Veranstaltungsberichte

Große Bühne für Lokalredaktionen

von Jochen Blind

40 Jahre Deutscher Lokaljournalistenpreis

Bei einer Festveranstaltung in Berlin wurde das Jubiläum des renommierten Journalistenpreises gewürdigt und zugleich die Preisträger 2019 geehrt.

Seit 40 Jahren vergibt die Konrad-Adenauer-Stiftung den Deutschen Lokaljournalistenpreis. Sie zeichnet damit Journalistinnen und Journalisten sowie Redaktionen aus, die Vorbildliches für den deutschen Lokaljournalismus geleistet haben. Im Rahmen einer Festveranstaltung in der Akademie der Stiftung in Berlin wurde nun das Jubiläum gewürdigt und die Preisträger des Jahres 2019 geehrt.

In seiner Begrüßung betonte der Vorsitzende der Stiftung und ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert, die Bedeutung des Preises: „Es gibt in Deutschland viele Medienpreise. Manche meinen sogar, es gebe inzwischen zu viele. Jedenfalls ist der Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung nicht irgendeiner unter diesen vielen, sondern ein ganz besonderer – vor allem mit Blick auf seine Adressaten als auch mit Blick auf seine beachtliche, inzwischen 40-jährige Tradition. Und die diesjährigen Preisträger stehen beispielhaft für einen Lokaljournalismus, der sich gesellschaftlich relevanten Themen intensiv widmet und aufklärerisch darstellt.“ Er skizzierte die immensen Herausforderungen, vor denen die Medienlandschaft insgesamt und insbesondere die Lokalzeitungen stehen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung sei, wenn sie sich um den Lokaljournalismus gekümmert habe, „nicht nur an Lokalzeitungen, nicht nur an Printmedien interessiert gewesen, sondern an der Entwicklung des Mediensystems im Ganzen und seiner zentralen Bedeutung für die politische Urteils- und Willensbildung in unserem Land“, so Lammert.

Die Festrede übernahm der Tagesspiegel-Herausgeber und Medienunternehmer Prof. Sebastian Turner. Er adressierte seine nachdenklichen, zugleich pointierten Gedanken an vier Zielgruppen, die versammelt waren: an die Journalisten von Regional- und Lokalzeitungen, an Journalisten-Ausbilder und -Förderer, an Medienpolitiker und an Medienfachjournalisten. Auch er beschrieb die großen ökonomischen und technologischen Probleme, vor denen die traditionellen Medienhäuser stehen. Er kritisierte dabei unter anderem die Sozialen Medien und forderte, dass das Presserecht auch für sie gelten müsse. Zudem regte Turner an, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass auch mehr junge Leute mit technischem und wirtschaftlichem Verständnis ihren Weg in den Journalismus finden, um neue, innovative Projekte anzustoßen: „Wer sagt denn, dass nur Verlage, die vor Jahrzenten gegründet wurden, Qualitätsjournalismus hervorbringen können. Ein Teil der Lösung kann auch eine neue Medien-Gründerzeit sein.“

Nach diesem Blick in die Zukunft durfte angesichts des Jubiläums auch ein Blick in die Vergangenheit des Preises, der seit langem als „Oscar“ für Lokaljournalisten gilt, nicht fehlen: In einem vierminütigen Film gab es die zurückliegenden 40 Jahre mit allerlei Fakten und Daten im Schnelldurchlauf. Das Motto: „40 Jahre Deutscher Lokaljournalistenpreis – 14.000 Einsendungen – 120 Sieger – 1 Gewinner: guter Lokaljournalismus“.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Preisträger des zurückliegenden Jahres durch die Jury-Vorsitzende Heike Groll gewürdigt. Sie machte deutlich: „Unter den 362 Einsendungen zum Lokaljournalistenpreis 2019 hat die Jury viele gute und sehr gute Arbeiten gesehen. Sie werden diesem hohen Anspruch an modernen Lokaljournalismus mehr als gerecht: relevante Themen, investigative Recherche, Einbeziehung des Publikums, klare Orientierung, innovative Umsetzungsformen in Print-, digitalen und sozialen Medien.“

Der 1. Preis ging an den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag sh:z für das multimediale Langzeitprojekt „Man kann nicht jedes Kind retten – Wie eine Grundschule gegen Gewalt unter den Kleinsten kämpft“. Der Ausgangspunkt waren immer zahlreicher werdende Berichte über Gewaltvorfälle an Grundschulen. sh:z-Reporterin Dana Ruhnke begleitete ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich die dritte Klasse einer Grundschule, die als Brennpunktschule gilt, um herauszufinden, wie sich die Gewalt konkret darstellt und wie man ihr begegnet. Mit dem 2. Preis wurde der Zeitungsverlag Waiblingen für die Serie „Der Amoklauf in Winnenden – Zehn Jahre danach“ ausgezeichnet, mit dem 3. Preis die Badischen Neuesten Nachrichten für das Multimedia-Dossier „Das Gift in uns – der PFC-Skandal in Mittelbaden“.

Besondere Aufmerksamkeit gab es wenige Tage nach dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit für den Volontärspreis: Dieser ging an ein Projekt von 22 Volontärinnen und Volontäre von Südwest Presse, Märkischer Oderzeitung und Lausitzer Rundschau, die 30 Jahre nach Mauerfall mit ´Ostblick´ und ´Westblick´ auf unser Land geschaut und ihre jeweiligen Erfahren und Beobachtungen in einem 60-seitigen „Wende-Magazin“ dargestellt haben.

Eine Übersicht der Preisträger 2019 finden Sie hier.

Video-Mitschnitt von der Festveranstaltung: ​​​​​​​

Über diese Reihe

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