Veranstaltungsberichte

Bildung und Wissenschaft als Fundamente moderner Gesellschaften

Im Rahmen der Deutschen Woche 2012 an der Tongji Universität organisierte die KAS | Shanghai am 23. Mai gemeinsam mit dem Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg CDHK eine Vortragsveranstaltung mit Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio über die Rolle von Bildung und Wissenschaft in modernen Gesellschaften.

In seinem Vortrag erläuterte Professor Dr. Dr. Udo Di Fabio, Professor für Staatsrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn und ehemaliger Bundesverfassungsrichter (1999 – 2011), die Ziele schulischer und universitärer Bildung in Deutschland und hob dabei die Freiheit der Wissenschaft hervor.

Schon bei der schulischen Bildung müssten das Ideal der Freiheit, die gegenseitige Achtung, aber auch Eigenverantwortung vermittelt werden. Die Aufgabe der Wissenschaft sieht Prof. Di Fabio nicht nur darin, die Ergebnisse ihrer Forschung durch die Lehre den Studenten näher zu bringen, sondern der gesamten Gesellschaft zu vermitteln. Nur eine Wissenschaft, die nicht ausschließlich zweckorientiert ist und somit frei von direkten kommerziellen oder anwendungsorientierten Verpflichtungen forschen kann, schafft die Voraussetzung für grundlegende Innovationen. Einen wichtigen Bestandteil des deutschen Bildungssystems stellt die Vermittlung praktischer Fähigkeiten in der Form einer Ausbildung im dualen Ausbildungssystem dar – ein entscheidender Vorteil der deutschen Wirtschaft im globalen Wettbewerb.

Prof. Zhou Weidong, Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Kulturaustausch der University of Shanghai for Science and Technology (USST), erläuterte in seinem Beitrag wesentliche Herausforderungen für das chinesische Bildungssystem. Eine noch nicht bewältigte Herausforderung stellen die rapide steigenden Studentenzahlen seit der Öffnung der Hochschulen im Jahr 1999 dar. Darunter leiden die Qualität von Forschung und Lehre. Zudem haben die chinesischen Universitäten mit einem hohen Maß an Bürokratie zu kämpfen und konzentrieren sich häufig zu stark auf ihren wirtschaftlichen Erfolg. So hatte etwa die starke Bautätigkeit eine Verschuldung vieler Hochschulen zur Folge, die nun durch die erweiterte Aufnahme von Studenten und die Erleichterung der Zugangsbedingungen wieder ausgeglichen werden soll.

Seit einiger Zeit bemüht sich China den Aufbau von Elite-Hochschulen zu fördern. Im Rahmen des „985-Projektes“ werden seit 1998 mittlerweile 39 Hochschulen gefördert, damit sie zu den internationalen Spitzenuniversitäten aufschließen können. Dies birgt allerdings die Gefahr, dass andere (kleinere und regionale) Universitäten stark benachteiligt werden. In den letzten Jahren ist deshalb eine Diskussion über die Gerechtigkeit bei der Verteilung von Fördermitteln in Gang gesetzt worden.

In der anschließenden Diskussion wurde das Spannungsverhältnis zwischen Politik und Wissenschaft debattiert. Professor Di Fabio machte deutlich, dass gerade eine stärkere Unabhängigkeit der Hochschulen in China zu einer Verbesserung der Qualität von Forschung und Lehre beitragen könnte.

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Tim Wenniges

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