Veranstaltungsberichte

Old Paths, New Riders: Transnational Organized Crime in the Maghreb-Sahel Belt

Workshop

Die Sahelzone und der Maghreb sind seit langer Zeit eine Drehscheibe für Transit und Handel zwischen Subsahara-Afrika und dem Mittelmeerraum. Die politische und wirtschaftliche Abwesenheit nationaler Regierungen in Verbindung mit zunehmender Unsicherheit in der Region bietet zahlreichen bewaffneten Gruppen die Möglichkeit, das vorherrschende Machtvakuum auszunutzen und sich im Schatten von vernachlässigten lokalen Bevölkerungen in den von staatlichen Behörden verlassenen Gebieten niederzulassen. Parallel hierzu entwickelten sich in diesem ungeordneten Umfeld kriminelle Interessen, die das Handeln vieler Gruppierungen in der Sahelzone bestimmen.

Vor diesem Hintergrund organisierte das KAS-Regionalprogramm Südliches Mittelmeer in Zusammenarbeit mit dem KAS-Regionalprogramm Sahel vom 2. bis 3. Dezember 2018 in Tunis einen Workshop, an dem renommierte Experten sowie Praktiker aus mehreren Ländern des Maghreb und der Sahelzone und internationalen Institutionen teilnahmen, um das Wissen und Verständnis über den Zusammenhang von organisierter Kriminalität, Governance und Unsicherheit zu vertiefen und einen überregionalen Austausch zwischen nationalen Institutionen zu fördern. Die vielfältigen Hintergründe der Teilnehmer ermöglichte Diskussionen jenseits der eingeschränkten – und üblicherweise systematisch angewandten – sicherheitszentrierten Betrachtungsweise des Phänomens von organisierter Kriminalität.

Der Workshop skizzierte die Infrastruktur von Schmuggel, Menschenhandel und organisierter Kriminalität in Nordafrika und der Sahelzone und identifizierte die Gruppen, die jene Orte kontrollieren, an denen illegale Waren produziert werden, sowie die wichtigsten Gateways und Routen, durch die der Warenfluss läuft. Die Beiträge beleuchteten die praktischen Fähigkeiten und politischen Bedeutungen  der beteiligten Akteure sowie die Verortung der Region in der internationalen Ökonomie der organisierten Kriminalität. Ausgehend von den praktischen Erfahrungen der Länder der Region konnten die folgenden drei Empfehlungen für nationale und regionale Initiativen zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität ausgearbeitet werden:

  • Zentrales Hindernis ist die Überschneidung von Initiativen zwischen verschiedenen Akteuren, die an einer Stabilisierung der Region beteiligt sind. Die Experten plädierten daher für eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Regierungen und internationalen Institutionen, was neben besserer Koordinierung auch einen stärkeren Informationsaustausch vorrausetzt.
  • Um die Aktivitäten krimineller und terroristischer Gruppierungen zu unterbrechen, sollte kleinen Projekten Vorrang eingeräumt werden, die sowohl den lokalen Erfordernissen entsprechen als auch zeit- und ressourcensparend umgesetzt werden können.
  • Schließlich sollte der Aufbau von Kapazitäten innerer Sicherheitskräfte Vorrang vor allen Bemühungen zur Schaffung von regional gestützten Sicherheitsnetzwerken haben, da die Arbeit nationaler Behörden ansonsten in hohem Maße von internationaler Koordination abhängig und auf langfristige Sicht nicht nachhaltig bleibt.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.