Veranstaltungsberichte

Patentöchter: Im Schatten der RAF – Ein Dialog

von Katja Christina Plate, Patricia Liberatore

Eine Gesprächsrunde der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit römischen Universitäten LUMSA und LUSPIO

Zum Abschluss unserer diesjährigen Vorlesungsreihe „Die europäischen Nachbarn kennen: Die 1970er Jahre in Deutschland und Italien“, die am 8. Mai 2012 in Zusammenarbeit mit den beiden römischen Universitäten LUMSA und LUSPIO stattfand, hatten wir zwei ganz besondere Gäste aus Deutschland eingeladen: Julia Albrecht und Corinna Ponto, die beiden Autorinnen des Buches „Patentöchter. Im Schatten der RAF – Ein Dialog“.

Corinna Ponto ist die Tochter des Bankiers Jürgen Ponto, der 1977 in seinem Wohnhaus von RAF-Terroristen ermordet wurde. Julia Albrecht ist die 13 Jahre jüngere Schwester der an der Tat beteiligten Ex-Terroristin Susanne Albrecht. Nach Verbüßung einer Haftstrafe, arbeitet Susanne Albrecht heute als Lehrerin in Bremen.

Bei dem Rundtischgespräch sprachen die beiden Frauen über ihre persönliche Geschichte. Corinna Ponto aus der Sicht der Angehörigen eines Opfers, Julia Albrecht als Angehörige einer Täterin. Das Buch der beiden ist ebenfalls als Dialog aufgebaut. Mit ihrer Schwester Susanne habe sie die „Die Patentöchter“ nicht diskutieren können, so Julia Albrecht. Der Kontakt sei momentan unterbrochen.

Anders als in vielen europäischen Ländern gibt es in Deutschland bis heute keine Anlaufstelle, die sich der Opfer des Terrorismus annimmt. Seit der Veröffentlichung ihres Buches im Jahr 2011, kämen immer wieder Angehörige von Opfern des Terrorismus auf sie zu, so Ponto, wodurch sich mittlerweile ein kleines Netzwerk entwickelt hat.

Corinna Ponto betonte die Schwierigkeit, Klarheit in die Geschichte zu bringen. Sie machte deutlich, dass es heute – und damit über 30 Jahre nach den Verbrechen durch den Terrorismus, kaum Aufklärung in Bezug auf die Rolle des Staates und der Geheimdienste gibt. Dabei sei die Tatsache, dass Deutschland sich damals mitten im Kalten Krieg befand und in West- und Ostdeutschland geteilt war, ein wesentlicher Faktor gewesen, so Ponto weiter. Um die Geschichte zu rekonstruieren, müsse man "ein Mosaik auseinandernehmen, und dann wieder neu zusammensetzen".

Fakt ist, so Albrecht, dass ihre Schwester und einige andere Terroristen, wenige Jahre nach dem Mord an Jürgen Ponto in der DDR untergetaucht sind. Es sei daher offensichtlich, dass die Stasi damals in engem Kontakt mit der RAF stand. Ein Indiz dafür dass auch westdeutsche Geheimdienste gut informiert waren, ist, dass Susanne Albrecht nach der Wende relativ schnell verhaftet wurde. „Ein Geschichtskrimi, den es noch aufzudecken gilt“, so Ponto. Corinna Ponto bleibt zuversichtlich. Sie sei überzeugt, dass es für die Aufklärung eine „komplett neue Generation“ brauche, zumal man der „Wahrheit mit vielen kleinen Fußabdrücken“ näher kommt.

Zum Nachlesen: Julia Albrecht & Corinna Ponto (2011). Patentöchter. Im Schatten der RAF – ein Dialog. Kiepenheuer & Witsch. ISBN 978-3-462-04277-1

Ansprechpartner

Caroline Kanter

Caroline Kanter bild

Leiterin des Auslandsbüros Italien

Caroline.Kanter@kas.de +39 06 6880-9281

Über diese Reihe

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Rom Italien