Die Sicherung von Basiskompetenzen gehört zu den zentralen Herausforderungen des deutschen Schulsystems. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, dass die Leistungen im Lesen und Rechnen seit über einem Jahrzehnt zurückgehen. Deutschland gelingt es bislang nicht, ein verlässliches Bildungsminimum für alle Kinder zu gewährleisten. Das Modell der 100-Prozent-Schulen nimmt deshalb nicht einzelne Fördermaßnahmen, sondern das Zusammenspiel von Unterricht, Förderung, Schulentwicklung und Steuerung in den Blick. Sein Anspruch reicht über die Sicherung von Mindeststandards hinaus: Alle Kinder sollen die Regelstandards in Lesen, Schreiben und Rechnen erreichen.
Es verbindet ein klares Zielbild. Praktisch alle Kinder erreichen die Basiskompetenzen mit einer konkreten Umsetzungslogik, der strategischen Kernroutine zur datengestützten, adaptiven Förderung. Die Kernroutine umfasst fünf wiederkehrende Schritte: digitale Lernstandserhebung, gemeinsame Datenanalyse in multiprofessionellen Teams, strukturierte Elterngespräche, adaptive Förderung nach der Response-to-Intervention-Logik (RTI) sowie die kontinuierliche Überprüfung der Lernentwicklung und Anpassung der Förderung. Dabei werden Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehr- und Förderkräfte systematisch einbezogen. Die Förderung reicht vom evidenzbasierten Kernunterricht für alle über zusätzliche Kleingruppenförderung und Tutoring bis hin zu hochintensiver, individualisierter Förderung bei anhaltendem Unterstützungsbedarf.
Das Modell setzt dabei konsequent auf evidenzbasierte Ansätze: Es führt Bausteine mit belastbarer Wirksamkeitsevidenz zu einer gemeinsamen Schulentwicklungsarchitektur zusammen. Internationale Erfahrungen, insbesondere mit dem Ansatz des Success for All aus den USA sowie mit gestuften Förderansätzen in Ontario, Alberta und Finnland, liefern Anhaltspunkte für die Ausgestaltung. Eine gemeinsame Leitnorm, eine Kultur kollektiver Wirksamkeit und professioneller Datennutzung, schulübergreifende Schulfamilien und verlässliche Unterstützungsstrukturen sichern die Kernroutine auf Ebene der Schul- und Systementwicklung ab.
Damit die Sicherung von Basiskompetenzen mittels der Kernroutine zu einer verlässlichen Systemleistung wird, braucht es eine produktive Aufgabenteilung: Länder, Schulaufsicht und Schulträger schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für die Umsetzung, während Schulen Verantwortung für Umsetzung und Ergebnisse übernehmen. Dazu gehören insbesondere die Infrastruktur für Diagnostik und Datenmanagement, Kapazitäten für Unterrichtsentwicklung, Tutoring und sonderpädagogische Unterstützung sowie ausreichende Aus- und Weiterbildung.
Zentrale Lehren für Politik und Praxis sind die Notwendigkeit, eine kohärente Gesamtarchitektur statt additiver Einzelprogramme zu entwickeln, sowie der Aufbau verlässlicher Strukturen für Entwicklung, Umsetzung und Transfer. Aufbauend auf bestehenden Pilotprojekten sollten weitere ausgewählte Standorte das Gesamtmodell unter langfristig tragfähigen Rahmenbedingungen erproben und wissenschaftlich begleiten lassen. So kann schrittweise eine belastbare Grundlage für die Skalierung im deutschen Schulsystem geschaffen werden.
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Über diese Reihe
Die Reihe informiert in konzentrierter Form über Analysen der Konrad-Adenauer-Stiftung zu relevanten aktuellen Themen. Die einzelnen Ausgaben stellen zentrale Ergebnisse und Empfehlungen eigener und externer Expertinnen und Experten vor, bieten Kurzanalysen von rund fünf Seiten und nennen KAS-Ansprechpartnerinnen.