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Veranstaltungsberichte

Rente in Deutschland – Herausforderungen und Reformoptionen

Online-Diskussionsrunde

Veranstaltungsbericht 17. Februar 2026

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Im Rahmen einer digitalen Diskussionsveranstaltung widmete sich die Konrad-Adenauer-Stiftung dem Thema „Rente in Deutschland – Herausforderungen und Reformoptionen“. Ziel der Veranstaltung war es, die strukturellen Herausforderungen des deutschen Rentensystems zu analysieren und unterschiedliche Reformansätze zu diskutieren. Als Referentin führte Melanie Gerster, Referentin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung, mit einem Impulsvortrag in das Thema ein. An der anschließenden Diskussionsrunde beteiligte sich Prof. Dr. Gerd Hilligweg, Dekan des Fachbereichs Wirtschaft und Gesellschaft der Jade Hochschule.

 

Zu Beginn ihres Vortrags erläuterte Melanie Gerster die Funktionsweise des deutschen Rentensystems. Dieses basiert im Kern auf dem Umlageverfahren: Die Beiträge der aktuell Erwerbstätigen finanzieren die laufenden Rentenzahlungen. Die individuelle Rentenhöhe ergibt sich dabei aus Dauer und Höhe der eingezahlten Beiträge im Verlauf der Erwerbsbiografie. Ergänzt wird die gesetzliche Rente durch betriebliche und private Vorsorgemodelle. Diese dienen dazu, individuelle Versorgungslücken zu schließen und Risiken breiter zu streuen.

Ein Schwerpunkt des Impulsvortrags lag auf dem demografischen Wandel. Die steigende Lebenserwartung und die sinkende Geburtenrate führen zu einer veränderten Altersstruktur: Die Zahl der Rentenbeziehenden wächst, während die Zahl der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sinkt. Diese Entwicklung erhöht den finanziellen Druck auf das umlagefinanzierte System. Gleichzeitig bestehen regionale Unterschiede – insbesondere ländliche Regionen sind vom Rückgang jüngerer Bevölkerungsgruppen besonders betroffen. Gerster betonte, dass der demografische Wandel auch arbeitsmarktpolitische Konsequenzen habe: Eine alternde Erwerbsbevölkerung erfordere altersgerechte Arbeitsplätze, betriebliche Gesundheitsförderung und neue Konzepte zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit im höheren Lebensalter. Ein weiterer zentraler Aspekt war der Wandel moderner Erwerbsbiografien. Zunehmende Teilzeitbeschäftigung, befristete Arbeitsverhältnisse, Solo-Selbstständigkeit sowie familienbedingte Erwerbsunterbrechungen führten häufig zu geringeren Rentenanwartschaften. Besonders Frauen seien von daraus resultierenden Rentenlücken betroffen. Zudem verwies Gerster auf die wachsende Bedeutung qualifizierter Zuwanderung zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes und damit auch zur Stabilisierung der Rentenfinanzierung. Das Umlageverfahren ist strukturell von der Zahl der Erwerbstätigen abhängig. Sinkende Beitragszahlerzahlen machen steigende Bundeszuschüsse erforderlich, die jedoch den Staatshaushalt belasten und in Konkurrenz zu anderen politischen Prioritäten stehen. Die Referentin hob hervor, dass Rentenpolitik stets einen Ausgleich zwischen sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit finden müsse. Wirtschaftszyklen, Produktivitätsentwicklung und Migration beeinflussten die Einnahmeseite zusätzlich.

 

Im zweiten Teil ihres Vortrags stellte Melanie Gerster mögliche Reformoptionen vor. Eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters könne der steigenden Lebenserwartung Rechnung tragen, müsse jedoch die unterschiedlichen Belastungen verschiedener Berufsgruppen berücksichtigen. Flexible Übergänge – etwa durch Teilrente oder gleitende Modelle – ermöglichten individuell angepasste Lösungen. Flankierend seien Prävention, Rehabilitation und altersgerechte Arbeitsbedingungen erforderlich. Kapitalgedeckte Modelle könnten das umlagefinanzierte System ergänzen und zusätzliche Stabilität schaffen. Dabei seien jedoch Finanzmarktrisiken sowie Fragen der sozialen Ausgewogenheit zu berücksichtigen. Transparente und gerechte Ausgestaltung sei entscheidend für Akzeptanz und Vertrauen.

In der anschließenden Diskussion brachte Prof. Dr. Gerd Hilligweg seine Perspektive aus Wissenschaft und Hochschulpraxis ein. Er unterstrich die Notwendigkeit langfristiger Strukturreformen und verwies auf die Bedeutung ökonomischer Rahmenbedingungen für die Stabilität des Rentensystems. Diskutiert wurden insbesondere Fragen der Generationengerechtigkeit: Jüngere Generationen trügen zunehmend höhere finanzielle Lasten und erwarteten zugleich verlässliche Perspektiven für die eigene Altersvorsorge. Dabei wurde deutlich, dass Rentenpolitik nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine gesellschaftspolitische Dimension besitzt. Solidarität, Fairness und Verlässlichkeit seien zentrale Leitprinzipien. Einigkeit bestand darin, dass Reformen sowohl Stabilität als auch soziale Balance gewährleisten müssten. Neben strukturellen Anpassungen seien auch wirtschaftliches Wachstum, Produktivitätssteigerungen und eine hohe Erwerbsbeteiligung entscheidende Faktoren.

 

Die Online-Diskussionsrunde machte deutlich, dass das deutsche Rentensystem vor tiefgreifenden Herausforderungen steht. Der demografische Wandel, veränderte Erwerbsbiografien und fiskalische Belastungen erfordern langfristige und ausgewogene Reformen. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung, dass es keine einfache Einzellösung gibt. Vielmehr bedarf es eines ausgewogenen Maßnahmenmixes aus strukturellen Anpassungen, arbeitsmarktpolitischen Reformen und einer stärkeren Ergänzung durch kapitalgedeckte Elemente. Die Konrad-Adenauer-Stiftung wird die Debatte um eine generationengerechte und nachhaltige Altersversorgung weiterhin konstruktiv begleiten.

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