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Widerstand in Deutschland und Italien

Widerstand in Deutschland und Italien

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Widerstand in Deutschland und in Italien

Hat es noch Sinn, sich ungefähr 70 Jahre später mit der Widerstandsbewegung in Deutschland und in Italien auseinanderzusetzen?

Bekannterweise ist der Widerstand in beiden Ländern als grundsätzlich verschieden aufzufassen: nämlich als Ausdruck persönlichen Heldentums und moralischen Aufbegehrens in Deutschland und als Volksbewegung gegen das Regime und seine Werte in Italien. Während in Italien der Widerstand wiederholt als Kampf mit den Waffen und Befreiungskrieg gegen Deutschland und als heroischer und kathartischer Moment des sich gegen die Diktatur aufbäumenden Nationalbewusstseins erforscht und gefeiert wurde, geriet er in Deutschland auf eine lange Zeit in Vergessenheit. Deshalb sprach man auch von einer völligen Abwesenheit einer Widerstandsbewegung gegen das Regime, ja von einer Art ‚stillschweigender Duldung’, die insbesondere während der unmittelbaren Nachkriegsjahre die Vermutung einer kollektiven Verantwortung des deutschen Volkes hinsichtlich des Nationalsozialismus nahelegte.

Heute ist der Widerstand wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Geschichtsschreibung und der öffentlichen Debatte gerückt. In Italien kam es zur Bildung der so genannten „Zweiten Republik“ mit dem Umsturz der gesamten, aus der Zeit nach dem Faschismus hervorgegangenen politischen Klasse als Trägerin des Widerstandsgedächtnisses. Das hat zur Wiederaufnahme der Debatte beigetragen und erneut Fragen über den Widerstand selbst aufgeworfen, wobei nunmehr Meinungen bezweifelt wurden, die schon endgültig in das historische Erbe des Landes eingegangen zu sein schienen. In Deutschland hat sich aus den neuesten Untersuchungen ergeben, dass der deutsche Widerstand zum wesentlichen Bestand der deutschen und europäischen Geschichte gehört und nicht nur mit der endgültigen Krise des Hitlerregimes verbunden war.

Schwerpunktthema dieses ersten Treffens sind also die Untersuchung der Erfahrung des Widerstands, die Rolle der Partisanen, des Militärs, der Politiker und der Bevölkerung in Italien; das Heldentum der an die Gruppe der Weißen Rose angeschlossenen Jugendlichen, die geistliche Obrigkeit (beispielhaft dafür die Haltung des Bischofs von Münster, Clemens August von Galen), die Haltung der Politiker und der Offiziere, die den Anschlag vom 20. Juli 1944 verübten und die unterschiedlichen Widerstandsformen der deutschen Bevölkerung. Außerdem sollen die Beziehungen der italienischen und deutschen „Widerstandsbewegungen“ untereinander und mit den Alliierten untersucht werden. Insbesondere soll der Versuch angestellt werden zu ergründen, ob und wie die fraglichen Erfahrungen die deutsch-italienischen Beziehungen in den beiden Jahren der „Zäsur“ - d.h. das Ende der Rom-Berlin-Achse – beeinflussten, die eine Zeitlang den Anschein erweckte, als würde sie sich über die diplomatischen Grenzen hinaus im kollektiven Gedächtnis der Italiener und Deutschen einprägen.

Durch die Untersuchung der mit dem Widerstand verbundenen Ereignisse in beiden Ländern lassen sich also die Phänomene des Nationalsozialismus und des Faschismus erklären und werden die Grundlagen besser verständlich, von denen aus die Neubegründung der Demokratie in Italien und Deutschland erfolgte, die in Bälde die Bildung einer „neuen besonderen Beziehung“ ermöglichte.

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Veranstaltungsort

Lumsa - Sala Giubileo, Rom - Via di Porta Castello, 44

Referenten

  • Joachim ScholtyseckMassimo De Leonardis

    Publikation

    Adenauer e De Gasperi: Una relazione particolare
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    Adenauer und De Gasperi: Ein besonderes Verhältnis: Eine Vorlesungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung und der LUMSA
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    Kontakt

    Patricia Liberatore

    Patricia Liberatore bild

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