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Chaos an griechisch-mazedonischer Grenze

Mazedonische Behörden haben ihre Zuständigkeit aufgegeben

In Europas Flüchtlingskrise gibt es einen neuen Brennpunkt: Tausende Migranten versuchen über die Balkanroute nach Westeuropa zu gelangen. In Mazedonien ist die Lage besonders dramatisch. Die Menschen versuchen über die Züge von Griechenland über Mazedonien nach Serbien bis nach Ungarn zu kommen. „Die Bilder sind an Dramatik fast nicht zu überbieten“, sagte Norbert Beckmann-Dierkes, Leiter des Auslandsbüros in Belgrad, am Montag im Interview mit N24.

Die Züge seien mit Menschenströmen überfüllt und nach Medienberichten habe sich bereits ein Unfall mit einem 10jährigen Jungen ereignet, der bei dem Versuch in einen Zug zu gelangen mit einer Stromleitung in Berührung kam. Er habe schwer verletzt überlebt, berichtete Beckmann-Dierkes.

Eine Kontrolle der Lage gebe es derzeit nicht. „Die mazedonischen Behörden haben ihre Zuständigkeit aufgegeben, weil sie der Menschenmenge nicht mehr Herr werden“, sagte Beckmann-Dierkes. Sie hätten bereits öffentlich um Unterstützung gebeten. Unterdessen gebe es im Nachbarland Serbien Bemühungen, die Flüchtlinge zu betreuen. 30 km vor der Stadt Belgrad gebe es bereits Aufnahmelager, doch Serbien sei nur ein Durchgangsland, erläuterte Beckmann-Dierkes. Viele Flüchtlinge würden weiter über die ungarische Grenze direkt in die Europäische Union ziehen wollen.

Die serbische Bevölkerung gehe aufgrund der historischen Ereignisse im eigenen Land solidarisch mit den Flüchtlingsströmen um. „Die Menschen in Serbien haben noch eine sehr aktive Erinnerung an Flucht und Vertreibung und begegnen ihnen mit Gelassenheit und Sympathie“, sagte Beckmann-Dierkes. Daher gebe es derzeit keine aggressiven Vorkommnisse. Aber Schlepperbanden würden immer wieder versuchen mit den Flüchtlingen ihr Geschäft zu machen. Beckmann-Dierkes betonte, dass diese Machenschaften von der serbischen Bevölkerung offen angesprochen und verurteilt würden. Mittlerweile hat Ungarn die Grenzen geschlossen.

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Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan versuchen in einen überfüllten Zug einzusteigen. | Foto: dpa dpa

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Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

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Berlin Deutschland