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Veranstaltungsberichte

Deutschland muss sich ranhalten

von Sebastian Weise
Ergebnisse der Studienreihe „Vergleich nationaler KI-Strategien zur Förderung Künstlicher Intelligenz“

Künstliche Intelligenz bedarf der politisch-gesellschaftlichen Gestaltung

Mit Blick auf die hohe gesellschaftliche Relevanz von Künstlicher Intelligenz (KI) dürfen wir dieses Thema weder Technologen noch Ökonomen allein überlassen," betonte Stiftungsvorsitzender Prof. Dr. Lammert bei der Vorstellung einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem ThinkTank Cambrian.ai, in der die internationale KI-Strategielandschaft und die Ende letzten Jahres vorgestellte KI-Strategie der Bundesregierung analysiert wurde. Lammert unterstrich zudem, dass die Politik in diesem Zusammenhang eine doppelte Verantwortung habe, zum einen die damit verbundenen Entwicklungschancen finanziell zu fördern und zugleich die Rahmenbedingungen zu setzen, dass solche technologischen Innovationen sich nicht verselbständigen.

Dass laut Studie Deutschland bei der Förderung von KI im internationalen Vergleich eher im Mittelfeld rangiert, sei - auch gemessen an der deutschen Wirtschaftskraft - ein Beweis dafür, dass weitere Investitionen erforderlich seien, erklärte Lammert. Die am Vortag der Veranstaltung bekannt gewordenen Überlegungen des Bundesfinanzministeriums, keine zusätzlichen Mittel für die Erforschung und Anwendung von KI bereitzustellen, wertete Lammert als „politisch fragwürdige Prioritätensetzung." Dr. Olaf Groth, Geschäftsführender Partner der Denkfabrik Cambrian.ai und einer der Verfasser der Studie, sprach gar von einem „Jahrhundertfehler, der die Zukunft des Landes gefährdet und Deutschland gänzlich von anderen Nationen abhängig machen wird".

KI Strategie

Die KI-Strategie der Bundesregierung ist ein guter Anfang aber jetzt gilt es in die aktive Gestaltung zu gehen

Mit Blick auf Deutschland als KI-Standort und Innovationsökosystem hatten die Autoren eine klare Botschaft: Deutschland besitzt große Potenziale als KI-Standort, hat eine vielschichtige KI-Strategie liegt aber im internationalen Vergleich mit den führenden Industrienationen in mehreren untersuchten Dimensionen nur im Mittelfeld. Folglich gilt es jetzt, die KI-Strategie der Bundesregierung entschlossen umzusetzen, teils zu schärfen und an einigen Stellen auch auszubauen. Besonderen Handlungsbedarf für Deutschland, sehen die Autoren bei der Kommerzialisierung von Künstlicher Intelligenz mit Schwerpunkt auf den Mittelstand, der Einrichtung einer zentralen und digitalkompetenten Steuerungsstruktur, der Bindung und Rekrutierung von KI-Talenten, der Stärkung der Fähigkeiten im Bereich Super und Quantum Computing und dem verbesserten Zugang zu Datenpools.

KI Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts und Gegenstand des internationalen Wettbewerbs

In der Vorstellung der Ergebnisse der Studie unterstrichen die Autoren, dass Künstliche Intelligenz (KI) eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts darstellt, welche als Querschnittstechnologie alle Gesellschaftsbereiche durchdringen und nachhaltig verändern wird. Als eine solche disruptive Querschnittstechnologie bietet KI sowohl erhebliche ökonomischen Potenziale wie auch die Chance, einen Beitrag zur Lösung drängender gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass immer mehr Staaten die Erforschung, Anwendung sowie die Kommerzialisierung fördern und ein internationaler Wettbewerb um die Technologieführerschaft bei KI begonnen hat. In der Vorstellung der Ergebnisse hoben Dr. Olaf Groth und Tobias Straube (Cambrian.ai) als Autoren der Studie hervor, dass dieser Wettbewerb nicht nur wirtschaftlicher Natur sei, sondern zugleich ein Wettbewerb der Werte- und Ordnungsvorstellungen. Bei diesem Wettbewerb müssen sich Deutschland und Europa mit einem eigenständigen dritten Weg gegenüber den USA und China behaupten. Wird es doch nur so möglich sein, die eigenen Werte zu verteidigen und die damit verbundene Idee einer ethisch-reflektierten Künstlichen Intelligenz auf internationaler Ebene zusammen mit Partnern zu verankern. Zugleich unterstrichen die Autoren bei Ihrem Vortrag, dass auch wenn ein internationaler Wettbewerb unbestreitbar ist, die historischen Metaphern eines neuen „digitalen Kalten Krieges“ oder neuen „Wettrüstens um Künstliche Intelligenz“ das heutige Geschehen nicht adäquat erfassen. Werden doch, erstens, wissenschaftliche Fortschritte in einer globalen Forschungscommunity öffentlich publiziert und verbreitet, liegen, zweitens, digitale Datenpools, die für die Entwicklung von KI notwendig sind, im virtuellen Raum quer zu nationalen Grenzen und sind es letztlich ebenso private Unternehmen und nicht allein Staaten, die, drittens, die KI-Revolution auch bottom-up vorantreiben.

Innovativ sein und von internationalen Best Practices lernen – Ein Erfolgsrezept

In der anschließenden Diskussion und mit Blick auf die deutsche KI-Strategie teilte Herr Dr. Heumann, Vorstand der Stiftung Neue Verantwortung, grundlegend die vorgelegte Analyse. Zusätzlich ergänzte er, dass es notwendig sei, die Bemühungen zur Förderung von KI stärker mit einer gesellschaftlichen Vision zu hinterlegen und Europa, wie in den Handlungsempfehlungen der Studie hervorgehoben, als gesamtheitliches und vielfältiges KI-Innovationsökosystem zu stärken. In ihrer Kommentierung der Handlungsempfehlungen begrüßte Frau Ronja Kemmer, MdB und Obfrau der CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag, ein Gros der Handlungsempfehlungen allen voran Maßnahmen: zur Stärkung des deutschen KI-Innovationsökosystems und des Wissenstransfers in die Wirtschaft mit Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen, zur Verbesserung des Zugangs zu notwendigen Datenpools und der Rekrutierung von KI-Fachkräften sowie zur stärkeren Berücksichtigung von Entwicklungs- und Schwellenländern. Während auch Frau Kemmer den Bedarf einer zeitnahen und entschlossenen Umsetzung der KI-Strategie unterstrich, verwies Sie aber auch auf erste bereits umgesetzte Maßnahmen, wie zum Beispiel den mittlerweile durch den Bundesrat beschlossenen „Digitalpakt Schule“.

Der Erfolg im internationalen KI Wettbewerb ist von mehr abhängig als nur von finanzieller Förderung

Nach einer Diskussion der Ergebnisse mit dem Publikum wurde bei der Veranstaltung deutlich, dass bei dem internationalen Wettbewerb um KI eine entsprechende finanzielle Förderung und die Setzung sowohl innovationsfreundlicher wie ethisch-reflektierter Rahmenbedingungen von hoher Bedeutung ist. Mindestens ebenso wichtig wird es aber sein, ein gesellschaftliches Klima für KI zu schaffen, in dem die deutsche Gesellschaft offen und konstruktiv den Potenzialen wie auch den Risiken von KI gegenübersteht.

Ansprechpartner

Sebastian Weise

Sebastian Weise bild

Referent für Globale Innovationspolitik

sebastian.weise@kas.de + 49 30 26996-3732 +49 30 26996-53732
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Über diese Reihe

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