Veranstaltungsberichte

Die offene Gesellschaft unter Druck: Welches Land wollen wir sein?

Eine bundesweite Debatte mal anders: Im offenen Saal ohne Podium diskutierten 150 Gäste mit Serap Güler, MdL, Studentin Yasmin Honnef, Schauspieler Benjamin-Lew Klon und Politikwissenschaftler Alexander Carius über Integration, Politikverdrossenheit und die Zivilgesellschaft.

Unter der Fragestellung „Welches Land wollen wir sein?“ luden die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Initiative „Die Offene Gesellschaft“ zu einer offenen Debatte ins stilwerk Düsseldorf ein.

Kernthema des Abends war der Umgang mit Zuwanderung in Deutschland. Schauspieler Benjamin-Lew Klon, der derzeit am Thalia Theater in Hamburg spielt, und Serap Güler, Integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen, eröffneten als Impulsgeber die Debatte mit kurzen Statements. Während Klon seine Vorstellung der Stadt als Debattenort ausführte, sprach Güler von ihren Wünschen und Forderungen an eine offene Gesellschaft. „Kann es mit der Zuwanderung so weitergehen?“, war die erste Frage, die ein Teilnehmer in den Raum gab, „Welche Forderungen können wir an Einwanderer stellen?“, eine weitere. Dass es so nicht weitergehen könne, waren sich alle Anwesenden einig. „Ich bin enttäuscht von der EU, dass es nicht gelingt, Flüchtlinge aufzunehmen, ohne dass rechtspopulistische Parteien entstehen“, antwortete Güler und plädierte für eine kluge europäische Entwicklungspolitik. Integration gebe es auch nicht zum Nulltarif. Viele Flüchtlinge und Einwanderer wollten „gar nicht an die Hand genommen“ werden, sondern sich vollwertig in die Gesellschaft einbringen. Zugleich seien die Bürger gefordert, ihnen die Gesellschaft und Werte vorzuleben.

Doch bereits im Vorfeld konnte jeder Gast mitmachen: Aus Schildern, bedruckt mit Schlagworten wie „weltoffen“, „solidarisch“, „mutig“ oder „bunt“, suchte sich jeder Besucher das aus, das seine Vorstellung zur idealen Gesellschaft am besten widerspiegelt und hielt es in eine Kamera. Die Fotos liefen während der Diskussion auf einer Leinwand im Hintergrund.

Identität durch Begegnung

„Wir wollen unsere nationale Identität nicht aufgeben“, sagte ein Teilnehmer. „Wodurch entsteht denn Identität?“, fragte Schauspieler Klon zurück. „Allein durch Begegnung“, so seine Antwort. Eine andauernde Angst vor dem Fremden, den Anderen, könne nicht förderlich sein. Eine Besucherin stimmte ihm zu und sagte, dass nicht nur die Landesgrenzen offen sein müssten, sondern auch die Grenzen in unseren Köpfen.

Was sind wir bereit zu tun?

Die Zukunftsangst, vor allem der jungen Generation, sprach Yasmin Honnef, Studentin der Politikwissenschaften in ihrem Impuls an. Aber die Haltung „nein, das schaffen wir nicht“, könne sich die Gesellschaft erst Recht nicht leisten. Stattdessen müsse sie begreifen, dass Demokratie ein Lernprozess sei und ein Zustand, den man sich erarbeiten müsse. „Was sind wir denn bereit, für unsere freiheitliche Grundordnung zu tun?“, fragte Alexander Carius, Direktor von adelphi und Mit-Gründer von „Die Offene Gesellschaft“ im Anschluss. „Einen demokratischen Diskurs einleiten und weiterführen, auch wenn es wehtut“, mahnte er. Und ganz konkret? „Helfen, statt verwalten“, „freundlich miteinander umgehen“, „mehr Engagement voneinander fordern“ waren die Antworten aus dem Publikum.

Von Anne Odendahl

Teilen

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

Bestellinformationen

erscheinungsort

Düsseldorf Deutschland