Veranstaltungsberichte

"Versöhnung des Ästhetischen mit dem Politischen"

Rüdiger Safranski erhält den Konrad-Adenauer-Literaturpreis 2014

Der Berliner Kulturhistoriker Rüdiger Safranski ist in Weimar mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2014 ausgezeichnet worden. „Safranskis Zeichnungen deutscher Dichter und Denker vermitteln die schier grenzenlose Weite des Denkens, die die Freiheit uns Menschen eröffnet“, sagte Laudatorin Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien. Safranski ist der 22. Träger des Literaturpreises, der zuvor unter anderem Martin Mosebach und Hertha Müller verliehen wurde.

Der diesjährige Preisträger ist bekannt und berühmt geworden durch eine stattliche Reihe von Biographien, in denen er die Geschichte deutscher Dichter und Denker vom 18. bis 20. Jahrhundert abschritt. Dabei verbindet er seine Bücher mit europäischem Gedankengut. „Deutsche Biographien und europäische Kultur gehören für Rüdiger Safranski untrennbar zusammen“, sagte Dr. Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments in seiner Eröffnungsrede. Zugleich gebe er uns eine zeitgemäße Antwort auf die Frage, wie viel Europa die Klassiker der deutschen Kultur heute vertrügen. Safranski verbinde Lebensgeschichte mit Geistesgeschichte in seinen Biographien ähnlich wie ein Essayist.

Freiheit der Kunst und politische Praxis

In seinen Büchern zeige Safranski aber auch das Scheitern einer Kultur auf, die sich einer Ideologie ausliefere, um damit eine bessere Politik zu machen. Diesem Gegensatz begegne er mit einer besonderen Verantwortungs-Ethik. „Er weiß feinsinnig zu unterscheiden zwischen der Freiheit der Kunst, die Grenzen überschreiten kann, und der politischen Praxis, die diese Denkgrenzen wieder einschränkt.“

Besonders in seiner zuletzt veröffentlichten Biographie „Goethe. Kunstwerk des Lebens“ ist dieser Gegensatz zu erkennen. „Diese Biographie fordert den Leser heraus, zu jeder Behauptung und durch Nachfragen eine kritische und somit zutiefst politische Haltung einzunehmen“, sagte Christine Lieberknecht MdL, Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen in ihrer Ansprache. Diese Freiheit schaffe eine schöpferische Freiheit. Safranski verweise damit auf die intellektuelle Verantwortung des einzelnen Menschen für das Ganze.

In Rüdiger Safranskis glänzend geschriebenen und erzählerisch fesselnden Biographien stecke mehr als die verschiedenen Facetten deutscher Geistesgrößen, erläuterte die Laudatorin Prof. Monika Grütters. Vielmehr verdanke ihm die Gesellschaft die Versöhnung des Ästhetischen mit dem Politischen. „Als literarischer Grenzgänger zwischen Kultur und Politik verteidigt Safranski den Wert beider Sphären und ihre Bedeutung für ein Leben in Freiheit und ein Zusammenleben im Frieden“, sagte die Staatsministerin für Kultur und Medien. Mit seiner Forderung der Trennung zwischen dem Ästhetischen und Politischen verteidige er die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie. Kritik und Freiheit der Kunst seien konstitutiv für eine funktionierende Demokratie. „Kreative und Intellektuelle sind das Korrektiv unserer Gesellschaft und wir brauchen sie“, betonte Grütters. Künstler wie Safranski seien wie ein Stachel im Fleisch. „Sie schützen unsere Gesellschaft vor gefährlicher Lethargie und neuerlicher totalitärer Anwandlungen.“

Das Erbe der Meister

Der Preisträger, der gemeinsam mit seiner Frau Gisela Maria Nicklaus-Safranski in das Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar gekommen war, ging in seiner Dankesrede auf die deutsche Kulturtradition ein. Das Erhabene, die Metaphysik und die Romantik verbinde die deutschen Meister der Hochkultur. Doch die Tradition der romantischen Sehnsucht, des Grüblerischen und Spekulativen sei nach 1945 negativ behaftet. Safranski ist es ein Anliegen, dieses Erbe der Meister zu bewahren. „Ein bisschen deutscher Sonderweg in geistigen Dingen geht sehr wohl“, sagte der Preisträger. Das Charisma Europas bestehe aus lauter solcher kulturellen Sonderwegen. „Sonderwege, die ihrer Eigentümlichkeit wegen bewahrt und frei werden von unterschwelligen Verfeindungen.“ Es sei eine Kunst, die Vielfalt zu genießen und gleichzeitig die Einheit darin zu suchen. „Das ist das tolle an Europa“, sagte Safranski.

Pressemitteilungen
2. Juli 2014
Pressemitteilung (2. Juli 2014)

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