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Wie reagieren Parteien auf den Mitgliederschwund?

von Ann-Kristin Kölln
Seit Jahren schon wird die „Krise“, der „Niedergang“ und das „Ende“ der Volksparteien beschworen. Mal steht dahinter die Sorge um den Verlust eines zentralen Stabilitätsankers unserer Demokratie, der Gesellschaft und Staat vernetzt und den Interessenausgleich voranbringt. Mal dient die Rede vom Niedergang als Argument in der politischen Auseinandersetzung oder sie ist gar Ausdruck einer mehr oder weniger offenen grundsätzlichen Ablehnung eines von starken Parteien getragenen parlamentarischen Regierungssystems.

Sie nährt sich vor allem von sinkenden Mitgliederzahlen und einem geringen Vertrauen, das die Deutschen laut Umfragen in die Parteien als Institutionen setzen.

Trotz aller Abgesänge sind die Volksparteien noch da! Sie sind weder überflüssig noch handlungsunfähig. In einem Punkt haben ihre Kritiker jedoch recht: Die Volksparteien unterliegen Wandlungsprozessen. Sie müssen auf die gesellschaftlichen Änderungen reagieren. Es liegt in der Hand der Parteimitglieder, ob sie diese Prozesse selbst gestalten oder ob sich die Volksparteien – am Ende ungewollt – in einer passiven Rolle der Anpassung wiederfinden.

Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie die Volksparteien der Zukunft aussehen sollen und wie sie dorthin gelangen können. Voraussetzung dafür ist es, Vertrautes zu hinterfragen, ungewohnte Pfade einzuschlagen und diesen Prozess mit Lust auf Veränderungen anzugehen.

Die Arbeitsgruppe „Zukunft der Volksparteien“ der Konrad-Adenauer- Stiftung möchte diese Prozesse mit ihrer Konferenz „Mehr Experimente! Nachdenken über die Volksparteien der Zukunft“ sowie mit Studien zum Thema begleiten.

Die vorliegende Studie von Dr. Ann-Kristin Kölln befasst sich mit dem Zusammenhang von Parteiorganisation und Mitgliederschwund. Der europaweit diagnostizierte Mitgliederschwund, so ihre Erkenntnis, fordert den politischen Parteien einiges ab.

Sollen sie den Grad ihrer Parteiorganisation verringern, um nicht von den Kosten erdrückt zu werden, oder doch lieber intensivieren, um dem Schrumpfungsprozess mit einem verstärkten professionellen Management entgegenzuwirken?

So grundsätzlich diese Frage auch ist, sie wurde bisher überraschend wenig untersucht. Der Beitrag analysiert die Anpassungsstrategien auf der Grundlage eines Vergleichs der politischen Parteien in sechs europäischen Staaten. Es zeigt sich, dass die Parteien ihre Ressourcen umleiten und mit einer Mischung aus Überlebens- und Innovationstrategien auf die sinkenden Mitgliederzahlen reagieren. Erfolgversprechend sind demnach Veränderungen, die auf eine offenere, weniger hierarchische, dafür lokaler ausgerichtete Organisation zielen.

Für ihren Beitrag gebührt der Autorin an dieser Stelle ein herzlicher Dank. Ihre Studie belegt, dass es sich lohnt, über Parteireformen nachzudenken.

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Herausgeber

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Berlin Deutschland