Veranstaltungsberichte

IPI Welt-Kongress in Abuja: Warum guter Journalismus von Bedeutung ist

Ende Juni war Abuja, Nigerias Politik- und Medienhauptstadt, Gastgeber des jährlich stattfindenden „International Press Institute“ Welt-Kongresses. Dieser bringt im Rahmen des weltweiten Netzwerkes über 200 Redakteure, Führungskräfte in den Medien und Top-Journalisten zusammen. Die Mission des globalen Netzwerkes ist es, die Pressefreiheit zu verteidigen und die hohen, qualitativen Standards im Journalismus zu wahren. Das Motto der diesjährigen Konferenz war „Warum guter Journalismus wichtig ist: Qualitative Medien für eine starke Gesellschaft“.

KAS ist ein langjähriger Unterstützer des IPI Welt-Kongresses, der in 67 aufeinanderfolgenden Jahren Gastgeber war. Interessanterweise hat der Aufsichtsrastvorsitzende John Yearwood angemerkt, dass IPI schon einmal für den Friedensnobelpreis wegen der Koordination des Gipfeltreffens von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle nominiert war. Dieses Jahr übernimmt KAS Media die Finanzierung für eine große Zahl an Lokaljournalisten, damit diese an der Konferenz teilnehmen können und auch Expertenwissen vom führenden Faktencheck-Unternehmen in Afrika erhalten, der „Africa Check“.

Für die Wahlen in Nigeria, die schon in ein paar Monaten im Februar 2019 stattfinden werden, hat IPI einen eintägigen Intensiv-Workshop organisiert, der die bereits vorhandenen Fähigkeiten und Erkenntnisse für die Wahlberichterstattung - mit einem Fokus auf Nigeria - stärken soll. Der Workshop befasste sich mit ethischer und legaler Rahmensetzung für Wahlberichterstattungen, ebenso wie mit Quellen und notwendigen journalistischen Prozessen – außerdem wurde auch der Start der Webseite „Nigeria´s Media Code of Election Coverage“ vorgestellt.

Die Eröffnungsfeier fand in der beeindruckenden Präsidenten-Villa statt, in welcher die internationalen Gäste an einer Audienz mit einem Teil der nigerianischen Minister teilnehmen konnten, bevor Muhammadu Buhari, Präsident der Bundesrepublik von Nigeria, eine Ansprache hielt. Bei dieser hochkarätigen Veranstaltung brachte der IPI Moderator auch die Inhaftierung des nigerianischen Journalisten Jones Abiri zur Sprache, Herausgeber und Chefredakteur der Boulevardzeitung „Weekly Source“, der für zwei Jahre ohne Anklage eingesperrt wurde. Der Informationsminister , Lai Mohammed, bestritt sein Wissen über diesen Fall und behauptete später, dass Jones Abiri eigentlich kein Journalist sei – dies sei eine Behauptung der IPI und des Komitees, um Journalisten vor Auseinandersetzungen zu schützen – außerdem würden sie sich weiter für die Freilassung hinter den Kulissen einsetzen.

Die Sicherheit von Journalisten war auch während der Konferenz ein Thema, beispielsweise mit Matthew Caruana Galizia von ICIJ, der über das Gemeinschaftsprojekt „Forbidden Stories“ sprach, das sechs Monate nach dem Tod seiner Mutter, der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia, gegründet wurde. Ziel des Projekts ist es, die Nachforschungen und Recherchen von bedrohten Journalisten am Leben zu halten.

Das Konferenzprogramm beinhaltete auch Schlüsselveranstaltungen, in denen afrikanische Medien der Macht staatlicher Zensur gegenübertraten, sich gemeinsame investigative Recherchen und Berichte über Korruption ebenso wie finanzielle Verbrechen oder Machtmissbrauch ansahen, und sich mit dem Verstehen von Terrorismus und Konflikten in Afrika auseinandersetzten. Eine besonders gefragte Veranstaltung war „Das Ringen mit Fake News und Propaganda: Newsroom-Strategien, um Vertrauen in einen faktenbasierten Journalismus zu errichten“. Zum Panel gehörten Virginia Pérez der „Público“ in Spanien, Mary Dedinsky der „Northwestern University“ in Katar und der nigerianische Redakteur des „Africa Check“ David Ajikobi. Mit dem Anstieg von Fehlinformationen und Fake-News, die Chaos und Misstrauen verbreiten, teilte das Panel außerdem die Ansichten zu Prinzipien und Techniken des Fakten-Checks ebenso wie zu vertrauensvollen Werkzeugen und Transparenz der Quellen als Methode, um Fehlinformationen entgegenzuwirken – „falsche Nachrichten verbreiten sich fünfmal schneller, als die Wahrheit“.

Es war jedoch Präsident Buhari, der das beste Zitat während seiner offenen Ansprache lieferte, eine passende Zusammenfassung des Themas der Konferenz: „In einer Welt, in der die Grenze zwischen Hassreden und freier Sprache verschwimmen, ist guter Journalismus von Bedeutung. Wo Fake-News investigatives Berichten klein erscheinen lassen, ist guter Journalismus von Bedeutung. Für das Überleben in einem zunehmend konkurrierenden Bereich, ist guter Journalismus von Bedeutung. Guter Journalismus fördert eine gute Regierung.“

Ansprechpartner

Christoph Plate

Christoph Plate bild

Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

christoph.plate@kas.de +27 11 214 29 00 +27 11 214 2913

Über diese Reihe

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