Veranstaltungsberichte

„Wir werden seiner nicht vergessen…“

Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag des Volksaufstands in der DDR
Am Vormittag des 17. Juni 2018 lud das Politische Bildungsforum Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung mit der Landeshauptstadt Dresden zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung in das Rathaus Dresden ein. Unter dem Titel „Getrennte Vergangenheit – Gemeinsame Zukunft?“ wurde der Ereignisse von 1953 und 1968 erinnert.

Detlef Sittel, der erste Bürgermeister der Stadt Dresden, eröffnete die Gedenkveranstaltung mit den Worten Konrad Adenauers. Wenige Tage nach der Niederschlagung des Volksaufstandes sprach der damalige Bundeskanzler bei der Trauerfeier für die Opfer vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin:

„Das ganze deutsche Volk hinter dem Eisernen Vorhang ruft uns zu, seiner nicht zu vergessen, und wir schwören ihm in dieser feierlichen Stunde: Wir werden seiner nicht vergessen. Wir werden nicht ruhen und wir werden nicht rasten - diesen Schwur lege ich ab für das gesamte deutsche Volk -, bis auch sie wieder Freiheit haben, bis ganz Deutschland wieder vereint ist in Frieden und Freiheit.“

Diese Sätze Adenauers sollten erst 36 Jahre später in Erfüllung gehen. Besonders vor diesem Hintergrund sei die Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR wichtig, so Sittel. Gerade in Dresden habe der 17. Juni eine starke symbolische Kraft, da in den letzten Jahren die Bürger der Stadt immer wieder leidenschaftlich gesellschaftlich relevante Themen debattierten. Im Sinne von Max Frisch müsse man eine Krise auch als einen produktiven Zustand betrachten und ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Nach dem Grußwort führte Dr. Joachim Klose, der Leiter des Politischen Bildungsforums Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung in die Thematik ein und stellte die Referenten vor. Zunächst sprach Dr. Erhardt Neubert, um die Perspektive auf 1953 und 1968 aus ostdeutscher Sicht zu erläutern. Dabei hob er hervor, dass trotz der Niederschlagung des Aufstands die Geschichte von Opposition, Widerstand und Flucht ununterbrochen bis 1989 weiterging. Im Weiteren beschrieb Neubert auch die Rezeptionsgeschichte des 17. Juni. So hätten viele Schriftsteller und Politiker wie Stefan Heym und Willy Brandt zeitgenössische Interpretationen über den Aufstand verfasst. Im Laufe der Jahre habe dieser jedoch eine Abwertung erfahren. Erst Helmut Kohl führte 1982 im Bundestag wieder die Erinnerung an den 17. Juni ein. Zum Abschluss schilderte der Referent noch einige seiner persönlichen Erfahrungen aus dem Jahr 1968 und erläuterte, welche Auswirkungen der Prager Frühling auf die Gesellschaft in der DDR hatte.

Prof. Dr. Eßbach, Soziologe aus Freiburg, stellte das Jahr 1968 stärker in den Fokus seiner Ausführungen. Der Mythos 1968 sei erst in den 80er Jahren konstruiert wurden. In diesem Kontext sei man weg von der düsteren Blutspur und habe nur die helleren Seiten des Aufbruchs thematisiert. Eßbach bezeichnete diese Entwicklung als Romantisierung und Vergemütlichung der 68er-Bewegung. Wichtig sei es, dass in der öffentlichen Wahrnehmung auch wieder die heterogenen und widersprüchlichen Tendenzen stärker betont werden. Die einzelnen Gruppen seien untereinander tief verfeindet gewesen und hätten unterschiedliche Weltvorstellungen besessen. „Der Kit, der den Haufen zusammenhielt, war der Neoimperialismus der USA und die Angst vor der Wiederkehr des Faschismus“ führte Prof. Eßbach aus.

In einer abschließenden Diskussionsrunde hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Anmerkungen zu äußeren. So wurde beispielsweise danach gefragt, wie die „Blutspur des Terrorismus“ verarbeitet wurde. Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg, ein Dresdner Soziologe, der im Publikum saß, veranschaulichte die Bedeutung des 17. Juni mit einer starken Metapher:

„Der 17. Juni 1953 ist wie ein Sprung in einem Wasserglas. Man konnte noch daraus trinken, aber es klang nicht mehr.“

Über diese Reihe

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