picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Felipe Dana

Monitor

„Verfolgte“ Kirche in der Ukraine 

von Regina Elsner

Kriegspropaganda, Kirchenkonflikt und globale Konsequenzen

Das Argument Putins und der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), dass in der Ukraine orthodoxe Gläubige geschützt werden müssen, ist nicht nur Teil der russischen Kriegspropaganda und instrumentalisiert die ukrainischen Gläubigen, es hat auch weitergehende Folgen im internationalen Einsatz für Religionsfreiheit. Der Krieg in der Ukraine im angeblichen Schutz verfolgter Christen unterwandert auch die Menschenrechtsagenda internationaler Akteure und sollte kritisch hinterfragt werden.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat neben humanitären, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Aspekten auch eine bedeutsame religiöse Dimension. Der Eindruck einer staatlich unterdrückten Kirche bleibt als Mythos im öffentlichen Raum und das Moskauer Patriarchat versteht sich weit über die geografischen Grenzen des russischen Kulturkreises hinaus als Schutzmacht der Christen.

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine gibt es mehrere konkurrierende orthodoxe Kirchen im Land. Die Russische Orthodoxe Kirche betrachten die Ukraine und Belarus als ihr kirchliches Territorium. In den Konflikten zwischen den Kirchen kam es immer wieder auch zu gewaltsamen Angriffen, die Kirchenfrage wurde außerdem häufig politisch instrumentalisiert. 

Die Behauptung Wladimir Putins, mit dem Krieg in der Ukraine auch Gläubige der orthodoxen Kirche schützen zu wollen, ist Kriegspropaganda, die jedoch auch von der Russischen Orthodoxen Kirche unterstützt wird. In enger Zusammenarbeit mit der Leitung der ROK hat Wladimir Putins die Vorstellung verbreitet, in der Ukraine hätte es eine systematische Verfolgung der Gläubigen der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) gegeben, ähnlich wie die angebliche Unterdrückung russischsprachiger Menschen. Dem gegenüber stehen die blinde Zerstörungswut der russischen Armee und das Ignorieren der Opfer in der Ukraine als Opfer der russischen Armee.

Der Schutz „verfolgter Christen“ ist auch außerhalb der Ukraine zu einem bedeutenden Element der globalen Aktivitäten der Russischen Orthodoxen Kirche geworden, darum muss der Missbrauch des Arguments im Krieg alle Akteure für Religionsfreiheit sensibel in der Zusammenarbeit machen.

Lesen Sie mehr dazu hier im Monitor.