KAS Colombia

Veranstaltungsberichte

“Mujeres digitales”

Kick-Off Event

Am Mittwoch, dem 23. September fand die virtuelle Eröffnungsveranstaltung des Projekts “Mujeres digitales” (Digitale Frauen) statt, das von der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien gemeinsam mit der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer AHK, dem staatlichen Berufsbildungsinstitut SENA in Zusammenarbeit mit der VASED und der Firma KeyCode organisiert wird.

Mit Hilfe des Projekts „Mujeres digitales“ sollen 40 Abiturientinnen, zumeist alleinstehende Mütter, die nicht über finanzielle Mittel für ein Universitätsstudium verfügen, in verschiedenen Datenverarbeitungsprogrammen ausgebildet werden.

Teilnehmer des Events waren:  

Der Präsident der AKH, Thorsten Kötschau; der Repräsentant der KAS Kolumbien, Stefan Reith; die Vorstandsvorsitzende der Fundación VASED, Katia Pinzón Aranguren; der Direktor von KeyCode, Santiago Llano und die Leiterin der Abteilung “Werbung und Korporative Beziehungen des SENA, Adriana Colmenares Montoya.

Moderator war Samir Estefan, Firmenberater für Asset Management, Digitale Transformation und Automatisierungsprozesse, als Vertreter seiner Firmen Softimiza und Botkers.

Zu Beginn erklärte Adriana Colmenares, dass die Schulungen in Form eines Bootcamps durchgeführt werden. Obwohl das Projekt bereits vor Erstellung des Nationalen Entwicklungsplans der kolumbianischen Regierung entworfen wurde, passe es perfekt in die Linie der darin vorgesehenen nichtuniversitären Ausbildung von 70.000 Jugendlichen im Bereich digitale Berufe, Innovation und „Orange economy“. Darüberhinaus wolle der SENA auch die Chancen für Frauen in ICT-Berufen verbessern, da im Moment in Kolumbien nur ca. 13.000 Frauen in dem Bereich arbeiten, im Gegensatz zu über 27.900 Männern. „Mujeres digitales“ solle dabei ein Pilotprojekt sein, das mittelfristig einen sozialen Wandel unterstützen könne.  

Der Moderator Samir Estefan betonte die Tatsache, dass mindestens das Doppelte der momentan in digitalen Berufen tätigen Personen benötigt werde, es jedoch an gut ausgebildetem Personal fehle; der Bedarf werde durch die schnelle Entwicklung in dem Bereich ständig wachsen.

Thorsten Kötschau führte aus, dass die AHK seit dem letzten Jahr verstärkt im Thema “empowerment“ der Frau in der Technologie arbeite. Wenn auch die Gleichberechtigung der Frau in den meisten Verfassungen und den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO festgeschrieben sei, existiere dennoch auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern immer noch eine gewisse Diskriminierung.

Durch die Pandemie COVID-19 habe weltweit die Armut zugenommen, was insbesondere die Frauen betroffen und damit zu einem großen Rückschritt im Bereich Gleichstellung der Geschlechter geführt habe. Kötschau sieht dafür vor allem zwei Gründe: Einerseits arbeiten Frauen meist in sozialen Berufen und im Dienstleistungssektor; durch die Kontaktbeschränkungen der Quarantäne seien jedoch gerade diese Bereiche besonders betroffen gewesen.  Auf der anderen Seite gebe in diesen Berufen viele informelle Beschäftigungsverhältnisse, die den Frauen keinen Schutz bieten. Man schätze, dass 65% der heutigen Schulanfänger später in Berufen arbeiten werden, die zurzeit noch nicht existieren. Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung könnte in Deutschland künftig mindestens 9 Millionen Arbeitsplätze kosten, während andererseits aber auch mit ca. 10 Millionen neuen Stellen gerechnet werde. Daher sei es unabdingbar, schon heute die Grundlage für neue Arbeitsbedingungen zu schaffen, vor allem für Frauen die dadurch auch persönlich wachsen könnten. Abschließend erwähnte Kötschau die Beziehungen der Kammer zu den verschiedensten deutschen und kolumbianischen Unternehmen, so dass die Absolventinnen des Programms bei der Suche nach einer festen Arbeitsstelle unterstützt werden können.

Katia Pinzón Aranguren bestätigte, dass zurzeit in Kolumbien der Frauenanteil in ICT-Berufen unter 33% liege. Sie berichtete auch von persönlichen Erfahrungen mit Vorteilen in einer patriarchalischen Gesellschaft, die den Frauen intellektuelle Fähigkeiten absprechen und die Mutterschaft als Hindernis für eine qualifizierte Arbeitsstelle ansehen. Daher müssten sich viele Frauen mit oft schlecht bezahlten Stellen im Dienstleistungssektor oder in sozialen Berufen abfinden und kämen nur selten in die Chefetagen. Die Fähigkeit der Frauen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, werde immer wieder bewiesen. Oft fehle es jedoch an der nötigen Unterstützung durch den Partner, um diese Belastung zu verringern und der Frau mehr Zeit für Studium und Beruf zu lassen.

Auch der Repräsentant der KAS, Stefan Reith, bestätigte, dass es sich um ein weltweites Problem handele und dass ein Hauptziel der Stiftung gerade das “empowerment” der Frau sei, damit sie auch als Person entwickeln und leitende Positionen einnehmen könne. Er betonte, dass das Projekt “Mujeres digitales” nur einen Anfang darstellen könne, jedoch ein wichtiger Schritt zur Lösung des Problems sei. Die größte Herausforderung sei für ihn der Mangel an gut ausgebildeten Frauen für digitale Berufe, da momentan nur eine von 1.000 Frauen in ICT-Berufen tätig sei. Daher hoffe er, dass das Projekt auch in der Politik bekannt werde und das Thema seinen Weg auf die politische Agenda finde um den Frauen neue und bessere Arbeitsmöglichkeiten zu bieten.      

Samir Esteban betonte die Notwendigkeit, das aktuelle Studienmodell zu ändern, da vor allem in Kolumbien nur die langwierigen Universitätsstudien anerkannt werden, während die Geschwindigkeit der Entwicklung und Innovation im Rahmen der Vierten Industriellen Revolution konkretere Antworten verlange.

Santiago Llano von KeyCode meinte, dass der praktischen Seite der Ausbildung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Das Konzept des Bootcamp und des “learning by doing” werde dieser Notwendigkeit gerecht, da es kurze Intensivkurse anbiete. Im Projekt „Mujeres digitales“ sollen insgesamt 40 Frauen geschult werden, 20 in der Software “Fullstack” und weitere 20 im Bereich “DataScience”. Gleichzeitig sollen den Teilnehmerinnen “Softskills” vermittelt werden, die sie auf den Kontakt und die Kommunikation mit Kunden vorbereiten, und damit auch ihr Selbstbewusstsein stärken, was wiederum dem späteren Arbeitgeber zugutekomme. Er erklärte weiterhin, dass auch seine Firma mit zahlreichen großen Unternehmen zusammenarbeite, die den Absolventinnen Arbeitsmöglichkeiten anbieten können. In dem Zusammenhang nannte er das Beispiel Israels, wo sich die Ausbildungsstätten an die Bedürfnisse der Industrie und des Arbeitsmarktes anpassen, damit qualifizierte Arbeitskräfte später nicht arbeitslos werden.

Abschließend bezog sich Adriana Colmenares auf die Notwendigkeit einer umfassenden, integralen Ausbildung, bei der auch die “Softskills” berücksichtigt werden. Da der SENA in ganz Kolumbien vertreten sei, könnten solche Projekte mittelfristig einen wirklichen sozialen Wandel im Land bewirken. Nur könne der SENA diese Aufgabe nicht alleine bewältigen, daher sei die Zusammenarbeit mit Organisationen wie der KAS, der AHK, der Fundación VASED und KeyCode von großer Bedeutung.

Am Ende der Veranstaltung wurde ein Video gezeigt, in dem die Teilnehmerinnen des Programms über ihre bisherigen Erfahrungen berichteten. Dabei zeigten sich alle sehr dankbar für die Möglichkeit, ihre Situation durch die Schulung zu verbessern und mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.              

 

 

  

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Sylvia Gontermann Hawil

Sylvia Gontermann Hawil bild

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Sylvia.Gontermann@kas.de +57 1 74309 47-201

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