Einzeltitel

Das Erbe der Weltmeisterschaft

Eine Diskussion über Pros und Kontras

Verschiedenste Meinungen zu den Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft auf Brasilien geben einen Einblick in die brasilianische Sicht der Dinge. Wir laden zur Diskussion ein!

Die Publikation versteht sich daher als Ausgangsbasis und lädt dazu ein, über Facebook und Twitter weiter zu diskutieren. Themen, die Sie in der Publikation vermissen, können dort ergänzt, sowie Statements der Autoren kommentiert werden.

Wir wünschen eine spannende Lektüre mit einem Einblick in die brasilianische Perspektive der WM 2014!

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Der Fußball kommt nach Hause. Das vermittelte zumindest der ausgelassene Jubel zur Vergabe der Fußballweltmeisterschaft an Brasilien im Jahr 2007. Keine andere Nationalmannschaft holte so oft den Titel wie Brasilien. Als einziges Land war Brasilien bei jeder einzelnen Austragung vertreten. Nach der Entscheidung gab es zudem viel Zustimmung aus dem Ausland. Endlich wieder eine Fußballweltmeisterschaft nach Lateinamerika zu vergeben, und damit auch die aufstrebenden Schwellenländer zum Zug komme zu lassen, wurde weithin als positive, bisweilen sogar als gerechte Entscheidung empfunden. Und obwohl Zweifel an der Fähigkeit Brasiliens bestanden, eine Veranstaltung dieser Größe auszutragen, überwog bis vor Kurzem noch der Optimismus. Brasilien, und vor allem Rio de Janeiro, kann auf jahrelange Erfahrung mit der Organisation von Megaevents zurückblicken. Allein die Neujahrsnacht in Copacabana vereint jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen. Erst in den letzten Jahren fanden zudem zahlreiche Großveranstaltungen statt. Sowohl die Weltklimakonferenz Rio+20 im Jahr 2012, als auch der Weltjugendtag im vergangenen Jahr wurden weithin als Erfolg gewertet. Dieses Urteil ist durchaus erstaunlich, angesichts zahlreicher Probleme während der Veranstaltung. Die Abschlussmesse, und damit alle drei Millionen Pilger samt Bühnen und hunderter Toiletten, musste beispielsweise wegen Regenfalls innerhalb von Tagen in ein anderes Stadtviertel verlegt werden. Rund 90 Prozent der Besucher sagten letztlich trotzdem aus, jederzeit zurück zu kommen. Diese Zufriedenheit spricht für sich und das brasilianische Improvisationstalent sucht auf der Welt wohl seinesgleichen.

Ob dieses Talent auch diesmal ausreichen wird, hängt inzwischen nicht mehr allein von den Managementfähigkeiten des Landes oder der Stadtverwaltungen ab. Im vergangenen Juni begann die Bevölkerung erstmals seit beinahe zwanzig Jahren größere Veränderungen einzufordern. Nicht zufällig kamen die Proteste, die im ganzen Land Millionen von Menschen auf die Straßen brachten, im Vorfeld des Confederations Cups auf. Der Kontrast milliardenteurer Stadien, die viel eher an den Standard der Industriestaaten erinnern als bitter notwendige Krankenhäuser und Schulen, wirkte wie ein Katalysator für den Unmut der Bürger. Deutlicher als je zuvor wurde die Tatsache, dass letztlich nicht Geld, sondern fundierte Politiken für die Verbesserung der Infrastruktur fehlten.

Die Polizei sah sich in diesen Wochen plötzlich nicht mehr schwer bewaffneten Kriminellen, sondern der eigenen Bevölkerung gegenüber stehen. Ein Erstkontakt, sozusagen, in dem sowohl die Polizei, als auch die Regierung zwischen ratloser Erstarrung und hektischer Gegenwehr schwankte. Im Rückblick waren die Proteste 2013 damit vielleicht ebenso eine Art Generalprobe für die Führung des Landes im Umgang mit einem aufgebrachten Volk, wie der Confed Cup für den Sport.

In jedem Fall wird die WM für die Presse wohl sehr erfolgreich werden: Es gibt viel zu berichten. Auch die neuen Medien werden eine große Rolle spielen. Seit der letzten WM sind Facebook, Twitter und co. nicht nur gewachsen, sondern bieten immer diversere Möglichkeiten zur Teilnahme von Personen außerhalb der offiziellen Medien am öffentlichen Diskurs. Twitter erwartet für das Finalspiel daher einen Rekord der Kurznachrichten. Eine Dezentralisierung der Berichterstattung wirkt nicht nur auf die Meinungsbildung. Die neuen Medien tragen dazu bei, dass sowohl der Diskurs, als auch Volksbewegungen ganz eigene Dynamiken annehmen können. Insofern wird diese Weltmeisterschaft neue Erfahrungen zur Nutzung und den Auswirkungen der virtuellen Welt auf einen Megaevent wie die Weltmeisterschaft bringen, die im besten Fall zur Verständigung der Völker beitragen können.

Fest steht, dass Brasilien schon jetzt einen Prozess umfassender Selbstreflektion durchläuft, der ohne die Austragung der Weltmeisterschaft und den zahlreichen Schwierigkeiten so wohl nicht statt gefunden hätte. Ob die Vergabe an Brasilien letztlich richtig oder falsch war, sei dahingestellt. Tatsächlich liegt es nun in den Händen des Landes, und besonders Rio de Janeiros, Erfahrungen zu nutzen, um sowohl für die Olympiade im Jahr 2016 als auch die Zukunft des Landes vorzusorgen und das enorme Potential Brasiliens auszuschöpfen.

Zahlreiche Facetten des Für und Widers der Austragung der Weltmeisterschaft werden seither heiß diskutiert. Einige ganz verschiedene Ansichten finden Sie nun in den folgenden Statements. Viele der Autoren unterschiedlichster Profile debattierten in den vergangenen Jahren bereits miteinander auf Veranstaltungen der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sowohl bei diesen Gelegenheiten als auch jetzt ist das Ziel ein Austausch über verschiedene Sichtweisen.

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Kathrin Zeller

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Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Brasilien Brasilien