Veranstaltungsberichte

Industrie in NRW – eine Branche im Umbruch

von Ann-Katrin Seidel
Dormagener Gespräch
„Welche Potentiale bietet der Wirtschaftsraum NRW? Vor welchen Herausforderungen stehen wir jetzt und in der Zukunft?“ – im Zeichen dieser grundlegenden Fragen, so liest es sich in der Ankündigung des Dormagener Gesprächs am 28. September 2018, sollte die Diskussion mit LANXESS AG-Chef Matthias Zachert und Hermann Gröhe MdB stehen. Das sollten jedoch nicht die einzigen Schwerpunkte bleiben.

Ein Gespräch über Wirtschaft und Industrie, über Chancen und Probleme eines Wirtschaftsraums – ein solches erwartet man in einem neutralen Gemeindesaal oder im Foyer eines großen Hotels. Nicht aber in einer ehemaligen Kapelle auf dem Gelände einer katholischen Privatschule. Doch genau dort, im Norbert-Gymnasium Knechtsteden in Dormagen trafen sich über 120 Gäste am Freitagabend um gemeinsam zu diskutieren.

Neue Herausforderungen für Nordrhein-Westfalen als Wirtschaftsstandort

Eingeladen waren Jung und Alt, auch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Norbert-Gymnasiums sitzen im Publikum als die Leiterin des Regionalbüro Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, Simone Habig, die Gäste zu begrüßt und die beiden Gesprächspartner des Abends kurz vorzustellt: Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender der LANXESS AG mit Sitz in Köln, und Hermann Gröhe, Schirmherr des Dormagener Gesprächs und Bundestagsabgeordneter für den Rhein-Kreis-Neuss. Beide starten mit einem kurzen Impulsvortrag, beide sind sich ziemlich einig: NRW als Wirtschaftsraum steht vor neuen Herausforderungen.

Breites Themenspektrum in der Diskussion

Klimaschutz, Digitalisierung, Ethik – all diese Themen kamen in der Diskussion unter Leitung der WDR-Moderatorin Michaela Rensing auf den Tisch. Viele der Fragen zielen auf Einschätzungen, die im Endeffekt aber immer Hypothesen bleiben. „Wie lange wird es dauern, um Energie speicherbar zu machen?“, fragt ein Gast aus dem Publikum. Matthias Zachert schätzt zehn Jahre. „Wie können Wirtschaft und Bildung besser zusammenarbeiten?“ Auch hier hat Zachert ein klares Statement: Seinem Unternehmen als Großkonzern gehe es noch immer gut, doch der Fachkräftemangel mache sich bei seinen Kollegen aus den mittelständischen Unternehmen deutlich bemerkbar. „Wir haben ein demografisches Problem und wir müssen da selbst Akzente setzen – wir können das nicht alles von der Politik fordern.

Rückblick auf den Umgang mit Herausforderungen in der Vergangenheit

Doch es geht nicht nur um die Zukunft. Angesprochen auf die CO-Pipeline geben beide Herren zu: „Da hat sich keine Seite wirklich mit Ruhm bekleckert.“ „Es wurde zu spät auf die Sorgen der Bevölkerung reagiert“, erklärt Hermann Gröhe. Wie man das bei ähnlichen Projekten besser machen müsste? „Es muss einen Kompromiss geben aus Beschleunigung des Projekts und dem Ernstnehmen der Sorgen und Bedürfnisse der Bevölkerung.“

Hoffnung statt Angst

Ganz zum Abschluss der Diskussion kommt es dann doch noch auf: Das Thema Digitalisierung. „Bei Innovation in Deutschland geht es immer schneller ums Risiko als um die Chancen“, sagt Gröhe. Zachert ergänzt: „Digitalisierung wird als ‚das Böse‘ gesehen. Mir hat man früher gesagt, der PC werde uns alle wegrationalisieren – das ist auch nicht passiert. Digitalisierung kann helfen, Probleme zu lösen.“ Ein Appell zum Ende hin also, hoffnungsvoll in die Zukunft NRWs zu schauen und die neuen Herausforderungen eher als Chance zur Weiterentwicklung statt als Hindernis zu betrachten.

Ansprechpartner

Simone Habig

Simone Habig bild

Leiterin Regionalbüro Rheinland

Simone.Habig@kas.de +49 211 8368056-0 +49 211 8368056-9

Über diese Reihe

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