Veranstaltungsberichte

"Gewalt ist nie eine Lösung"

Frühstücksgespräch mit Abdurahman Guelleh

Nur die Meerenge Bab al-Mandab trennt Dschibuti vom kriegsgeplagten Jemen. Armut, Korruption und Flüchtlingsströme lasten schwer auf dem ostafrikanischen Land von der Größe Hessens und seinen 800.000 Einwohnern. Seit dem Ende des Bürgerkrieges 1992 herrscht die Regierungskoalition UMP ununterbrochen. Wahlen werden manipuliert, Medien kontrolliert und politische Gegner behindert. Doch davon lassen sich Oppositionspolitiker wie Abdurahman Guelleh nicht einschüchtern. Der Generalsekretär der USN setzt sich für Freiheit, Demokratie und Wettbewerb ein.

Dschibuti sei zwar ein kleines Land, aber es habe große Bedeutung für die Stabilität der Region und spüre die Auswirkungen zahlreicher Konflikte seiner Nachbarn. „Wir befinden uns an der Kreuzung zur Arabischen Halbinsel, wohin der Syrienkonflikt genauso ausstrahlt, wie die Situation in Somalia oder im Jemen. Und die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle“, sagte Abdurahman Guelleh. Ein einschneidendes Ereignis sei das Selbstmordattentat am 24. Mai letzten Jahres gewesen, bei dem es Tote und Verletzte gab. „Denn dieser Anschlag richtete sich nicht gegen unsere Bevölkerung, sondern gegen die internationale Staatengemeinschaft.“ In der globalisierten Welt von heute gehe Sicherheit alle an. Dschibuti sei sehr auf innere und äußere Sicherheit bedacht. Und das Beispiel Somalias habe gezeigt, dass die Wurzel des Terrorismus in ihren Ursprungsländern bekämpft werden müsse.

Freiheit, Demokratie, Wettbewerb

Viele Menschen in Dschibuti leiden, die Arbeitslosigkeit bei den Jungen liege bei 70 Prozent. „Wenn man mit denen nicht spricht, wenden sie sich dem Extremismus zu und wenn es keine Institutionen gibt, die sich um Arbeitslosigkeit und Armut kümmern, werden die Menschen empfänglich für religiöse Heilsversprechen.“ Anders als in Afrika, gebe es in den USA und Europa staatliche Hebel, um diese Probleme anzugehen. Dabei sei Dschibuti kein armes Land, das Geld werde jedoch nicht für die Bedürfnisse des Volkes eingesetzt. Das habe auch Auswirkungen auf die Lage der Flüchtlinge. „Wir sind ein sunnitisches und tolerantes Land, aber wir haben nicht dieselben Möglichkeiten, wie westliche Länder. Bei uns leiden Flüchtlinge weiterhin und bringen häufig ihre Konflikte zu uns.“

Angesichts der für 2016 angesetzten Wahlen wünsche er sich vor allem zwei Entwicklungen: freie Medien und eine unabhängige Wahlkommission. „Leider sehen wir uns derzeit einer totalen Blockadehaltung der Regierung ausgesetzt.“ Ein Machtwechsel sei möglich, wenn auch nicht sofort. „Vor allem muss er jedoch friedlich und in Würde stattfinden, sodass alle darin integriert werden können.“ Gewalt sei niemals die Lösung.

Erwartungen an den Westen

„Freiheit, Demokratie und Wettbewerb - wir teilen die Werte des Westens aus freien Stücken.“ Wenn es gelänge, diese Werte in seinem Land zu verankern, wäre es das ein erster wichtiger Schritt, denn diese Werte hätten den Aufstieg Europas ermöglicht. „Wir wünschen uns Wissens- und Bildungsaustausch mit Europa, denn wir können davon stark profitieren.“ Bei den Menschen seines Landes müsse ein Umdenken verbeigeführt werden, damit sie für westliche Werte empfänglich werden. Über allem stehe jedoch der Grundsatz, dass alle Probleme im Dialog und ohne Gewalt gelöst werden müssten.

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Berlin Deutschland