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Bijan Khajehpour immer noch in Haft

Eigentlich sollte Bijan Khajehpour im September bei einem Seminar der Konrad-Adenauer-Stiftung über die iranische Wirtschaftspolitik referieren. Als in Deutschland studierter Wirtschaftsexperte war er uns von dem jüngst verstorbenen Iran-Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik, Dr. Johannes Reißner, wärmstens empfohlen worden.

Doch seit dem 27. Juni ist Khajehpour im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert. Wochenlang wusste selbst seine Familie nichts über seinen Verbleib und seine Ehefrau hatte keinen Zugang zu ihm erhalten. Im Rahmen der politischen Schauprozesse, die den Massenprotesten gegen die Präsidentschaftswahl vom 12. Juni folgten, wurde auch Khajehpour inzwischen vor Gericht gestellt.

Seine Familie und seine Freunde und Kollegen sind in großer Sorge um Khajehpour. Der gesundheitliche Zustand des Diabetikers soll sich stetig verschlechtern. Es ist unklar, ob er seine Medikamente erhält. Die internationale Forderung nach Zugang eines unabhängigen Mediziners, zum Beispiel eines Vertrauensarztes des Roten Halbmondes, hat das Regime bislang verweigert.

Nach den erschütternden Berichten über Dutzende in Haft zu Tode Gefolterte wächst im Iran und im Ausland die Angst um Leib und Leben der weiterhin Inhaftierten. Aufgrund des aktuellen Folterskandals wurde bereits ein Gefängnis geschlossen. Aber auch in den anderen Haftanstalten kam es nach den jüngsten Verhaftungen zu weiteren Todesfällen. Unter Oppositionellen ist das Evin-Gefängnis seit ehedem wegen zahlloser und massiver Menschenrechtsverletzungen berüchtigt.

Die Präsidentschaftskandidaten Mir-Moussawi und Karrubi hatten in den letzten Wochen wiederholt auf Folter, Vergewaltigung und Ermordung von Inhaftierten aufmerksam gemacht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den religiösen Führer Chamenei aufgefordert, eine unabhängige Untersuchungskommission einzurichten, die, unter Einbezug internationaler Experten, die Foltervorwürfe klären soll. Auch der deutsche Außenminister hat in einer Presseerklärung inzwischen die Freilassung der Verhafteten, namentlich insbesondere des unserem Lande besonders verbundenen Bijan Khajehpour, gefordert.

Im Falle Khajehpours, der in Teheran die Atieh Consulting Group mitbegründet hat und leitet und sich seit vielen Jahren für die wirtschaftlichen Beziehungen Irans einsetzt, bleiben die Gründe für die Verhaftung unklar. Weder war er zurzeit der Proteste im Land, noch hat er sich politisch besonders exponiert. In einem Beitrag für die britische Zeitung The Guardian hatte er jedoch in einer Analyse die Enttäuschung der jungen Wähler insbesondere über die Wirtschaftspolitik Ahmadinedschads analysiert und die Frustration der Jugend über die herrschenden Verhältnisse beschrieben: „Die jungen Iraner sind ermüdet von Irans internationaler Isolation. Sie wollen, dass Iran vorankommt – und für seine Erfolge anerkannt wird – im Sport, in den Künsten, und im Bereich der Bildung im internationalen Maßstab.“

Das Verhalten der iranischen Führung der letzten Monate hat jedoch jede Hoffnung zunichte gemacht, dass sich diese Hoffnung der iranischen Jugend in absehbarer Zeit erfüllen dürfte. Isolierter als heute war die Islamische Republik schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Und die Haft von Bijan Khajehpour lässt die Vermutung aufkommen, dass die zunehmende Konfrontation und Isolation von der Regierung in Teheran gewollt sein könnte.

Auf dieser Seite finden Sie oben einen internationalen Pressespiegel als PDF mit Artikeln aus verschiedenen Medien weltweit, die auf die Inhaftierung des Wirtschaftswissenschaftlers Bijan Khajehpour aufmerksam machen.

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20. Oktober 2009
Bijan Khajehpour: Gedanken zur iranischen Situation nach 96 Tagen Haft

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Herausgeber

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Berlin Deutschland