Veranstaltungsberichte

Ausstellungseröffnung: "DDR Mythos und Wirklichkeit"

von Jonathan Babka
Durch kaum ein Format kann Geschichte so lebendig und greifbar vermittelt werden, wie durch spannende Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Dies hat Nadja Klier mit der Schilderung ihrer bewegten Biografie im Rahmen der Ausstellungseröffnung eindrucksvoll unterstrichen. Als Tochter einer Oppositionellen war sie Repressionen und ständiger Überwachung ausgesetzt, bevor sie schließlich ausgebürgert wurde.

Christian Schleicher (Konrad-Adenauer-Stiftung) begrüßte die ca. 50 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler und brachte seine Freude über die erste, aber dafür sehr gelungene Kooperation mit dem Werner-von-Siemens-Gymnasium zum Ausdruck. Auch Nadja Klier, die seit Jahren mit der Konrad-Adenauer-Stiftung zusammenarbeitet, begrüßte er sehr herzlich. Die Fotografin und Autorin, die seit vielen Jahren gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung über den DDR-Unrechtsstaat aufklärt, wuchs als Kind der oppositionellen Regisseurin Freya Klier in Dresden und Berlin auf.

„Wer von euch hört Rammstein?“. Am Beispiel der deutschen Band thematisierte Nadja Klier ein in Teilen der Gesellschaft vorherrschendes Gefühl von DDR-Nostalgie und stellte diesem ihre eigene Lebensgeschichte entgegen, so gelang es ihr eine dynamische Verbindung zwischen aktuellen gesellschaftlichen Reizthemen und ihrer persönlichen Biografie aufzuzeigen.

Die Ursachen dieser Nostalgie bzw. einer positiven Wahrnehmung der DDR sieht die Zeitzeugin in gelungener Konditionierung durch das SED-Regime: Das Malen von Soldatenbildern im Kindergarten, der „Handgranatenweitwurf“ im Sportunterricht und schließlich der Zwangswehrdienst in der Nationalen Volksarmee normalisierten eine militärische Atmosphäre.

Ein unbeeinträchtigtes Leben in der DDR fand spätestens dann ein Ende, wenn man sich wie Nadja Kliers Mutter regimekritisch äußerte. Freya Klier wurde inhaftiert und die jugendliche Nadja das Ziel von Überwachung und Repression. Unter den Schülerinnen und Schülern herrschte eine bemerkenswerte Stille, als Nadja Klier aus ihrer Stasiakte vorlas: Nicht nur wusste die Stasi erstaunlich gut über ihre Lebenssituation Bescheid, sondern ließ sie zudem durch gleichaltrige Jugendliche bespitzeln. Erst später bemerkte Nadja Klier, dass die beiden athletischen und gutaussehenden Jugendlichen, die plötzlich in ihr Leben traten, nicht nur René als Vornamen, sondern mit Wahrscheinlichkeit auch das Ministerium für Staatssicherheit als ihren Arbeitgeber teilten.

Über Jahre hinweg wurde so das Privatleben von Nadja Klier systematisch unterminiert, dokumentiert und abgeheftet. Weder ihr jugendliches Alter noch die Ausbürgerung bewahrte sie davor auch in der Bundesrepublik Deutschland durch die Stasi bespitzelt zu werden. Mutter und Tochter blieben das Ziel systematischer Überwachung. Ihre gesamte Korrespondenz wurde mitgelesen, sämtliche Telefonate abgehört. Zudem wurde die beste Jugendfreundin von Nadja Klier mit dem falschen Versprechen ihre Freundin eines Tages wiedersehen zu können, genötigt Informationen weiterzugeben.

Während des Gespräches nahm Nadja Klier immer wieder Bezug auf die Ausstellung „DDR Mythos und Wirklichkeit“. Neben Mythen über NVA und Stasi stellt die Ausstellung insgesamt 18 Mythen rund um die DDR richtig und klärt über die SED-Diktatur auf.

Die Veranstaltung zeichnete sich durch einen sehr lebhaften Diskurs zwischen Nadja Klier und der Schülergruppe aus. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten sich sehr interessiert und geschichtsbewusst.

Insgesamt führte die Ausstellungseröffnung vor Augen, wie wichtig eine lebendige Vermittlung der deutschen Geschichte ist. Die Konrad-Adenauer-Stiftung setzt sich hierbei für tatsachengemäße Vermittlung der Lebensumstände in der DDR und eine entschlossene Aufarbeitung des SED-Regimes ein.
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