Akademie der ukrainischen Presse

Veranstaltungsberichte

Qualitativ hochwertige Wahlberichterstattung als Gewähr einer bewussten Willensbekundung der Bürger

von Kateryna Bilotserkovets
Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen fand in Kiew am 21./22. Februar ein Journalistenseminar zum Thema „Die Wahlberichterstattung: Informierung, Analyse, Prognosen“ statt, das in Partnerschaft mit der Akademie der ukrainischen Presse organisiert wurde.

Dank der vielfältigen Teilnehmerzusammensetzung war auf der Veranstaltung eine breite Palette politischer Sympathisanten vertreten, die aus verschiedenen Regionen der Ukraine kamen, verschiedene Lebensstrategien und Lebenserfahrungen, geprägt durch ihre Alter und Beruf, hatten, daher mangelte es nicht an Grundstoff für Diskussionen. Das Interesse für das Seminar wurde nicht nur durch die Aktualität des Themas, sondern auch durch unmittelbare Involvierung vieler Teilnehmer in die Wahlprozesse bedingt, z.B. in die Arbeit im Wahlkampfbüro als Beobachter, in journalistische Recherchen über ukrainische Politiker, aber auch in die Zusammenarbeit mit ausländischen Journalisten bei der Berichterstattung über den Wahlprozess in der Ukraine auf dem internationalen Niveau (Deutschland).

Daher war die Einhaltung der Medienstandards bei der Wahlberichterstattung ein durchgehendes Thema der Maßnahme. Über die Wichtigkeit der Unvoreingenommenheit und des Bewusstseins der Verantwortung von Journalisten vor der Gesellschaft sprachen bei der Eröffnung des Seminars sowohl die Veranstalter, Gabriele Baumann, die Leiterin des KAS-Auslandsbüros Kiew und Prof. Valeri Iwanow, der Präsident der Akademie der Ukrainischen Presse, als auch alle eigeladenen Medientrainer. Nach Prof. Iwanow ist derzeit ein weltweiter Verlust des Vertrauens in die Medien zu verzeichnen. Heute macht das Vertrauensniveau in die Medien in der Ukraine 20 -22 % aus, d.h. lediglich jeder fünfte Ukrainer hält die Medien für eine sichere Informationsquelle. 

Natürlich konnten wir das Thema der Kandidatenrankings nicht außer Acht lassen. Das Informationsfeld der Ukraine ist mit Ergebnissen soziologischer Umfragen überbordend, daher haben wir Prof. Serhij Makejew aus dem Institut für Soziologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine eingeladen, der die wichtigsten Wahltendenzen der laufenden und früheren Wahlkampagnen näherbringen und alle Kandidaten nach 5 Typen der Teilnahmestrategie einordnen konnte. Nun können die Seminarteilnehmer die Rankings besser verstehen und interpretieren, statistische Abweichungen bewerten, darüber hinaus haben sie erfahren, welchen Playern auf dem Markt der Umfragen sie vertrauen können.      

Unter den 24 Teilnehmern gab es Vertreter aller Medienarten, d.h. es gab Journalisten von Print- und Internetmedien, Hörfunk- und Fernsehmitarbeiter. Und alle konnten praktische Empfehlungen für die Wahlberichterstattung in ihren Medien von erfahrenen und hochqualifizierten Medientrainern und Praktikern erhalten: von Serhij Rachmanin (Printmedien), Andrij Kulykow (Hörfunk), Dr. Andrij Jurytschko (Fernsehen) und Jewhen Zymbalenko (Internetmedien, Cybersicherheit).

Serhij Rachmanin, der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung „Dserkalo Tyshnja“ („Wochenspiegel“), hat den Teilnehmern nachdrücklich empfohlen, ihre Kenntnisse über die Wahlgesetzgebung, die ständig geändert wird, aufzufrischen, um mit keinen Gerichtsverfahren wegen ihrer Verletzung konfrontiert zu werden. Er rief die Teilnehmer auf, Aufklärungsarbeit mit Wählern zu führen, um ihr Wissen über Verstöße während der Abstimmung zu erweitern, damit sie die Gesellschaft und Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden darüber informieren können. Darüber hinaus empfahl der Experte den Teilnehmern, statt mit Rankings der Kandidaten zu spekulieren Artikel mit Analyse ihrer Programme zu verfassen und Szenarien der Politikentwicklung zu prognostizieren, wenn diese Kandidaten als Präsidenten gewählt werden.  

In seinem Modul über die digitale Sicherheit wies Dr. Jewhen Zymbalenko, stv. Direktor des Instituts für Journalismus der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew, auf eine komplexe Natur der Internetmedien hin, die alle Merkmale konventioneller Medien verbinden und durch einen starken interaktiven Ansatz gestärkt werden. Der Experte gab viele praktische Empfehlungen zur digitalen Sicherheit.

Dr. Andrij Jurytschko,  der langjährige Arbeitserfahrungen im Fernsehen hat, führte viele Beispiele an und warnte die Teilnehmer vor typischen Fehlern, die TV-Journalisten bei der Wahlberichterstattung begehen können. Zudem wurden Inhalte führender Fernsehsender und deren Sympathien mit gewissen Präsidentschaftskandidaten besprochen.

Was den Hörfunk angeht, so ist Andrij Kulykow, der Vorsitzende des Ausschusses für Medienethik und Gründer des öffentlichen Hörfunks, der Meinung, dass eben dieses Medium das demokratischste Mittel für die Organisation einer gesellschaftlichen Diskussion ist. Im Gegensatz zum Fernsehen lenkt das Fernsehen nicht mit Shows ab, daher taugt es am besten für politische Diskussionen, es ist ein Merkmal einer entwickelten demokratischen Gesellschaft und trägt zu seiner Entwicklung bei. Durch seine Interaktivität und gewisse Anonymität fördert der Hörfunk freiere Meinungsäußerung. Dadurch kann man gesellschaftliche Einstellungen u.a. in den besetzten Gebieten berücksichtigen und erkennen, inwieweit die angekündigten Programme von Kandidaten den Erwartungen von Bürgern entsprechen. Zudem berichtete der Experte über das aktuelle Programm des öffentlichen Hörfunks „Freiheit der Wahl“, dem bereits viele Präsidentschaftskandidaten beigewohnt hatten.

Im Rahmen aller Module konnten die Teilnehmer den Experten Fragen stellen und sie interviewen. Zum Abschluss wurden einige Fallstudien erörtert, mit welchen sich der Ausschuss für Medienethik befasst hatte.

Nun hoffen wir, dass die Teilnehmer des Trainings gelernt haben, wie sie Informationen analysieren, Standards der Medienethik anwenden, verschiedene wahlbezogene Vorfälle kommentieren und ihre Beiträge vor Böswilligen schützen können, d.h. dass sie bereit sind, eine qualitativ hochwertige Wahlberichterstattung zu machen. 
 

Ansprechpartner

Kateryna Bilotserkovets

Kateryna  Bilotserkovets bild

Projektkoordinatorin Europäische Integration

kateryna.bilotserkovets@kas.de +380 44 492 7443 +380 44 4927443

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