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Deutsch-Polnisches Barometer 2018 - Teil II

Gemeinsam in Europa? Was Deutsche und Polen über Europapolitik denken
Das „Deutsch-Polnische Barometer” ist ein Projekt, dessen Ziel es ist, regelmäßig die Meinungen von Polen und Deutschen zu den deutsch-polnischen Beziehungen sowie den Herausforderungen, vor die die beiden Staaten gestellt sind, zu untersuchen und zu präsentieren. Die Ergebnisse des zweiten Teils des Barometers „Gemeinsam in Europa? Was Deutsch und Polen über Europapolitik denken“ wurden am 20.06.2018 vorgestellt und die Publikation veröffentlicht.

Anschließend diskutierten Vertreter der genannten Einrichtungen die Ergebnisse mit dem Moderator Jakub Janiszewski vom Radiosender TOK FM. Ein dominierendes Thema war die gegenseitige Wahrnehmung auf Ebene der Europapolitik im Gegensatz zu den unpolitischen persönlichen Erfahrungen. Polen würden die deutsch-polnischen Beziehungen häufig vor dem Hintergrund von eigenen Aufenthalten oder denen von Bekannten kommentieren und hätten einen weiter reichenden Begriff von diesen Beziehungen. Deutsche hingegen würden im Wesentlichen auf Informationen aus dem politischen Tagesgeschehen zurückgreifen. An diesem Punkt setzte auch die Erklärung Olaf Wientzeks, Koordinator für Europapolitik bei der Konrad-Adenauer Stiftung, für die sinkende Reputation der Polen in Deutschland an: In den letzten Jahren hätte Polen durch Debatten über den EU-Haushalt, Rechtsstaatlichkeit und die Flüchtlingspolitik in den deutschen Medien einen schweren Stand gehabt. Dies war vor einigen Jahren anders, als die guten Beziehungen zwischen Merkel und Tusk die Nachrichten dominierten.

Die meisten Polen denken hingegen, dass die deutsch-polnischen Beziehungen sich stetig verbessern. Dr. Agnieszka Łada erklärte dies auch damit, dass Polen das Nachbarland häufiger besuchen würden als andersherum. Auf beiden Seiten befürwortet aber eine relative Mehrheit die Vertiefung der gegenseitigen Zusammenarbeit. Ähnlich ist auch die Wahrnehmung europäischer Herausforderungen: Beide Nationen sehen Zuwanderung als das wichtigste Thema.

Allerdings denken 50% der befragten Deutschen, dass Polen zu Spannungen in der EU beiträgt. Deshalb warnte Wientzek davor, dass Deutschland aus Frustration über Probleme auf EU-Ebene anfangen könnte, Lösungsansätze in einem kleineren Kreis zu avisieren.

Auch auf polnischer Seite betonte Dr. Łada, gäbe es immer eine Gruppe die skeptisch gegenüber Deutschland war und ist. Allerdings sei das Deutschland-Bild im Wandel: Während in den Nullerjahren Deutschland als die Essenz des Westens gegolten habe, sei dieses Bild inzwischen realistischer geworden. Dr. Łada: „Viele Polen sehen, dass wir teilweise bessere Straßen und Autos haben.“ Die Lebensstandards hätten sich angenähert.

Die positiven Assoziationen von Polen gegenüber Deutschen seien mit Blick auf die kritischen Stimmen in polnischen Medien trotzdem überraschend. Zukünftig gelte es auf die „grundsätzlich beständige gegenseitige Wertschätzung“ aufzubauen und die Zusammenarbeit in gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Bereichen mit neuer Verve zu intensivieren.

Für weitere Informationen und andere Sprachversionen empfehlen wir einen Besuch der Webseiten unserer Partner: isp.org.pl und koerber-stiftung.de.

Dr. Agnieszka Łada stellt die Ergebnisse des deutsch-polnischen Barometers 2018 vor.
Die Diskussionsteilnehmer am Podium.
Olaf Wientzek bei der Diskussion.