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Chinas Griff nach der Arktis: ein Wettlauf um den hohen Norden

Seit Jahrzehnten baut China seine Präsenz in der Arktis aus, unauffällig, aber mit Plan. Beim Regionaltag Nord der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hamburg ging es um den Wettlauf um den hohen Norden und die Frage, ob Europa rechtzeitig langfristig denkt.

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Autorinnen und Autoren: Edwin Martin, Finia Thiede und Michelle Müller 

 

Am Ende des Raumes war auf der Leinwand ein mächtiger Eisberg zu sehen. Doch an diesem Samstag im Politischen Bildungsforum Hamburg ging es nicht um die sichtbare Spitze, sondern um das, was sich darunter befindet: umkämpfte Versorgungsrouten, unberührte Bodenschätze. Rund 65 Stipendiatinnen und Stipendiaten diskutierten beim Regionaltag Nord der Konrad-Adenauer-Stiftung über Geopolitik und internationale Sicherheit.

Wie die Staats- und Parteiführung das gesellschaftliche Leben in China organisiert und kontrolliert, erlebte Dr. Heiko Herold hautnah. Er leitete von 2021 bis 2024 das KAS-Auslandsbüro Shanghai. Als Fregattenkapitän der Reserve und Wissenschaftler am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel kennt er sich zudem mit Geopolitik, maritimer Sicherheit und hybrider Kriegsführung aus. Er schilderte, wie umfassend der chinesische Staat den Alltag überwacht. Diese Überwachung habe einen primären Zweck: die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten, um die Macht der Kommunistischen Partei Chinas zu sichern. Chinesische Institutionen wählten ihre Kontakte zu ausländischen Personen, Institutionen und Organisationen gezielt nach strategischen Gesichtspunkten aus, sagte er. Dessen müsse man sich immer bewusst sein.

Mit Blick auf Chinas langfristige strategische Ausrichtung plädierte er für eine klare und kohärente China-Strategie Deutschlands und Europas, die den geopolitischen und systemischen Herausforderungen gerecht wird. Dazu gehöre, dass sich Deutschland und Europa insgesamt wirtschaftlich unabhängiger von China aufstellten. Das gelte nicht nur für einzelne Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie, betonte er, sondern vor allem für strategische Abhängigkeiten in Bereichen wie kritischen Rohstoffen, Pharmazeutika, Halbleitern und anderen Industriekomponenten sowie Batterietechnologien.

Regionalkoordinator Edwin Martin moderierte eine Diskussionsrunde mit Kapitänleutnant Christopher Marschall, Oberstleutnant d.R. Dr. Dan Krause und Fiona Kramer von der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Der arktische Raum, waren sie sich einig, werde zum Schauplatz globaler Machtkonkurrenz – auch durch Chinas Projekt der polaren Seidenstraße. Die möglichen Routen verlaufen u. a. entlang der sibirischen Küste sowie zwischen Spitzbergen und Grönland. Eine eisfreie Arktis würde die Seewege von Asien nach Europa um rund 8.000 Kilometer verkürzen, die nach Nordamerika um rund 4.500 Kilometer.

Am Beispiel des norwegischen Svalbard-Archipels zeigt sich, wie unterschiedlich die Präsenz in der Arktis aussehen kann: China baut dort seit 2003 mit der Yellow River Station ein permanentes Polarforschungszentrum aus, genau die Art von langem Atem, von der Herold berichtet hatte. Russland dagegen scheint verdeckter zu agieren: 2022 wurde eines von zwei Unterseekabeln zur Satelliten-Bodenstation SvalSat durchtrennt, mutmaßlich russische Sabotage. Russland verfolgt in der Arktis historisch gewachsene Interessen, stuft Norwegen laut norwegischem Geheimdienst inzwischen als „sehr unfreundlichen Staat“ ein und sucht dort verstärkt Nähe zu China und Indien. Dazu passt, was Dan Krause auf dem Panel beschrieb: Russland gelingt es, mit relativ geringen Ressourcen wirksam abzuschrecken oder zu stören.

Für Europa ist das keine Randnotiz mehr: Sieben der acht Arktisanrainerstaaten sind mittlerweile NATO-Mitglieder, die Region gilt als Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur. Fiona Kramer riet deshalb zu mehr europäischem Engagement: Die EU stelle nur gut fünf Prozent der Weltbevölkerung, umso dringender brauche Europa eine stärkere gemeinsame Handlungsfähigkeit, vor allem vor dem Hintergrund des allgemeinen Verlusts der internationalen Ordnung, des aggressiven Verhaltens Russlands sowie seiner hybriden Aktivitäten in der Arktis.Europa müsse dafür seine Interessen langfristiger definieren und konsequenter verfolgen, besonders mit Blick auf die neue EU-Arktisstrategie. 

Am Ende wirkte der Eisberg auf der Leinwand wie eine Warnung: Denkt Europa rechtzeitig langfristig, oder verschläft es den Wettlauf um die Arktis?

 

Anlass: Regionaltag Nord „Geopolitik und internationale Sicherheit“ der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hamburg

Leitung: Michelle Müller, Referentin der Studienförderung

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Kontakt

Michelle Müller

Foto Mueller, Michelle
Referentin Studienförderung der Referate SF02 und SF08
Michelle.Mueller@kas.de

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Über diese Reihe

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