Ein gesamtdeutscher Politiker
Bernhard Vogel hat ein Stück deutscher Geschichte geschrieben.
Der CDU-Politiker, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird, ist der
einzige Deutsche, der in zwei Bundesländern - Rheinland-Pfalz und
Thüringen - Ministerpräsident war.
"Gott schütze Rheinland-Pfalz". Das war der donnernde
Schlussakkord, mit dem er an einem Novemberabend 1988 seine
letzte Rede als CDU-Chef und als Ministerpräsident des
Bundeslandes beendete. Aufstrebende junge CDU-Politiker hatten
den Aufstand geprobt und ihren Frontmann abgesägt - seit dem
Königsmord siechen sie führungsschwach dahin.
Der Mainzer Landesvater aus der Garde um Helmut Kohl hatte sein
Comeback 1992 in Thüringen. Nach Erfurt soll er 1992 ohne
Schlafanzug oder Zahnbürste gekommen sein. Als Feuerwehrmann für
eine kriselnde Landes-CDU. Sie ging 2003 eleganter mit dem
Ministerpräsidenten um. Seinem Nachfolger Dieter Althaus
hinterließ Vogel ein trotz aller wirtschaftlichen Probleme
aufblühendes Land.
Nach wie vor gilt: Gerade bei Werte- oder Bildungsdebatten kann
der studierte Politikwissenschaftler zur Hochform auflaufen.
Vogel verkörpert, wie auch sein sechs Jahre älterer
sozialdemokratischer Bruder Hans-Jochen, einen heute seltener
werdenden Politiker-Typ. Er setzt auf Klugheit und Kompetenz,
nutzt nicht jedes Mikrofon. Es müsse selbstverständlich sein,
dass Politiker unterschiedlicher Couleur andere Meinungen ernst
nähmen, ohne dem Gegenüber immer gleich Versagen oder böse
Absichten zu unterstellen, meinte Bernhard Vogel einmal.
Das gilt auch für seine kirchliche Karriere: Denn bevor Vogel an
die Spitze eines Bundeslandes trat, wurde er 1972 - mit nicht
einmal 41 Jahren - für vier Jahre Präsident des Zentralkomitees
der deutschen Katholiken (ZdK). Bis heute gehört er dem
Laiengremium an, niemand ist länger dabei als der gesamtdeutsche
CDU-Mann mit dem Erstwohnsitz Speyer.
"Jede Kritik an der Kirche trifft mich auch ein bisschen selber",
sagt Vogel. Dabei war er beim Streit um die
Schwangerenkonfliktberatung in katholischer Trägerschaft in den
1990er Jahren Partei, stritt für den Verbleib im gesetzlichen
Beratungssystem, reiste dafür auch in den Vatikan. Und als die
Kontroverse entschieden war, gehörte er zu den
Gründungsmitgliedern der Stiftung "Donum Vitae", die sehr zum
Unwillen des Papstes weiter innerhalb des staatlichen
Konfliktberatungssystems bleibt und auch den umstrittenen
Beratungsschein ausstellt.
Die Bibel, so Vogel in einem Interview, gebe kein politisches
Programm vor. Und der Glaube lasse den Laien die Freiheit, zu
handeln und zu entscheiden, sei aber "keine Dienstanweisung für
die Politik in Deutschland im 21. Jahrhundert". Für seine Partei
sei das "C" im Namen stets Verpflichtung und nie Anspruch
gewesen. Ein Thema, das in diesen Tagen mal wieder hochkocht.
Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, "seine" Stiftung, der er
von 1989 bis 1995 vorstand und die er erneut seit 2001 leitet,
ehrt ihren Vorsitzenden im Februar mit einem internationalen
Symposium zum Thema "Das Gemeinwohl in einer globalisierten
Welt". Zum Abschluss will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel
sprechen. Das passt zu Vogel. Ob als Ministerpräsident in
Rheinland-Pfalz oder Thüringen, ob als Spitzenpolitiker oder als
engagierter Laienkatholik - über seine Partei hinaus ist er ein
Streiter für das Gemeinwohl.
Christoph Strack (Katholische Nachrichten-Agentur)