Leichtgläubig

Ayyub Köhler will Frieden. So einen Frieden, wie ihn 1555 die Protestanten in Augsburg erlangten, nämlich einen Religionsfrieden, der ihre Glaubensgemeinschaft erstmals als den anderen gleichberechtigt anerkannte. Köhler, Vorsitzender des Koordinierungsrat der Muslime unterbreitet seine Mission dem skeptischen Publikum des Evangelischen Kirchentags, allen voran EKD-Präsident Wolfgang Huber. Sein Auftritt ist der des kleinen Glaubensbruders, der lediglich erbittet, was er den anderen zu geben längst bereit ist. Dass die Religionsfreiheit, die er für den Islam beansprucht, gerade von seinen Glaubensgenossen blutig missachtet wird, sagt er nicht. Dass die „freie“ Glaubensausübung für die weiblichen Muslima zumeist mit Unterordnung, oft mit Unterwerfung verbunden ist, auch darüber möchte Köhler hier nicht sprechen. Im Gegenzug dafür liefert er sich mit Huber rhetorische Spiegelgefechte. Sie zwingen sich gegenseitig in den schon blank gewetzten Sprachharnisch aus Absichtserklärungen und prinzipiellem Wohlwollen. Das bringt niemanden weiter, passt aber zum Gestus der Veranstaltung: „Wir haben uns immerhin bemüht“, ist das schulterzuckende Fazit. Dass diese Resignation vor der Andersartigkeit der gegenüberstehenden Religion in die blanke Abgrenzung führen kann, dafür ist auch der von Köhler gewünschte Augsburger Religionsfrieden bekannt: Die damalige Kompromissformel, das, wer das Land regiert, auch die Religion bestimmt, kann in unserer Situation doch nur heißen: Nicht Toleranz und common sense definieren dann die Hoheitsrechte der Religionen, sondern machtpolitisches Kalkül.

Britta Voß

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