Die Herausforderungen für unsere Zivilgesellschaft und insbesondere für die Rettungskräfte wachsen stetig. Das reibungslose Funktionieren unseres Zusammenlebens hängt maßgeblich vom Engagement Einzelner ab – Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich für andere einzusetzen. Die Feuerwehr ist dabei eine tragende Säule: Sie steht allen Menschen zur Seite, wenn Hilfe gebraucht wird. Doch was passiert, wenn diejenigen, die helfen, selbst zur Zielscheibe werden?
Mit dieser Frage setzte sich die Teilnehmenden der Kooperationsveranstaltung „Wenn Haltung zur Zielscheibe wird“ auseinander. Insgesamt 17 ehrenamtliche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr beschäftigten sich ein Wochenende lang mit den Themen Werteorientierung, Zivilcourage, Konfliktbewältigung und dem Umgang mit Desinformation.
Begonnen haben wir am Freitagabend mit dem Thema Wertevorstellungen in der Feuerwehr. Hierzu durften wir Lilli Schiemenz und Christiane Matthes vom Projekt Aspekt 112 des Landesfeuerwehrverbandes begrüßen.
Nach einer Vorstellungsrunde forderten die beiden Referentinnen die Gruppe auf, sich zu verschiedenen Fragestellungen entlang einer durch den Raum gezogenen Linie zu positionieren. Im Anschluss wurden die unterschiedlichen Standpunkte diskutiert und die dahinterstehenden Werte herausgearbeitet. Auf diese Weise entstand Schritt für Schritt eine gemeinsame Sammlung zentraler Werte.
Mit diesen arbeiteten die Teilnehmenden anschließend weiter. Ziel war es, die fünf wichtigsten Werte für die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr zu identifizieren und näher zu betrachten. In Gruppenarbeit entstanden hierzu Plakate, die anhand vorgegebener Diskussionsfragen erarbeitet und anschließend im Plenum vorgestellt und verglichen wurden. Der interaktive Charakter des Seminars sowie die gelungene methodische Heranführung an das Thema machten diese erste Einheit zu einem erfolgreichen Auftakt des Wochenendes.
Am Samstagmorgen ging es mit dem Thema Zivilcourage weiter. Dazu besuchten uns Referierende des Ju-Jutsu-Verbandes Sachsen.
Im ersten Teil der Seminareinheit beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der rechtlichen Situation rund um Selbstverteidigung und Notwehr. Dabei wurde thematisiert, wie kritische Situationen richtig eingeschätzt werden können und in welchem rechtlichen Rahmen es möglich ist, anderen Menschen in Not oder bei Unrecht beizustehen. Ergänzend erhielten die Teilnehmenden ein Stimmtraining, mit dessen Hilfe sie ihre Präsenz und Handlungsfähigkeit in Konfliktsituationen stärken konnten.
Im zweiten Teil standen praktische Übungen zur Selbstverteidigung und Deeskalation im Vordergrund. Die Teilnehmenden trainierten, wie sie sich selbst und andere Personen in kritischen Situationen schützen können, ohne die Lage weiter zu verschärfen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Körperhaltung und Kommunikation.
Den Abschluss bildeten feuerwehrspezifische Szenarien, in denen die Teilnehmenden das Erlernte auf Einsatzsituationen übertrugen und praktisch erprobten.
Am Samstagnachmittag besuchten wir die Berufsfeuerwehr Görlitz. Dort erhielten wir eine umfassende Führung durch die Räumlichkeiten der Wache und bekamen spannende Einblicke in die Arbeit der hauptamtlichen Einsatzkräfte. Darüber hinaus wurde uns die Geschichte der Feuerwehr in Görlitz nähergebracht, wodurch die Teilnehmenden auch einen interessanten historischen Einblick in die Entwicklung des Feuerwehrwesens der Region erhielten.
Am Sonntagmorgen rundete ein Seminar mit Marie-Theres Ueberlein von der Aktion Zivilcourage zum Thema „Haltung und Fake News“ unsere Fahrt passend ab.
In einem abwechslungsreich gestalteten Vortrag lernten die Teilnehmenden unter anderem den Unterschied zwischen Desinformation und Fehlinformation kennen und analysierten entsprechende Beispiele aus dem Alltag. Darüber hinaus wurden Strategien vermittelt, wie man im Internet und in Sozialen Medien mit irreführenden Informationen umgehen kann.
Anschließend konnten die Teilnehmenden in zwei Selbstexperimenten erfahren, wie leicht sich die menschliche Wahrnehmung beeinflussen lässt. Anhand ausgewählter Fallbeispiele aus dem politischen Kontext wurde schließlich gemeinsam untersucht, wie Desinformation funktioniert. Mithilfe von Diskussionsfragen reflektierte die Gruppe die beiden Beispiele und entwickelte Handlungsmöglichkeiten für den eigenen Alltag.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass demokratische Werte, Zivilcourage und ein reflektierter Umgang mit Informationen wesentliche Bestandteile einer starken Feuerwehrgemeinschaft sind. Durch die abwechslungsreiche Kombination aus praktischen Übungen, fachlicher Wissensvermittlung und netten Mitteilehmenden konnten sie neue Impulse für ihr Engagement in der freiwilligen Feuerwehr mitnehmen. Außerdem stärkte die Seminarfahrt das Bewusstsein dafür, wie wichtig Haltung, gegenseitiger Respekt und verantwortungsvolles Handeln und auch die eigene Vorbildfunktion im Ehrenamt sin
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