Veranstaltungsberichte

"Erfahrungen. Konzepte. Perspektiven."

von Maja Eib

Ein Beitrag zuraktuellen Integrationsdebatte

Vortrag

Für die Konrad-Adenauer-Stiftung sind Fragen der Integrationspolitik eines der zentralen Themen ihrer vielfältigen Arbeit. Aus diesem Grund bietet das Bildungswerk Erfurt seit vielen Jahren insbesondere im Rahmen der interkulturellen Woche Ende September öffentliche Veranstaltungen zu dem Thema an.

Integration ist eine politische und gesellschaftliche Querschnittsaufgabe von großer und vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in Deutschland sogar von wachsender Bedeutung, die im Bewusstsein der politischen Akteure und der Bevölkerung gerade in jüngerer Zeit eine erhebliche Dynamik erfahren hat. Bei der Bewertung, wie es in Deutschland um die Integration bestellt ist, gehen allerdings Wirklichkeit und Wahrnehmung häufig weit auseinander.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch die Leiterin des Bildungswerkes Erfurt, Maja Eib richtet Staatssekretär Bernhard Rieder ein kurzes Grußwort an die Teilnehmer. Das Thüringen Innenministerium ist gleichfalls auch das Integrationsministerium, so die Eingangsworte Rieders. Trotz aktuell der noch sehr geringen Zahl an Menschen mit Migrationshintergrund in Thüringen lege man auf das Thema Integration schweres Gewicht. Gleichfalls gilt es die Zahlen zu relativieren und die einzelnen Personengruppen mit Migrationshintergrund differenziert zu betrachten. Hierfür zitierte er die Definition „Menschen mit Migrationshintergrund“ des Bundesamtes für Statistik. Ferner stellte er vorangehend zu seinen folgenden Ausführungen die Frage „Was muss, was kann man für Integration tun?“. Drei für ihn wesentliche Bereiche stellte er vor: 1. Sprache als Schlüssel zur Integration, 2. Berufliche Perspektiven, 3. Identifikation mit der Gesellschaft – Wohlfühlen. Rieder plädierte für einen frühzeitigen Kindergartenbesuch von Migratenkindern um die Sprachfähigkeiten zu verbessern. Gleichfalls lobte er die Hilfestellungen über Partnerschaftsprogramm die heute schon oft gelebt werden und den Kindern im schulischen Bereich über eine Hausaufgabenbetreuung ect. helfen sich besser zu integrieren. Dennoch, und dies machte er auch deutlich, muss ein Wollen auf beiden Seiten zur Integration da sein.

Dr. Stefan Luft skizzierte am Anfang seines Vortrags wie der Niederlassungsprozess der „Gastarbeiter“ seit Mitte der 1970er Jahre in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Dabei machte er deutlich, wie die ethnisch-sozialen Konzentrationen in einzelnen Stadtteilen zu ersten Abwehrreaktionen („Zuzugssperren“) führten und Debatten um den Integrationswillen der Gäste, die nicht gehen wollten entstanden. Kaum wahrgenommen wurden die Ansätze, mit denen die historische und sozialwissenschaftliche Forschung Bedingungen und Einflussfaktoren des Wanderungs- und Integrationsgeschehens erklärte, so seine Kritik. „Medien und Politik suchten Publikumswirksamkeit in der Skandalisierung.“, so Luft. So krankt seiner Meinung nach wie vor die öffentliche Debatte bis heute daran, dass es an einem Verständnis dieser sozialen Prozesse mangelt. Am Beginn seines Beitrags standen Erläuterungen zur Bedeutung ethnischer Kolonien und einer weitgehenden „institutionellen Vollständigkeit“ in einzelnen Stadtteilen, die Rolle der Größe der Gruppe der Zuwanderer und die „Mobilitätsfalle“. In seinem zweiten Teil wurden Formen und Konsequenzen ethnisch-sozialer Konzentrationen in den Städten beschrieben und diskutiert. Einen weiteren Schwerpunkt nahmen in Luft´s Vortrag die sozioökonomischen Rahmenbedingungen für Integration ein. Dabei wurde deutlich, dass dabei Integration stets ein wechselseitiger Prozess zwischen den Eingewanderten und der Aufnahmegesellschaft ist, von dessen Gelingen sowohl die Einheimischen als auch die Neubürger abhängig sind. Der Zusammenhalt einer Gesellschaft manifestiert sich vor allem über die Akzeptanz von Verfassung und Recht, über Kultur und Heimat, über Bildung und historische Vergewisserung, über wirtschaftliches Wohlergehen und nicht zuletzt gemeinsame Zukunftsvorstellungen. Sein Vortrag endete mit Anmerkungen zu politischen Kontroversen um die Integration von Zuwanderern und zum aktuellen Integrationsdiskurs.

In der anschließenden Diskussion interessierte die Zuhörer insbesondere Fragen des Demographischen Wandels und erfolgreicher Fachkräftewerbung, Rahmenbedingungen für gleiche (Bildung-)Chancen, Sprachfähigkeit und Teilhabe, die Dr. Luft offen und realistisch beantwortete.

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Über diese Reihe

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erscheinungsort

Erfurt Deutschland