Veranstaltungsberichte

Marie-Luise Knopp - Eingesperrte Gefühle bahnen sich ihren Weg

von Georg Schneider

Autorenlesung zum DDR-Unrecht im Leverkusener Funkenturm

Die Autorin Marie-Luise Knopp trägt – zusammen mit ihrem Verleger Verlagsleiter Alfred Büngen – aus ihrem autobiographischen Werk vor. Die bewegende Geschichte dokumentiert die kalte Brutalität der DDR im Umgang mit dem einzelnen menschlichen Individuum

Es ist ein ermutigendes Zeichen: Dreißig Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR-Herrschaft stößt die Autorenlesung „Eingesperrte Gefühle bahnen sich ihren Weg“ bei der gemeinsamen Veranstaltung des Arbeitskreises Literatur e.V. und der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. im Leverkusener Funkenturm auf breite und intensive Aufmerksamkeit.

Die Autorin Marie-Luise Knopp trägt – zusammen mit ihrem Verleger Verlagsleiter Alfred Büngen – aus ihrem autobiographischen Werk vor. Die bewegende Geschichte dokumentiert die kalte Brutalität dieses Staates im Umgang mit dem einzelnen menschlichen Individuum – und die enorme Professionalität der Zermürbungsmaschinerie der DDR-Diktatur.

Als junge Lehrerin und junge Mutter gerät Marie-Luise Knopp Anfang der siebziger Jahre in das Fadenkreuz des berüchtigten Staatssicherheitsdienstes der DDR („Stasi“). Beim Abholen ihres Sohnes aus der Grundschule werden die beiden in einer entwürdigenden Machtdemonstration der staatlichen Gewalt getrennt. Sie selbst interniert man in dem völlig überbelegten Zuchthaus „Burg Hoheneck“ im Erzgebirge – im Winter, ohne Heizung. Eindringlich wirken die Erzählungen über die physisch wie psychisch zerstörerischen Lebensbedingungen vor Ort. Aber noch beeindruckender sind der durchschirmende Überlebenswillen, das eigene Kind wiedersehen zu können, die Augenblicke der Freundschaft hinter den Gefängnismauern und die mit großer Sensitivität wahrgenommenen Zeichen der Hoffnung.

So plötzlich die Verhaftung kam, so überraschend ist dann der Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland, dem schon bald danach der Freikauf des Sohnes folgt. Dreißig Jahre, die Frau Knopp anschließend im Schuldienst in Düsseldorf gestaltet, werden getragen von dem Willen, die wiedergewonnene Freiheit mit jungen Menschen zu teilen, um diese mit – im besten Sinne des Wortes – offener Pädagogik für ihr eigenes Leben und für ihre eigene Freiheit zu stärken.

Die düstere Vergangenheit kehrt gleichwohl nochmals zurück beim Blick in die Unterlagen der Behörde zur Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Den zahlreichen Zuhörern im Leverkusener Funkenturm kann klar vor Augen treten, wie schwer sich Teile Deutschlands in den vergangenen dreißig Jahren mit der ehrlichen Aufarbeitung der Verbrechen der zweiten Diktatur getan haben.

Rüdiger Scholz MdL, der Einführung und Schlußwort spricht, mahnt daher auch mehr Unterstützung und mehr Sensibilität für die Opfer und für deren (Leidens-)Geschichte an. Die Qualität eines Staates bemißt sich letztlich darin, wieviel Recht er den einzelnen Menschen zu gewähren bereit ist – wie er mit dem schwächsten Individuum umgeht.

 

Die Autobiographie im Geest-Verlag: Marie-Luise Knopp, Eingesperrte Gefühle bahnen sich ihren Weg. Burg Hoheneck und ein Leben danach, Vechta 2018 (ISBN-13: 978-86685-692-9). ​​​​​​​

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.