Länderberichte

Spaniens aktuelle Wirtschaftslage

von Johanna Bister
In der fortdauernden wirtschaftlichen Verschlechterung Spaniens ist noch kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, allein im Februar stieg die Anzahl der Arbeitslosen um 154.058 auf 3.481.859 Millionen Menschen an und erreicht damit den schlechtesten Stand seit jeher.

Als Folge dessen stiegen die staatlichen Sozialausgaben beträchtlich, während die Einnahmen stark sanken. Die Seguridad Social (spanische staatliche Sozialversicherung) muss innerhalb eines Jahres einen Verlust von 1.140.000 Beitragszahlern verkraften, dies entspricht 5,92%. Das Staatsdefizit Spaniens überstieg am Ende des letzten Jahres 3,8% des BIP. Die hohe Verschuldung von Unternehmen und Familien, schwierige Kreditbedingungen, die enormen Umbrüche in der Immobilienbranche und die Einschränkungen für den Staat durch die Verschuldungsgrenze von 3,0% des BIP fördern außerdem ein weiteres Absinken der spanischen Wirtschaft. Mittlerweile beginnt die Krise sich auf alle Wirtschaftsbereiche auszuwirken. Besonders betroffen ist die Industrie, der Dienstleistungsbereich und der Einzelhandel. Der Monat Februar wird in Spanien in der Regel als ein guter Monat für die Bauindustrie bezeichnet. Ein weiterer Rückgang an Aufträgen im Februar innerhalb dieser Branche lässt darauf schließen, dass die Krise in Spaniens Bauindustrie noch nicht ihren tiefsten Punkt erreicht hat.

Die Frage, wie sich die Krise auf die spanische Durchschnittsfamilie auswirkt, ist bei den Diskussionen der letzten Monate in den Hintergrund gerückt. Dabei erlebt die gerade eine ungewollte Renaissance: Immer mehr junge Spanier kehren in ihr Elternhaus zurück, weil sie den Job verloren haben und sich die eigene Wohnung nicht mehr leisten können. Diese Entwicklung wird die spanische Gesellschaft nachhaltig verändern, glaubt Antonio del Cerro, Professor für Soziologie und Psychologie an der Universität Barcelona. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte keine Krise so tiefgreifende Auswirkungen auf die Mittelschicht. Sie betrifft nicht nur quantitativ besonders viele Menschen, sondern auch qualitativ in extremen Maßen den Einzelhaushalt. Die finanziellen Einbrüche sind enorm. Viele Mittelschichthaushalte haben jetzt nur noch halb so viel Geld zur Verfügung wie noch vor einem Jahr. Besonders hart trifft es die jungen Leute, da diese oft nur zeitlich begrenzte Arbeitsverträge haben. Jetzt hat sich die Situation allerdings so verschärft, dass den Familien nichts anderes übrig bleibt, als im Wortsinn zusammenzurücken.

Die Rezession führt nebenbei zu einem größeren Vertrauensverlust in die Vorhersagen der Wirtschaftsexperten. Im November hatten diese noch eine Abnahme des Wirtschaftswachstums von 1,0% des BIP für dieses Jahr vorhergesagt. Jetzt liegen die Prognosen bei 2,8% für dieses Jahr, der schlechteste Wert seit 70 Jahren. Zieht man zudem noch das Staatsdefizit von 7,2% in Betracht, wird die Zahl der Arbeitslosen laut Prognosen bis zum Jahr 2010 auf 4.5 Millionen Menschen ansteigen. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage hält die Regierung an der Beteuerung fest, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht auf 4.0 Millionen Menschen ansteigen wird. Eine Studie von der BBVA (spanische Bank) prognostiziert für dieses Jahr einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 17,7% und für das Jahr 2010 einen Zuwachs auf bis zu 20%.

Die Regierung rechnet für das laufende Jahr mit einem steuerlichen Einkommen von 25.700 Millionen, was 2,3% des BIP entspricht. Einen Teil dieses Betrages möchte die Regierung für das Defizit der öffentlichen Verwaltung, was insgesamt 6,0% beträgt, verwenden.

Prognosen sehen ein weiteres Absinken der spanischen Wirtschaft bis zum Ende diesen Jahres voraus. Erst dann sei eine leichte Erholung in Sicht. Für das Jahr 2010 wird ein weiterer Rückgang von Spaniens BIP um 0,3% prognostiziert.

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