministère de l’Agriculture et de l’Alimentation.