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Mittelmeer – „Mare Nostrum“

von Markus Goller

Ein strategisches Muss für Europa

Alljährlich im September ist die Luft rund um die sizilianische Ortschaft San Vito lo Capo vom Geruch des Couscous in seinen verschiedensten Variationen erfüllt. Es ist die Zeit des „Couscous-Festes“, zu welchem jedes Mittelmeerland eine Mannschaft von Köchen und Gourmets in den Nordwesten Siziliens entsendet.

Diese bereitet eine der jeweiligen nationalen Küche entsprechende Variante des nordafrikanischen Gerichtes zu. Eine Jury aus Gourmets und einfachen Bürgern unterschiedlicher Staaten kürt den Sieger. Umrahmt wird der Wettkampf von kulturellen Veranstaltungen – wie Buchvorstellungen und Konzerten, bei denen Künstler aus dem Mittelmeerraum ihre Werke präsentieren – und einer Messe, bei der Handwerk und Touristiker um Kunden werben. Das Couscous-Fest ist ein Festival des interkulturellen Dialoges und zeigt in vielfältiger Form die kulturellen Gemeinsamkeiten des Mittelmeerraumes auf.

Ist dies eine idealistische romantische Sicht? Ist der Mittelmeerraum ein einheitlicher Kulturraum oder ist dies eine unerreichbare Vision? Die Wirklichkeit zeigt uns häufig ein anderes Bild, das Mittelmeer wird als Grenze zwischen dem christlichen Norden und dem muslimischen Süden wahrgenommen. Die politischen, ökonomischen und sozialen Gegensätze sind groß, einer Gruppe von reichen entwickelten Demokratien im Norden stehen großteils arme, unterentwickelte und nicht demokratische Systeme im Süden gegenüber. Die Unterschiede in der Lebensqualität sollen an einigen Zahlen erkenntlich werden. Laut Fischer-Weltalmanach betrug das BNP/Kopf im Jahr 2006 in Tunesien rund 3200 US-Dollar, in Marokko rund 2200 US-Dollar und in Ägypten nur rund 1600 US-Dollar. Im Norden des Mittelmeers zeigt sich ein anderes Bild, das BNP/Kopf betrug 2006 in Griechenland rund 25.700 US-Dollar, in Spanien 29.300 US-Dollar und in Italien 33.500 US-Dollar.

Die Europäische Union beschäftigt sich seit dem Jahre 1995 im Rahmen des Barcelona-Prozesses intensiv mit dem Mittelmeer-Raum. Ziel dieser Euro-mediterranen Partnerschaft ist es, Frieden und Stabilität in der Region zu sichern und zu stärken. Die Erklärung von Barcelona bestand – in Analogie zum Helsinki-Prozess – aus drei Körben. Der erste Korb umfasst die politische Zusammenarbeit und die Sicherheitspartnerschaft, der zweite Kooperation in Wirtschafts- und Finanzfragen und der dritte Korb die Zusammenarbeit im kulturellen, sozialen und menschlichen Bereich. Die Bilanz des Barcelona-Prozesses fällt eher mager aus. Im Bereich der Sicherheitspolitik konnten aufgrund des Nahost-Konfliktes kaum Ergebnisse erzielt werden. Die Einrichtung einer Parlamtarier-Gruppe im Jahr 2003 war ein erster Schritt zur Schaffung gegenseitigen Vertrauens.

In der ökonomischen Zusammenarbeit hat es einige Fortschritte gegeben, allerdings wurde die Süd-Süd-Integration nicht gefördert. Die Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens haben meist bilaterale Assoziationsabkommen mit der EU geschlossen, wodurch es einen wirtschaftlichen Integrationsprozess unterschiedlicher Geschwindigkeiten gegeben hat. Die Einrichtung einer Freihandelszone bis 2010 im Mittelmeerraum erscheint vor diesem Hintergrund und bei Beachtung der Agrar– und Immigrationspolitik der EU eher unwahrscheinlich. Allerdings sind die Exporte der Mittelmeerländer in die EU angestiegen. Kleine und mittlere Betriebe nördlich und südlich des Mittelmeeres konnten durch Kooperationsabkommen wichtige Kontakte knüpfen. Mit Hilfe des MEDA-Programmes und der Europäischen Investitionsbank wurden darüberhinaus Kredite an verschiedene Mittelmeerländer zum Ausbau ihrer Infrastrukturen vergeben.

Im Bereich des dritten Korbes hat es einige erfolgreiche Initiativen gegeben. Dazu gehört die Einrichtung der Anna-Lindh-Stiftung im Jahr 2003 mit Sitz in Alexandria, welche sich die Förderung des interkulturellen Austausches zum Ziel gesetzt hat. Mittlerweile ist die Stiftung laut eigenen Angaben in 43 Ländern aktiv und hat ein Netzwerk von über 2.000 Organisationen aufgebaut. Die Anna-Lindh-Stiftung nimmt – gemäß einer Deklaration der Kulturminister des EuroMed-Raumes aus dem Jahr 2008 – eine wichtige Rolle in der Kulturpolitik der Euro-mediterranen Partnerschaft ein. Als solche setzt sie sich im Bereich Bildung für Lehrerfortbildung und im Bereich der Zusammenarbeit mit den Medien für die Vermittlung eines positiven Bildes des Mittelmeeres ein, welches das Gemeinsame in den Vordergrund rückt.

Darüberhinaus wurde auf Initiative der EU die erste Euro-mediterrane Universität in Piran (Slowenien) gegründet. Die sogenannate „EuroMed Non-Governmental Platform“ widmet sich den zivilgesellschaftlichen Akteuren im Mittelmeerraum. Im Rahmen des dritten Korbes wurden Initiative zur Erhaltung des Kulturerbes (EuroMed Heritage), ein Programm zur Förderung des Informationsaustausches im Mittelmeerraum (EuroMed Information and Communication programme), ein Jugendprogramm (EuroMed Youth Programme) und ein Gender-Programm (EuroMed Gender Programme) initiiert.

Viele Politiker und Beobachter haben die Ergebnisse des Barcelona-Prozesses als nicht zufriedenstellend bewertet. Aus diesem Grund sollte die EU-Mittelmeerpartnerschaft auf neue Pfeiler gestellt werden. Die Initiative von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy führte im Sommer 2008 zur Gründung der Union für das Mittelmeer. Sie hat die Fortsetzung und Erweiterung des Barcelona-Prozesses zum Ziel. Zunächst sollten – so die Vorstellung Nicolas Sarkozys - nur die Mittelmeeranrainerstaaten beteiligt werden. Dies stieß aber nicht auf ungeteilte Zustimmung in der EU. Auf Drängen von Bundeskanzlerin Merkel wurden daraufhin alle EU-Staaten in die Union für das Mittelmeer eingebunden.

Die Ziele des neuen Partnerschaftsprojektes sind: Wie im Barceolona-Prozess soll ein Raum der Sicherheit, des Friedens und der Stabilität geschaffen werden. Die Gründungserklärung hebt vor allem Aspekte der Sicherheits- Wirtschafts- und Umweltpolitik hervor. Die Europäische Union hat ein existentielles Interesse an Frieden und wirtschaftlicher Entwicklung in der Region. Eine Destabilisierung der Region und wirtschaftliche Probleme würden sich unweigerlich negativ auf die Staaten nördlich des Mittelmeers auswirken. Soziale und menschliche Aspekte werden – wie in der Barcelona-Deklaration – eher am Rande angesprochen.

Das Gründungsdokument vom 13.Juli 2008 sieht die Einrichtung einer zweijährig wechselnden Ko-Präsidentschaft vor, wobei ein Präsident aus einem EU-Mitgliedsstaat und der andere aus einem Nicht-EU-Mitgliedsland kommen soll. Der Vertrag sieht darüber hinaus die Einrichtung eines Sekretariats als Exekutivorgan und eines ständigen Komittees vor, welches die Arbeit des Sekretariats überprüft. Laut Berichten des Fernsehsenders Arte wurde bislang nur die Ko-Präsidentschaft (Frankreich und Ägypten) eingerichtet. Die Finanzierung der Union für das Mittelmeer soll hauptsächlich über die Europäischen Nachbarschafts- und Partnerinstrumente erfolgen, daneben sollen auch die Nicht-EU-Mitglieder und andere internationale Organisationen zur Finanzierung beitragen. Laut Arte haben die EU-Staaten 20 Milliarden Euro für die Finanzierung genehmigt, dies reiche aber bei weitem nicht für die Projekte, welche die Union in Angriff nehmen möchte.

Auch die demografische Entwicklung macht die Union für das Mittelmeer und die Euro-mediterrane Partnerschaft zu einer dringenden Aufgabe. Nördlich des Mittelmeers leben vorwiegend alternde Gesellschaften. Sie weisen eine stagnierende oder rückläufige Entwicklung ihrer Bevölkerung auf. Südlich des Mittelmeers ist die Entwicklung umgekehrt. Hier finden wir insbesondere junge Gesellschaften mit hohen Bevölkerungswachstumsraten. Zieht man zusätzlich in Betracht, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den südlichen Ländern des Mittelmeers stagniert, wird die Notwendigkeit, heute in diese Volkswirtschaften zu investieren und ihre Entwicklung zu fördern, offenbar. Andererseits bietet der Mittelmeerraum auch große Chancen für die Europäische Union. Mit 450 Millionen Menschen in 24 Ländern eröffnen sich - wirtschaftliche Reformen im Süden vorausgesetzt – neue Wachstumsmärkte. Auch die Rohstoffe in Nordafrika (Gas in Algerien, Erdöl in Libyen) könnten die Europäische Union dem Ziel der Diversifikation ihrer Rohstoffquellen näherbringen.

Als Vorbild der Mittelmeer-Zusammenarbeit wird immer wieder die Kooperation im Ostseeraum erwähnt. Daran ist richtig, dass der Ostseeraum heute ein beispielloses Erfolgsmodell ist. Wirtschaft und Handel blühen und davon profitieren alle Anrainerstaaten. Wer dafür aber rein ökonomische Gründe sieht, irrt. Wahrscheinlicher ist, dass der Erfolg eine immaterielle kulturelle Basis hat. Hanse, lübisches Recht sowie der nordische Protestantismus haben den Humus geschaffen, auf dem Verstehen, Vertrauen und darauf aufbauend Recht als Ausdruck einer gemeinsamen Gesinnung, Gesittung und Tugenden wuchsen. Diese waren dann die Grundlage für erfolgreichen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Nennt man also die Ostseeregion als Vorbild, so muss man auch die Frage nach den kulturellen Grundlagen der Mittelmeerregion stellen. Gibt es eine solche gemeinsame Kultur im Mittelmeerraum? Unbestritten ist, dass es eine solche Kultur, Stabilität, Frieden und gemeinsames Recht gab. Das „Mare Nostrum“ war Zentrum eines Weltreiches, einer gemeinsamen Kultur. Es war möglich, das Mittelmeer frei von Grenzen zu bereisen, es gab einheitliches Recht, eine einheitliche Währung und einen einheitlichen „Pass“. Kulturelle Impulse kamen aus allen Ecken des Mittelmeeres, vermischten sich und schufen ein Ganzes. Literaten und Philosophen kamen aus Griechenland und Italien, aus Spanien und Nordafrika. Eine gemeinsame Kultur hatte sich bereits gebildet bevor das Römische Reich entstand. Der Hellenismus war die globale Kultur dieser Welt. Es gab einen mediterranen Menschen, einen mediterranen Lebensstil, wie ihn der große Mittelmeerexperte Fernand Braudel beschreibt.

Das Ende dieses „Mare Nostrum“ wird vielfach mit dem Aufkommen des Islam im Osten und Süden des Mittelmeerraumes begründet. Dagegen wehrt sich der Historiker Andrea Riccardi. In seinem Werk „Cristianesimo ed Islam tra coabitazione e conflitto“ versucht er deutlich zu machen, dass es eine Kultur des Zusammenlebens zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen geben kann.

Kann das Mittelmeer also wieder werden, was es war? Kann aus der Wiege Europas ein neuer Phoebus wachsen? Kann es einen homo mediterraneus wieder geben? Und was kann bzw. muss getan werden? Kann man das Mittelmeer „neu denken und eine Kultur der Verständigung und der Toleranz entwickeln? Der „homo mediterraneus“, der daraus entstehen könnte, würde Einflüsse aller drei großen Zivilisationen, die im Mittelmeer aufeinander treffen, der römisch-katholischen, der griechisch-orthodoxen und der muslimischen Konfession, vereinen. Er wäre – wie Edgar Morin sagt – nicht geradlinig, sondern auf Dialog ausgerichtet und nähme Ergänzendes und Widerstreitendes gleichermaßen wahr. Er wäre Kosmopolit und das Mittelmeer wäre ein polizentrischer Raum, der sich nicht auf einen Endzustand hin entwickelt, sondern durch einen Prozess des Wechsels geprägt wäre. Dies würde zwar nicht das Ende von Konflikten und Auseinandersetzungen bedeuten, aber diese würden in friedlicher Form ausgetragen und aus dem friedlichen Wettbewerb würden neue Kraft und Erkenntnisse entstehen. Es wäre nicht ein Raum des ewigen Friedens, aber er könnte ein Raum der Kreativität, der Dynamik und der Prosperität werden.

Erforderlich dafür wären neben dem Wirtschaftsraum u.a. ein kultureller Raum. Tugenden, welche dem homo mediterraneus eigen waren, müssten wiederentstehen. Zu diesem Zweck muss Europa die gemeinsame kulturelle Grundlage stärker fördern und auf das Verbindende aufmerksam machen.

Allen funktionierenden Gemeinschaften ist eigen, dass sie ein Mindestmaß an Gemeinsamkeiten haben müssen. Sprache, Kultur, Geschichte, gemeinsame kulturelle Erinnerungen („Erzählungen“, „Mythen“, „Gründungsmythen“), die solide Grundlage für Kooperation in Wirtschafts- und Rechtsfragen bilden. Ein solcher Kulturdialog muss mehrere Ebenen umfassen.

1. Die zwischenstaatliche Ebene, wobei Außen- und Kulturminister eine gemeinsame Strategie des kulturellen Dialoges erarbeiten müssen. Die Kulturminister der Mitgliedsländer der Euro-Med haben bei einem Treffen im Mai 2008 die Formulierung einer derartigen Strategie als wichtiges Ziel festgelegt.

2. Es muss zu einem Austausch zwischen Bildungsinstitutionen und der Erstellung von Lehrbüchern kommen, die objektiv berichten, die gemeinsame Geschichte der „Heimat“ Mittelmeer darstellen und mehr Nachdruck auf das Verbindende als auf das legen. Universitäten sind „key institutions“ bei der Entwicklung von Identitäten und daher ist die erfolgte Gründung einer gemeinsamen Euro-mediterranen Universität ein erster wichtiger Schritt. Darauf könnte die Einführung von Curricula für den Unterricht der gemeinsamen Geschichte des Mittelmeerraumes folgen, welche die Bedeutung des kulturellen Erbes aufzeigen. Eine stärkere Verknüpfung des Erasmus-Programms mit den Universitäten und Studenten innerhalb der Mittelmeerkooperation wäre wünschenswert. Die Förderung des Sprachunterrichts rundet dieses Bild ab.

3. Völkerverständigung und Kulturdialog können nicht von oben per Dekret festgelegt werden, sondern sie müssen von unten nach oben wachsen. Noch vielfältigere Formen des kulturellen Austausches zwischen den Völkern des Mittelmeerraumes müssen entwickelt werden. Dazu gehören Städtepartnerschaften, gemeinsame Feste, Schüler- und Studentenaustauschprogramme oder gemeinsame Kulturprogramme. Den Intellektuellen und Künstlern käme dabei eine besondere Rolle zu. Sie könnten dazu beitragen, eine gemeinsame Dichtung, Literatur, Musik und bildende Kunst, einen gemeinsamen Kulturkanon, entstehen zu lassen.

Ein einheitlicher Kulturraum sollte weniger das Ergebnis staatlicher Kulturförderung sein, sondern vor allem ein Projekt der Zivilgesellschaft mit neuen Formen regionaler Zusammenarbeit. Wenn man ein solches bürgerschaftliches Mittelmeer neu denkt, wäre es subsidiär, multikulturell, tolerant, dezentral und multipolar.

Auch die Religion muss kein trennendes Element sein. Wichtig ist, mehr voneinander zu wissen, Vorurteile abzubauen. einen Dialog auf der Grundlage der Achtung voreinander zu führen. Es geht nicht um die Expansion der eigenen Religion, sondern um die Achtung und Wertschätzung der jeweiligen Andersartigkeit. Religionswissenschaftler und Theologen sollten das Gemeinsame herausarbeiten und dazu beitragen, dass das Andersartige verstanden und akzeptiert wird.

Die EU tut gut daran, mit konkreten Projekten zu beginnen, zum Beispiel gemeinsamen Programmen zum Umweltschutz, Erhalt und Pflege der mediterranen Pflanzen- und Tierwelt. Die mediterrane Landschaft gehört zu den schützenswerten Gemeinsamkeiten. Man könnte sagen, dass das gesamte Mittelmeer ein „Weltnaturerbe“ ist, das aber auch von allen gemeinsam geschützt werden kann. Eine nachhaltige und die Umwelt schonende Wirtschaftsethik muss sich durchsetzen.

Der Mittelmeerraum könnte auch ein Raum der Innovation und der Wissenschaft werden. Früher haben Staaten Kriege um Territorien geführt, heute kommt es auf die „Brains“ als wichtigste Ressource an. Staaten müssen fähig sein, ein Umfeld zu schaffen, in welchem Innovation gefördert und deren Erträge der Allgemeinheit zu Nutze kommen können dazu gehört u.a. die Wissenschafts- und Forschungszusammenarbeit.

Die besondere Betonung der Kultur soll natürlich nicht bedeuten, dass Kooperation in Wirtschaftsfragen und Förderung von Handel zwischen Nord und Süd aber keinesfalls eine nur marginale Bedeutung hat. Das Gegenteil ist der Fall, Europa muss die wirtschaftliche Entwicklung im Süden und Osten des Mittelmeeres fördern, um die sozialen Gegensätze zu verringern. Gerade dies ist ein wichtiger Beitrag für die Schaffung eines Raumes der Sicherheit und des Friedens. Dabei sind Wirtschaft und Handel pragmatische am Eigeninteresse orientierte Ansätze, die nicht zwangsläufig zu einer wahren Völkerverständigung führen. Außer korrelierender Eigeninteressen hält die Partner nichts zusammen. Auf einer wirtschaftlichen Basis kann nur schwer Vertrauen erwachsen.

Noch sieht die Realität anders aus. Das größte Hindernis für die Ausnützung der Chancen des Mittelmeerraumes ist der Nahost-Konflikt. Israel muss mit seinen Nachbarn eine neue Form des Dialogs finden, damit eine positive Entwicklung eingeleitet werden kann. Israels Nachbarn müssen erkennen, dass Frieden im Nahen Osten eine „win-win-Situation“ bedeutet. Israel könnte für seine Nachbarn eine Chance für wirtschaftlichen Erfolg im Wissens- und Forschungssektor sein, von dem die gesamte Region profitieren könnte. Die Verschiedenheit der Religionen ist leider noch nicht zu einer kreativen und dynamischen Vielfalt geworden. Aber es gibt auch erste Fortschritte, so haben Syrien und der Libanon bei der Gründungskonferenz der Union für das Mittelmeer beschlossen, die bilateralen Beziehungen zu normalisieren.

Der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, Claudio Magris, hat anlässlich der Preisverleihung gesagt: „Jedes Land hat seinen Osten, den es abzuwehren gelte.“ Die Europäische Union muss verhindern, dass der südliche Teil des Mittelmeers zum „neuen Osten“ der EU wird. Früher war der Rhein die umkämpfte Grenze, heute darf das Mittelmeer nicht zu einer neuen Grenze werden.

Es liegt nun an der Europäischen Union und ihren Hauptakteuren, ob sich eine Politik der Verständigung und des kulturellen Dialoges entwickeln kann. Die Konrad-Adenauer-Stiftung beteiligt sich aktiv an dieser Diskussion und greift das Thema „Mittelmeer – Mare Nostrum“ im Rahmen einer dreiteiligen Veranstaltung auf, welche sich mit Zukunftsfragen der Europäischen Politik beschäftigt. Das Mittelmeer muss wieder zu einem Raum des Austausches und des Dialoges werden, es darf nicht als Grenze zwischen zwei oder drei Kulturräumen werden, sondern muss zu einem Zentrum dieser werden. Nicht zuletzt im globalen Wettbewerb wäre ein solches Zusammengehen ein Muss. Dafür ist ein „neues Denken des Mittelmeers“ nötig. Dieses zu fördern setzt sich die Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen ihrer Konferenz am 29.Oktober 2009 in Rom zum Ziel.

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Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

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Berlin Deutschland