Veranstaltungsberichte

„Nehmt die Chancen, die euch gegeben werden, wahr“

Motivationstraining einmal anders: Erfolgsgeschichten mit Hindernissen

Vor allem Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln wird oftmals vorgehalten, sie hätten kein Ziel vor Augen. Um Vorurteile und Berührungsängste abzubauen, diskutierten rund 200 Sekundarschüler aus Berlin unter dem Motto „Mach Dein Ding“, mit Migranten, die heute in ihrem Beruf erfolgreich sind. Sezen Tatlici-Ince, gründete Ende 2010 mit Freunden den Verein „Typisch Deutsch e.V., dessen Ziel es ist, die Gesellschaft gemeinsam zu gestalten. Die Jugendlichen sollen ermutigt werden, etwas zu erreichen und sich nicht unterkriegen zu lassen.

Der freikirchliche Pastor Joshua Lupemba, mit 25 Jahren der jüngste Pastor Berlins, der von sich selbst sagt, er habe „nur“ einen erweiterten Hauptschulabschluss erklärte: „Ich lerne besser, wenn ich Dinge praktisch mache, deshalb habe ich mich in der Schule schwer getan.“ Man müsse bereit sein, sich selbst zu bilden. Vor allem in der Begegnung mit anderen, könne man viel lernen. Früher war Lupemba der Meinung, alle seien gegen ihn, „aber wir machen uns das Leben oft selbst schwer.“

Der Berliner Musiker Jalil musste erst tief fallen, um dies zu begreifen. Seine Mutter hatte ihn wegen einiger Polizeidelikte vor die Tür gesetzt. Daraufhin hat er vier Monate auf einer viel zu kleinen Couch im Büro eines Freundes geschlafen. „Als ich dann auch noch erfahren habe, dass ich Vater werde, wusste ich: Jetzt muss ich mein Leben selbst in die Hand nehmen.“ Er hat es grundlegend geändert. Sein Musikstil hat sich vom Gangsterrap zu tiefgründigem Deutschrap gewandelt, daher auch der Name seiner CD „Sinneswandel.“ Man müsse anfangen die Schuld bei sich selbst zu suchen. Gerade Jugendliche mit ausländischen Wurzeln fühlten sich oft missverstanden oder benachteiligt, dabei würden sie den Leuten oftmals Anlass dazu geben. Jalil hielt fest: „Gewalt provoziert nur Gegengewalt.“

Sami Tahtah, heute Immobilienmakler, hat von ganz unten angefangen. Als Autowäscher musste er jeden morgen um sechs Uhr am Flughafen sein, acht, neun Stunden Autos schrubben. Irgendwann wusste er, dass er das nicht für den Rest seines Lebens machen möchte. Es folgte ein unbezahltes Praktikum in einem Berliner Luxus-Fitnesscenter, dort eine Ausbildung. Er sei stolz auf dass was er erreicht habe. Als er der einzige Nicht-Akademiker, bei einem Managment Trainee Programm war, habe er gewusst: „Wenn du ein Ziel hast, dann erreichst du es auch, ihr dürft euch nur nicht unterkriegen lassen.“

Auf die Frage eines Schülers, warum er typisch Deutsch sei, antwortete er: „Ich spreche die Sprache, ich bin hier groß geworden und vor allem bin ich Deutschland dankbar dafür, dass ich in einer der reichsten Nationen der Welt meinen Weg gehen kann.“

Sezen Tatlici-Ince, deren Eltern aus der Türkei stammen, ist Vorsitzende des multikulturellen Vereins Typisch Deutsch e.V. „Mich hat es immer gestört, wenn Leute gesagt haben „Du sprichst aber gut deutsch“, so Tatlici-Ince. Ihre Eltern, sind im Kindesalter nach Deutschland gekommen, sie fühle sich genauso deutsch wie jeder Deutsche. Auch die Aussagen, sie sei dumm, weil ihre Eltern keine Akademiker seien, haben sie zutiefst verletzt. Die Leute würden viel zu schnell urteilen. Die Betriebswirtin, die in den USA und Dubai gearbeitet hat, machte den Schülern klar, dass sie keinen Anlass geben dürfen, die Vorurteile gegenüber Ausländern zu bestätigen. Als ein Schüler sagte, er habe aufgrund von Sarrazins Äußerungen und den Dönermorden Angst in Deutschland zu leben, entgegnete sie: „Schlimmes gibt es überall, in jedem Land. Wir müssen uns auf das Positive konzentrieren. Nehmt die Chancen, die euch gegeben werden, wahr.“

Bereitgestellt von

Bildungsforum Berlin

Über diese Reihe

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Berlin Deutschland