Asset-Herausgeber

IMAGO / ZUMA Press
Monitor

Nordkoreas strategischer Aufstieg

von Philipp Havlicek

Die sicherheitspolitischen Folgen der russisch-nordkoreanischen Militärkooperation

Nordkorea entwickelt sich im Schatten des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zunehmend vom international isolierten Staat zu einem strategisch relevanten Militärakteur. Im Gegenzug für die umfangreiche Unterstützung Russlands könnte Pjöngjang Zugang zu sensibler Militärtechnologie erhalten und damit die gesamte Sicherheitsordnung in Ostasien destabilisieren.

Asset-Herausgeber

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nicht nur die europäische Sicherheitsordnung erschüttert, sondern zugleich eine geopolitische Dynamik ausgelöst, die auch unmittelbare Auswirkungen auf Ostasien entfaltet. Im Rahmen, der sich vertiefenden russisch-nordkoreanischen Militärkooperation stammen Schätzungen zufolge inzwischen bis zu 40 Prozent der von Russland verbrauchten Artilleriemunition aus Nordkorea, während Pjöngjang vermehrt Aufnahmen seiner neusten Waffensysteme veröffentlicht.

Die militärische Unterstützung Russlands verschafft dem Regime nicht nur wirtschaftliche Einnahmen und politische Aufwertung, sondern womöglich auch Zugang zu sensibler Militärtechnologie. Die parallelen Fortschritte im Satellitenprogramm, in der Raketentechnologie und bei maritimen Fähigkeiten legen nahe, dass ein technologischer Transfer im Gegenzug für Waffen- und Munitionslieferungen zunehmend plausibel ist. Damit könnte die Partnerschaft zwischen Moskau und Pjöngjang über eine kurzfristige Zweckgemeinschaft hinausgehen und langfristig die militärischen Fähigkeiten Nordkoreas grundlegend verändern.

Besondere Aufmerksamkeit gilt daher Nordkoreas Bemühungen zur Entwicklung nuklearbetriebener U-Boote. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit mögliche russische Technologietransfers die nuklearen Zweitschlagfähigkeiten Pjöngjangs nachhaltig erweitern könnten. Die Entwicklung atomgetriebener U-Boote, ausgestattet mit ballistischen Raketen für nukleare Sprengköpfe, würde die Überlebensfähigkeit des nordkoreanischen Nukleararsenals erheblich erhöhen und die bisherige Abschreckungsarchitektur auf der koreanischen Halbinsel grundlegend verändern. Eine glaubwürdige seegestützte Zweitschlagfähigkeit könnte nicht nur die Verwundbarkeit Nordkoreas reduzieren, sondern zugleich die amerikanischen Sicherheitsgarantien gegenüber Südkorea unter Druck setzen.

Die Begrenzung der russisch-nordkoreanischen Militärkooperation liegt daher nicht nur im Interesse der regionalen Akteure, sondern auch Europas. Weitere Technologietransfers könnten eine bereits angespannte Sicherheitslage in Ostasien langfristig destabilisieren und zur Entstehung neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen führen. Gleichzeitig verdeutlicht die Kooperation zwischen Moskau und Pjöngjang, wie eng die Sicherheitsinteressen Europas und des Indopazifiks inzwischen miteinander verbunden sind.

Eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Europa, Südkorea und Japan könnte daher einen Beitrag leisten, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und die gemeinsame Fähigkeit zur Abschreckung gegenüber autoritären Bedrohungen zu stärken. Insbesondere Kooperationen im Bereich der Luftverteidigung und der Langstreckenwaffen könnten dabei von strategischer Bedeutung sein. Die russisch-nordkoreanische Partnerschaft macht deutlich, dass eine wirksame europäische Sicherheitspolitik zunehmend auch die sicherheitspolitischen Entwicklungen im Indopazifik berücksichtigen muss.

Asset-Herausgeber

Kontakt Dr. Christina Catherine Krause
Porträt von Dr. Christina Catherine Krause
Leiterin der Abteilung Internationale Politik und Sicherheit
christina.krause@kas.de +49 30 26996-3445

comment-portlet

Asset-Herausgeber