Einzeltitel

Jesus von Nazareth, Teil II

von Michael Borchard, Karlies Abmeier

Politische Aspekte der Jesus-Biographie

Am Tag nach Aschermittwoch 2011 ist der deutschen Öffentlichkeit der zweite Band des Jesus-Buches des Papstes mit dem Untertitel „Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung“ vorgestellt worden. Nach dem Erfolg des ersten Jesus-Buches war der zweite Band mit großer Spannung erwartet worden.

In dem 2007 erschienenen ersten Teil „Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ stellte der Papst in einer theologischen Auslegung der Schrift den Jesus der Evangelien als den „realen“ Jesus dar (13), um so das Außergewöhnliche seines Lebens und Wirkens nachzuzeichnen und eine „innere Freundschaft mit Jesus“ zu begründen und zu vertiefen.

Das große Echo auf das Buch, das in allen Ausgaben bisher über eine halbe Million Mal verkauft wurde, und lange auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten stand, traf offensichtlich ein religiöses Bedürfnis bei denen, die etwas „Authentisches“ über Jesus als Zentrum des christlichen Glaubens, erfahren wollten und etwas suchten, das über ihr Leben hinausweist und das nicht durch „esoterische Autoren“ allein befriedigt werden kann.

Nach umfangreichen Anzeigekampagnen und Vorabdrucken in verschiedenen Zeitungen verspricht auch der neue Band „Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung“ ein großes Publikum zu finden. Wie der erste Band ist es wieder ein sehr persönliches Buch unter der doppelten Autorennennung Joseph Ratzinger und Benedikt XVI. Bewusst greift der Papst auf das Vorwort von 2007 zurück, dass es darum gehe, „Gestalt und Botschaft Jesu“ darzustellen. Auch jetzt lautet Grundabsicht „die Gestalt Jesu, sein Wort und sein Tun zu verstehen“ (14). Er hofft, dass ihm eine Annäherung an die Gestalt unseres Herrn „geschenkt“ worden sei. Diese Ehrfurcht gegenüber dem Göttlichen durchzieht das ganze Werk. Geprägt ist seine auf Begegnung mit Christus abzielende Darstellung von einem phasenweise fragenden Stil, der den Leser mitnimmt in den Verlauf seiner Überlegungen, seines „persönlichen Suchens“, in den Dialog mit dem neuen Testament, den Kirchenvätern und modernen Exegeten. Insgesamt ist der zweite Band in einer sehr nachvollziehbaren und weniger abgehobenen Sprache gehalten und deshalb noch besser und flüssiger lesbar als der erste Band.

Trotz des „leserfreundlichen“ Sprachduktus ist der Band in erster Linie ein theologisches Buch, mit dem man in der Fastenzeit mit Blick auf Jesu Leben und Sterben sehr gut meditieren kann. Nicht zuletzt ist es aber – in noch stärkerem Ausmaß als der erste Band – eine Christusdarstellung, die viele politische Implikationen enthält. Dies liegt freilich nicht nur allein daran, dass die Botschaft Christi, die in diesem Buch herausgearbeitet ist, unser Zusammenleben unmittelbar betrifft und deshalb immer auch politisch ist. Vielmehr hat das etwas damit zu tun, dass sich nach eigener Auffassung des Papstes in diesem neuen Teil die entscheidenden Worte und Ereignisse des Lebens Jesu finden, die auch auf heutige Fragestellungen verweisen und so Orientierung bieten können für das persönliche wie öffentliche Leben.

Für eine Betrachtung des Buches aus politischer Perspektive sind die folgenden Schwerpunkte des Buches in den Mittelpunkt dieser Auswertung gestellt worden:

  • Die Frage nach dem „Revolutionär Jesus“: Kann Religion jemals als Legitimation für politische Gewalt dienen?
  • Die Frage nach der Wahrheit: Welche Macht kann die christliche Botschaft in Politik und Welt heute entfalten?
  • Die Frage nach der Konsequenz des Lebens Jesu für die Christen und die Kirche heute: Welche Rolle spielen Frauen in der Kirche und wie sollen Einzelne sich verhalten?
  • Die Fragen des Dialogs mit den Juden: Dient das Buch der Aufarbeitung von Missverständnissen?
  • Die Fragen der Ökumene: Inwiefern ist dieses Buch ein Zeugnis für die Notwendigkeit der Einheit der Kirchen?

Über diese Reihe

Sammlung aller Einzelpublikationen, welcher keiner spezifischen Publikationsreihe angehören.

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Herausgeber

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Berlin Deutschland